NewsPolitikAbgeordnete uneins über vorgeburtliche Bluttests
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Abgeordnete uneins über vorgeburtliche Bluttests

Mittwoch, 25. Juli 2018

/dpa

Berlin – Bundestagsabgeordnete debattieren derzeit öffentlich über Bluttests zur Feststellung eines Downsyndroms während der Schwangerschaft. Während sich die behindertenpolitische Sprecherin der Grünen, Corinna Rüffer, gegen eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen ausspricht, zeigen sich Fachpolitiker von FDP und AfD offen dafür.

Die Übernahme wäre „ein relevanter Schritt auf dem Weg zu einem Routinecheck auf Downsyndrom“, sagte Rüffer der Welt. Sie sprach von einem „falschen Schritt“. Wer Möglichkeiten schaffe, „immer früher und mit zunehmender Selbstverständlichkeit zu prüfen, ob ein Kind behindert sein wird, sendet vor allem eine Botschaft: Behinderte Kinder sind unerwünscht“, erklärte sie. Eltern, die sich gegen einen Test „oder sogar wissentlich für ein behindertes Kind“ entschieden, könnten „immer mehr in Erklärungsnöte“ geraten.

Anzeige

Rüffer ist Mitverfasserin eines Positionspapiers von zehn Abgeordneten aller Fraktionen außer der AfD, die sich dafür aussprechen, dass der Bundestag in einer ethischen Debatte darüber beraten soll.

Für die Übernahme spricht sich die an dem Positionspapier nicht beteiligte gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, aus. „Ein solcher Test sollte allen Frauen zur Verfügung stehen und nicht nur denjenigen, die es sich auf Selbstzahlerbasis leisten können“, sagte sie. Jede Schwangere solle „selbst und diskriminierungsfrei darüber entscheiden“, ob und welche Untersuchung sie durchführen lasse und wie sie mit dem Ergebnis umgehe.

Der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Axel Gehrke, sagte, er habe Probleme mit Bestrebungen, die Informationsmöglichkeiten durch den Bluttest zu beschränken. Dies würde „im Gegensatz zum sonstigen Umgang mit Schwangerschafts­abbrüchen“ stehen. „Ich sehe einen Widerspruch, wenn dabei einerseits das Selbstbestimmungsrecht der Frauen propagiert wird, aber andererseits nun bei medizinisch relevanten Fragen schon das Informationsrecht der Frauen eingeschränkt werden soll.“ Solchen ethischen Fragen müsse sich das Parlament stellen.

Der G-BA hatte im Herbst 2016 ein Bewertungsverfahren eingeleitet, in dem geprüft wird, ob nichtinvasive Pränataltests eine Regelleistung der Krankenkassen bei Risikoschwanger­schaften werden. Der Vorsitzende Josef Hecken hatte dazu erklärt, der G-BA habe den Auftrag, wissenschaftlich-technisch zu überprüfen, ob mit dem neuen Verfahren bestimmte Gendefekte zuverlässig erkannt werden könnten. Es sei aber Aufgabe des Gesetzgebers, eine ethisch-politische Diskussion über das Verfahren zu führen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheits­wesen (IQWiG) hatte Ende Juni mitgeteilt, dass Untersuchungen des Blutes Schwangerer Trisomie 21 zuverlässig bestimmen können. „Für Trisomie 21 sind die Tests mit über 99 Prozent ähnlich sensitiv und spezifisch wie die invasiven Methoden“, heißt es. Die Zuver­lässigkeit der Tests auf die seltenen Trisomien 13 und 18 ließen sich nicht robust schätzen. Das Institut hatte im Auftrag des G-BA Studien zu den diagnostischen Eigenschaften nichtinvasiver Pränataltests ausgewertet und Szenarien zu einer möglichen Nutzung dieser Tests in der Schwangerschaftsvorsorge skizziert. © kna/may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #651910
thyriris
am Sonntag, 29. Juli 2018, 16:53

@Pflegevater

Hallo Pflegevater: Her Simplicissimus ist nichts als ein Aufwiegler. Nicht drauf hören.
Wenn eine Frau sich entscheidet, einen Test auf Trisomie 21 vornehmen zu lassen, könnte man ja ein Stufenschema erarbeiten, bei dem nur bei erhöhtem Risiko lt. Triple-Test der Bluttest vorgenommen und von der KK übernommen wird. Schließlich ist eine Amniozenteste mit einem nicht zu vernachlässigenden Frühgeburtsrisiko verbunden.

Das eigentliche Problem ist das Bild von Kindern mit Trisomie 21 in der Gesellschaft. Dass ein Großteil der Kinder ein gutes, glückliches Leben haben können, wird selten und schon gar nicht von den Frauenärzten thematisiert. Frauenärzte erlebe ich da insgesamt extrem zurückhaltend, um nicht zu sagen: zu zurückhaltend.
Was wir brauchen, ist eine wirklich gute Beratung, die nicht von vornherein Schreckgespenster an die Wand malt. Heute gibt es soviel Unterstützung und Hilfen für Behinderte wie nie zuvor (wobei mir auch klar ist, dass es trotzdem nicth immmer einfach ist). Ich möchte ein Beispiel anführen, das nicht mit Trisomie zu tun hat, aber die Problematik verdeutlicht:
Eine Frau hatte in der Schwangerschaft alle erdenklichen Ultraschalls durchlaufen ohne dass es Auffälligkeiten gab. Bei der Geburt stellte sich dann eine Spina bifida heraus. Inzwischen kann das Kind mit Gehhilfen laufen, die Eltern sind zuversichtlich, was seine Zukunft anbetrifft, und es hat zwei Geschwister.
Zeitgleich zu dieser Geschichte wurde ein anderes Kind mit festgestellter Spina Bifida abgetrieben, mit dem Kommentar des zuständigen gyn. Chefarztes, es könne keinesfalls ein lebenswertes Leben führen.
Ich habe oft das Gefühl, dass auch Gynäkologen keine Ahnung von Menschen mit Behinderung haben. Vielleicht sollte die Beratung von einem Allgemeinmediziner durchgeführt werden, der da sicherlich einen völlig anderen Einblick hat.
Avatar #729759
Pflegevater
am Donnerstag, 26. Juli 2018, 14:19

Entscheidung für ein behindertes Kind ist kein Egoismus!

Den Kommentar von Simplicissimus500 kann ich so nicht stehen lassen! Ich verstehe den Schmerz über den Tod Ihres behinderten Kindes. Das gibt Ihnen aber nicht das Recht, allen behinderten Kindern das Lebensrecht (und die Lebensfreude!) abzusprechen!
Sie scheinen davon auszugehen, dass alle behinderten Menschen außer Leid nichts kennen – dabei übersehen Sie, dass auch viele behinderte Menschen ihr Leben durchaus als lebenswert ansehen.
Wir haben zwei geistig behinderte Adoptivkinder und kennen dadurch viele behinderte Kinder und Jugendliche, darunter auch Kinder mit Down-Syndrom. Viele dieser Kinder sind trotz Ihrer Einschränkungen glücklich und voller Lebensfreude.
Ein „Recht auf Unversehrtheit“ kann es meines Erachtens überhaupt nicht geben! Wer soll definieren, was noch unter Unversehrtheit fällt und was nicht?
Sie sprechen von „vermeidbar“ und meinen damit den Schwangerschaftsabbruch, der dem ungeborenen Kind das Recht auf Leben nimmt! Damit wird also nicht die Behinderung vermieden, sondern das Leben des ungeborenen Kindes! Behinderungen zu vermeiden, heißt für mich z. B., auf Alkohol und Zigaretten zumindest während der Schwangerschaft zu verzichten.
Avatar #111366
simplicissimus500
am Mittwoch, 25. Juli 2018, 22:35

Gegen die Bluttests zu sein, ist zynisch

Ich hatte ein Kind, das mit Down-Syndrom (damals noch mongoloid) geboren wurde. Es starb 3 Monate nach der Geburt. Ein Bluttest hätte viel Leid für Kind, Mutter, Vater und die gesamte Verwandtschaft erspart. Wer sich bewusst für ein behindertes Kind entscheidet, obwohl es vermeidbar wäre, handelt egoistisch gegen sein Kind. Jeder Mensch, der auf die Welt kommt, hat ein Recht auf Unversehrtheit. Wer seinem Kind dies bewusst verweigert, handelt unverantwortlich und verachtenswert. Mit Liebe zum Kind hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun.
LNS

Nachrichten zum Thema

12. Dezember 2018
Köln – Erhalten Schwangere einen auffälligen pränataldiagnostischen Befund, befinden sie sich oft in einer schwierigen und überfordernden Situation. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Bundeszentrale bietet Praxen Hilfestellung zu auffälligen pränataldiagnostischen Befunden
6. Dezember 2018
Berlin – Vor einer breitangelegten Anwendung von nichtinvasiven pränatalen Tests (NIPT) etwa durch Massenscreenings in der Schwangerschaft warnte heute der Berufsverband niedergelassener
Pränatalmediziner warnen vor breitangelegtem Einsatz nichtinvasiver pränataler Tests
6. November 2018
Bonn – Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert eine politische Debatte über einen Bluttest, der bereits im frühen Stadium einer Schwangerschaft Trisomie 21 bei ungeborenen Kindern
Katholikenkomitee warnt vor „Abtreibungsautomatismus“
2. November 2018
Hannover – Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) spricht sich dafür aus, Maßnahmen der nichtinvasiven Pränataldiagnostik (NIPD) bei Risikoschwangerschaften als Kassenleistung anzuerkennen,
Evangelische Kirche für vorgeburtliche Bluttests mit Beratung als Kassenleistung
15. Oktober 2018
Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat die von Abgeordneten des Bundestags angestrebte Klärung ethischer Fragen bei Bluttests für Schwangere etwa auf ein Down-Syndrom positiv aufgenommen. „Da man
Bundesärztekammer begrüßt parlamentarische Debatte über pränatale Bluttests
12. Oktober 2018
Berlin – Mehr als 100 Parlamentarier haben sich für eine Entscheidung des Bundestages zur Regelung vorgeburtlicher Bluttest ausgesprochen. Die Orientierungsdebatte über den Nutzen nichtinvasiver
Abgeordnete positionieren sich zu pränatalen Bluttests
11. Oktober 2018
Berlin – Die Bundesvereinigung Lebenshilfe hat sich hinter eine fraktionsübergreifende Initiative von Bundestagsabgeordneten gestellt, die eine parlamentarische Debatte über vorgeburtliche Bluttests
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER