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Krankenkassen sorgen für Empörung mit Emoji-Liste zu Krankheiten

Montag, 23. Juli 2018

Berlin – Der GKV-Spitzenverband hat mit einer Emoji-Liste zu Krankheiten eine Welle der Empörung ausgelöst. „Zum #WorldEmojiDay stellen wir Ihnen die wichtigsten #Emojis und ihre medizinische Bedeutung nochmals zur Verfügung“, hatte der Verband der Spitzenverband der Krankenkassen getwittert. Besondere Aufregung gab es um Adipositas, das als „Schwein“ dargestellt wurde. Ähnlich kritisch wurden die Emojis zum positiven (ein weinendes Emoji) und negativen Schwangerschaftstest (ein erleichtertes Emoji) aufgenommen.

„Adipositas als Schweinchen darzustellen oder, nach meinem Dafürhalten noch schlimmer, einen positiven Schwangerschaftstest mit Weinen und einen negativen mit ‚Erleichterung‘ – dies  zeugt von Unverständnis und fassungsloser Gleichgültigkeit Kranken gegenüber“, schrieb Stephan Achenbach, Chairman, Department of Cardiology an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, in einer E-Mail. Die Ärzteschaft sollte die Selbstauflösung des Verbandes oder zumindest Rücktritt des Vorstands fordern. „Schweigen wirkt billigend“, sagte er. Achenbach bezeichnete den Tweet als „völlig unangebracht, geschmacklos und verachtend“.

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„Ein Schwein als Emoji für #Adipositas ist unfassbar unsensibel. Wie wäre es, wenn der @GKV_SV sich am Kampf gegen die Stigmatisierung krankhaft adipöser Patienten beteiligt?“, twitterte der BVMed. Der CDU-Gesundheitspolitiker Erwin Rüddel erklärte auf dem Kurznachrichtendienst: „Manchmal ist das Eis zwischen „lustig“ und „peinlich“ sehr dünn – gerade im Sommer.“

Andere User wie Antje Thiel schrieben „Ein Schwein für Adipositas? Das ist jetzt nicht ihr Ernst, oder?“. Katja Felsmann erklärte: „Ich bin fassungslos...ein Schwein für Adipositas. Hat Euch die Hitze der letzten Tage das Gehirn gebraten???“ Simone Kaiser twitterte als Reaktion: „Soll das witzig im Sinne von witzig sein? Das ist mit Abstand das Menschen verachtetste was ich seit langem gesehen habe. Schämt euch dafür!“ BeatevJ erklärte: „Wer ist für diesen unfassbaren Beitrag verantwortlich? Soll das lustig sein, z.B. adipöse Menschen mit Schweinen zu vergleichen? Das ist an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten. Entschuldigen Sie sich!“

„Wir wollten uns humorvoll am #WorldEmojiDay beteiligen. Dabei haben wir leider gründlich danebengegriffen“, erklärte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbands, auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes. Er wies darauf hin, dass man bereits wenige Stunden nach dem Erscheinen des Tweets auf dem Kurznachrichtendienst um Entschuldigung gebeten habe. Die grafische Aufbereitung der „Gesundheits-Emoji-Interpretation“ kursiere seit Jahren unter anderem bei Twitter und WhatsApp, sie sei nicht vom GKV-Spitzenverband erstellt worden. Den Tweet mit der „Gesundheits-Emoji-Interpretation“ habe man inzwischen gelöscht, so Lanz.

Die Entschuldigung wurde nicht von allen angenommen. „Ob dieser vollkommenen Geschmacklosigkeit kann man nur fassungslos sein und diese kurze Bemerkung kann nicht ausreichen, um auch nur ein wenig Vertrauen wiederherzustellen, dass Ihre Organisation und deren Mitarbeiter eine akzeptable Einstellung zu Krankheit und Gesundheit haben“, twitterte Achenbach zur Entschuldigung des GKV-Spitzenverbands.

© may/aerzteblatt.de

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