NewsVermischtesTod von Krebspatienten: Heilpraktiker muss vor Gericht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Tod von Krebspatienten: Heilpraktiker muss vor Gericht

Dienstag, 24. Juli 2018

Krefeld – Ein Heilpraktiker aus dem niederrheinischen Brüggen muss sich wegen des Todes von drei Krebspatienten vor dem Landgericht in Krefeld verantworten. Mit einer ungenauen Waage soll er tödlich überdosierte Infusionen hergestellt und verabreicht haben. Das Gericht habe die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung geprüft und zur Verhandlung zugelassen, teilte ein Gerichtssprecher heut mit. Termine stünden noch nicht fest.

Der 60-jährige Angeklagte muss sich darüber hinaus wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verantworten. Der Heilpraktiker hatte den Schwerkranken laut Anklage eine erheblich überdosierte Infusionslösung verabreicht, weil er für die Herstellung der Infusion eine Waage benutzt habe, die für solche Kleinstmengen ungeeignet gewesen sei. Dadurch habe er den Wirkstoff um das Drei- bis Sechsfache zu hoch dosiert. Zwei Frauen und ein Mann starben. Der Heilpraktiker hatte sich zu den Vorwürfen umfangreich eingelassen und den Ermittlern mehrere Tage lang Rede und Antwort gestanden.

Anzeige

Er hatte Krebspatienten mit dem experimentellen Wirkstoff 3-Bromopyruvat (3-BP) behandelt. Dieser ist bislang nicht als Arzneimittel zugelassen, eine Anwendung ist aber nicht grundsätzlich verboten. Allerdings sei bei der Verabreichung besondere Sorgfalt erforderlich, weil bereits bei einer geringen Überdosierung schwere oder sogar tödliche Nebenwirkungen zu erwarten seien, argumentiert die Staatsanwaltschaft.

Insgesamt hatten die Ermittler rund 70 Todesfälle untersucht. Die Praxis im deutsch-niederländischen Grenzgebiet wurde vor allem von niederländischen Patienten aufgesucht. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #88255
doc.nemo
am Mittwoch, 25. Juli 2018, 08:47

Arztvorbehalt

Ich kann Staphylococcus rex nur recht geben: eine massive Ausweitung des Arztvorbehaltes wäre eine effektive Möglichkeit, dem Heilpraktiker(un)wesen Einhalt zu gebieten. Und sie würde auch an den Grundfesten des Heilpraktikertums rütteln. Endlich.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 24. Juli 2018, 18:29

Ein anderer Blick auf die Rechtslage

Nach geltender Rechtslage ist ein medizinischer Eingriff eine Körperverletzung. Nach §228 BGB gilt: „Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt.“

Genau mit dieser Frage wird sich das Gericht befassen müssen: Der Heilpraktiker hat sicher eine Aufklärung über seine geplante Behandlung durchgeführt. Aber streng genommen hat er hier eine off label Therapie mit einem Zytostatikum durchgeführt und damit seine Kompetenzen bei weitem überschritten. Eine derartige Aufklärung vor einem riskanten medizinischen Eingriff ist eine ärztliche Kernaufgabe und setzt die ärztliche Approbation voraus. Das Gericht muss die Frage klären, ob angesichts der Kompetenzüberschreitung die Aufklärung und damit die Einwilligung rechtsgültig ist.

Sollte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass die Aufklärung und damit die Einwilligung rechtsunwirksam ist, dann handelt es sich hier um eine mehrfache vorsätzliche Körperletzung mit Todesfolge. Der Verzicht auf das Fachwissen eines Apothekers bei der Herstellung der Infusionen kann nur durch Profitgier erklärt werden und ist damit als niederer Beweggrund zu werten. Aus meiner Sicht ist die Anklage wegen fahrlässiger Tötung hier nicht passend. Nach §227 steht auf Körperverletzung mit Todesfolge eine Strafe von mindestens drei Jahren.

Das Tätigkeitsspektrum eines Heilpraktikers ist kaum reglementiert und lässt viel Raum für Missbrauch. Wenn das Gericht feststellt, dass für bestimmte Eingriffe eine ÄRZTLICHE Aufklärung zwingend erforderlich ist, kann dem den Exzessen im Heilpraktikerunwesen ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden.
LNS

Nachrichten zum Thema

21. September 2020
Berlin – Künftig dürfen nicht nur Kliniken, sondern auch niedergelassene Fachärzte für Strahlentherapie oder Urologie Patienten mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom mit einer sogenannten
Brachytherapie bei Patienten mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs künftig auch in der Arztpraxis möglich
21. September 2020
Lugano/Köln – Die Versorgung von Krebspatienten ist weltweit während der SARS-CoV-2-Pandemie deutlich reduziert worden. Waren in der ersten COVID-19-Erkrankungswelle in den meisten westlichen Ländern
Weniger Operationen, weniger Bestrahlungen, weniger systemische Therapie
21. September 2020
Houston – Der erste Wirkstoff, der das häufige Onkogen KRAS in Krebszellen ausschalten kann, hat in einer Phase-1-Studie an Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, Darmkrebs und einigen anderen
Erster KRAS-Inhibitor erzielt Remissionen bei soliden Tumoren
21. September 2020
Lugano/Köln – Der PD-1-Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab ist beim rezidivierten oder refraktären Hodgkin-Lymphom als Salvagetherapie dem Antikörper-Toxin-Konjugat Brentuximab Vedotin beim
Hodgkin-Lymphom: Checkpoint-Inhibitor mit besserer Lebensqualität als Immuntoxin
17. September 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat Qualitätsanforderungen für Einrichtungen festgelegt, die Patienten mit B-Zell-Neoplasien mit sogenannten CAR-T-Zellen behandeln. „Dass der Einsatz
Therapien mit CAR-T-Zellen: Einrichtungen müssen neue Qualitätsanforderungen erfüllen
17. September 2020
Boston und Houston – Der RET-Inhibitor Selpercatinib, der erste Vertreter einer neuen Gruppe von Kinasehemmern, kann bei den 70 % der medullären Schilddrüsenkarzinome und den 2 % der
RET-Inhibitor Selpercatinib erzielt bei NSCLC und Schilddrüsenkrebs längere Remissionen
9. September 2020
Marburg – Patienten mit einer akuten myeloischen Leukämie (AML) können von einer Behandlung mit dem Wirkstoff Sorafenib profitieren. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Andreas Burchert vom
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER