NewsPolitikArztnetze sollen Medizinische Versorgungszentren gründen dürfen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Arztnetze sollen Medizinische Versorgungszentren gründen dürfen

Mittwoch, 25. Juli 2018

/dpa

Berlin – Von Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) anerkannte Arztnetze sollen künftig Medizinische Versorgungszentren (MVZ) in unterversorgten Regionen gründen können. Das geht aus dem Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) hervor, der gestern vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) vorgelegt wurde.

„Kooperative Versorgungsformen können die Versorgung der Versicherten verbessern und das Versorgungspotenzial effektiv nutzen“, heißt es dazu im Gesetzentwurf. Damit könnten Arztnetze in unterversorgten Regionen sowohl Ärzte als auch Medizinische Fachangestellte (MFA) anstellen.

Anzeige

Seit Jahren setzt sich die Agentur deutscher Arztnetze (ADA) dafür ein, Ärzte und MFA anstellen zu können. Mit der aktuellen Gesetzesinitiative ist der Vorstandsvorsitzende der ADA, Veit Wambach, jedoch nur halb zufrieden. „Mit der Aufnahme der Praxisnetze in den Gesetzentwurf erkennt die Bundesregierung das Potenzial der Ärztenetze für die Lösung regionaler Versorgungsprobleme an“, erklärte er dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) auf Nachfrage.

„Durch die derzeitige Formulierung wäre es anerkannten Praxisnetzen gestattet, bundesweit MVZ zu gründen, jedoch nur in unterversorgten Gebieten.“ Damit werde das vorhandene Potenzial nur unzureichend genutzt, so Wambach weiter, weil die Vorteile, die Praxisnetze für die Versorgung bieten, nur dann zum Einsatz kämen, wenn andere Lösungswege bereits gescheitert seien. Man wolle jedoch auch dazu beitragen, regionale Versorgung zu gestalten. Dafür wäre es notwendig, dass anerkannte Praxisnetze nicht nur in unterversorgten Gebieten MVZ gründen und Ärzte anstellen dürften.

Nachbesetzung von Arztstellen im MVZ soll künftig geprüft werden

Im TSVG-Entwurf sind noch weitere Regelungen enthalten, die Medizinische Versorgungszentren betreffen. So soll der Zulassungsausschuss die Nachbesetzung einer Arztstelle in einem MVZ, in dessen Region Zulassungsbeschränkungen gelten, ablehnen können, wenn er diese aus Versorgungsgründen nicht für erforderlich hält. Bislang hat der Zulassungsausschuss dies nur bei Vertragsarztsitzen geprüft.

Eine Ungleichbehandlung der verschiedenen Leistungserbringer sei nicht gerechtfertigt, heißt es dazu im Gesetzentwurf. „Die Regelung sieht jedoch nur vor, dass der Zulassungsausschuss dabei über das ‚ob‘, nicht hingegen auch über das ‚wie‘ der Nachbesetzung zu entscheiden hat“, heißt es weiter. „Dadurch wird sichergestellt, dass das Medizinische Versorgungszentrum seine angestellten Ärzte weiterhin selbst auswählen kann.“

Zudem will der Gesetzgeber klarstellen, dass in einem MVZ angestellte Ärzte die Gesellschafteranteile des MVZ übernehmen können, nachdem die originären Gründer, zum Beispiel aus Altersgründen, die Einrichtung verlassen haben. Da in solchen Fällen die Gründungsvoraussetzung des MVZ nicht mehr gegeben war, musste diesem nach dem Ausscheiden der Gründer bislang nach einer Übergangsfrist die Zulassung entzogen werden.

Unabhängigkeit von Kapitalinteressen

Klargestellt wird im TSVG-Entwurf ebenfalls, dass eine Träger-GmbH mehrere MVZ tragen kann und nicht für jede MVZ eine neue GmbH gegründet werden muss. Diesbezüglich habe es in der Vergangenheit teilweise Unklarheiten gegeben, heißt es im Gesetzentwurf.

Schließlich wird geregelt, dass nichtärztliche Dialyseeinrichtungen künftig nur noch fachbezogene MVZ gründen dürfen. In den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass zunehmend Kapitalinvestoren ohne medizinisch-fachlichen Bezug zur vertragsärztlichen Versorgung über diese Regelung Zugang zum Gesundheitswesen zu erhalten versuchten, heißt es im Gesetzentwurf. Mit der Neuregelung soll die Unabhängigkeit medizinischer Entscheidungen von Kapitalinteressen besser gewährleistet werden.

Bundesverband MVZ fordert Nachjustierung

Der Bundesverband MVZ (BMVZ) kritisiert, dass künftig jede Nachbesetzung einer Angestelltenstelle in Regionen mit Zulassungsbeschränkungen unter einen Prüfvorbehalt der Zulassungsausschüsse gestellt werden soll. „Wenn künftig der Zulassungssauschuss jede Nachbesetzung vorab prüfen soll, ist nicht nur die Stabilität und Arbeitsfähigkeit der MVZ mangels Planbarkeit gefährdet“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Peter Velling, der selbst Mitglied im Berliner Zulassungsausschuss ist, dem .

„Auch die Ausschüsse, die jetzt schon unter der Last der vielen Antragsverfahren leiden, werden vor kaum lösbare Aufgaben gestellt. Hier muss die vorgeschlagene Änderung dringend überarbeitet werden.“ Darüber hinaus geht der BMVZ „vorsichtig gespannt“ in das Gesetzgebungsverfahren. Einige der Regelungsvorschläge würden der Tendenz nach als sinnvoll und richtig eingestuft, hieß es aus dem Verband, bedürften jedoch einer Nachjustierung. © fos/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. November 2018
Berlin – Die Standesorganisationen der Zahnärzte in Deutschland haben davor gewarnt, dass immer mehr Zahnmedizinische Versorgungszentren (Z-MVZ) in die Hand von versorgungsfremden Kapitalinvestoren
Zahnärzte warnen vor MVZ-Übernahmen durch Kapitalinvestoren
6. November 2018
Berlin – Die Bundesregierung verfügt über keine Angaben dazu, wieviele Medizinische Versorgungszentren (MVZ) in Deutschland sich in der Hand von sogenannten Private-Equity-Gesellschaften befinden,
Finanzinvestoren und MVZ: Wenig Transparenz
26. Oktober 2018
Düsseldorf – Die Delegiertenversammlung des Hartmannbund-Landesverbandes Nordrhein lehnt die zunehmende Ausbildung konzernartiger Strukturen in der medizinischen Versorgung ab. Sie schränke die freie
Hartmannbund warnt vor konzernartigen Strukturen im ambulanten Sektor
14. September 2018
Berlin – Die Zahl der Neugründungen von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) hält weiter an. Das erklärte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes MVZ (BMVZ), Peter Velling, heute auf dem
Zahl der Medizinischen Versorgungszentren nimmt weiter zu
16. Mai 2018
Berlin – 32 Prozent der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) haben im Jahr 2016 finanzielle Verluste erwirtschaftet. Unter den von vertragsärztlich betriebenen MVZ machten nur sechs Prozent
Medizinische Versorgungszentren in ärztlicher Trägerschaft meist erfolgreicher
5. März 2018
Oberzent/Wiesbaden – In der neuen Odenwald-Gemeinde Oberzent hat das erste von der schwarz-grünen hessischen Landesregierung geförderte Gesundheitszentrum offiziell seine Arbeit aufgenommen. Darin
Land Hessen fördert Gesundheitszentrum in Oberzent
24. Januar 2018
Berlin – Ein neues Arbeitsbuch für alle, die ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) gründen und betreiben wollen, hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) vorgestellt. Es enthält einen
LNS
NEWSLETTER