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Tod von Krebspatienten: Heilpraktiker muss vor Gericht

Dienstag, 24. Juli 2018

Krefeld – Ein Heilpraktiker aus dem niederrheinischen Brüggen muss sich wegen des Todes von drei Krebspatienten vor dem Landgericht in Krefeld verantworten. Mit einer ungenauen Waage soll er tödlich überdosierte Infusionen hergestellt und verabreicht haben. Das Gericht habe die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung geprüft und zur Verhandlung zugelassen, teilte ein Gerichtssprecher heut mit. Termine stünden noch nicht fest.

Der 60-jährige Angeklagte muss sich darüber hinaus wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verantworten. Der Heilpraktiker hatte den Schwerkranken laut Anklage eine erheblich überdosierte Infusionslösung verabreicht, weil er für die Herstellung der Infusion eine Waage benutzt habe, die für solche Kleinstmengen ungeeignet gewesen sei. Dadurch habe er den Wirkstoff um das Drei- bis Sechsfache zu hoch dosiert. Zwei Frauen und ein Mann starben. Der Heilpraktiker hatte sich zu den Vorwürfen umfangreich eingelassen und den Ermittlern mehrere Tage lang Rede und Antwort gestanden.

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Er hatte Krebspatienten mit dem experimentellen Wirkstoff 3-Bromopyruvat (3-BP) behandelt. Dieser ist bislang nicht als Arzneimittel zugelassen, eine Anwendung ist aber nicht grundsätzlich verboten. Allerdings sei bei der Verabreichung besondere Sorgfalt erforderlich, weil bereits bei einer geringen Überdosierung schwere oder sogar tödliche Nebenwirkungen zu erwarten seien, argumentiert die Staatsanwaltschaft.

Insgesamt hatten die Ermittler rund 70 Todesfälle untersucht. Die Praxis im deutsch-niederländischen Grenzgebiet wurde vor allem von niederländischen Patienten aufgesucht. © dpa/aerzteblatt.de

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doc.nemo
am Mittwoch, 25. Juli 2018, 08:47

Arztvorbehalt

Ich kann Staphylococcus rex nur recht geben: eine massive Ausweitung des Arztvorbehaltes wäre eine effektive Möglichkeit, dem Heilpraktiker(un)wesen Einhalt zu gebieten. Und sie würde auch an den Grundfesten des Heilpraktikertums rütteln. Endlich.
Staphylococcus rex
am Dienstag, 24. Juli 2018, 18:29

Ein anderer Blick auf die Rechtslage

Nach geltender Rechtslage ist ein medizinischer Eingriff eine Körperverletzung. Nach §228 BGB gilt: „Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt.“

Genau mit dieser Frage wird sich das Gericht befassen müssen: Der Heilpraktiker hat sicher eine Aufklärung über seine geplante Behandlung durchgeführt. Aber streng genommen hat er hier eine off label Therapie mit einem Zytostatikum durchgeführt und damit seine Kompetenzen bei weitem überschritten. Eine derartige Aufklärung vor einem riskanten medizinischen Eingriff ist eine ärztliche Kernaufgabe und setzt die ärztliche Approbation voraus. Das Gericht muss die Frage klären, ob angesichts der Kompetenzüberschreitung die Aufklärung und damit die Einwilligung rechtsgültig ist.

Sollte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass die Aufklärung und damit die Einwilligung rechtsunwirksam ist, dann handelt es sich hier um eine mehrfache vorsätzliche Körperletzung mit Todesfolge. Der Verzicht auf das Fachwissen eines Apothekers bei der Herstellung der Infusionen kann nur durch Profitgier erklärt werden und ist damit als niederer Beweggrund zu werten. Aus meiner Sicht ist die Anklage wegen fahrlässiger Tötung hier nicht passend. Nach §227 steht auf Körperverletzung mit Todesfolge eine Strafe von mindestens drei Jahren.

Das Tätigkeitsspektrum eines Heilpraktikers ist kaum reglementiert und lässt viel Raum für Missbrauch. Wenn das Gericht feststellt, dass für bestimmte Eingriffe eine ÄRZTLICHE Aufklärung zwingend erforderlich ist, kann dem den Exzessen im Heilpraktikerunwesen ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden.

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