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Medizin

EU-Behörden fordern bessere Prävention und Behandlung von Infektionen in Gefängnissen

Donnerstag, 26. Juli 2018

/dpa

Stockholm – Gefängnisse sind auch in Europa Brutstätten für gefährliche Krankheits­erreger. Zwei EU-Behörden fordern anlässlich der internationalen Aids-Konferenz (AIDS 2018) und des bevorstehenden Welt-Hepatitis-Tags am 28. Juli eine Intensivierung der Behandlung und Prävention von bestimmten Infektionskrankheiten – auch weil die Insassen nach ihrer Entlassung die Ausbreitung in der Allgemeinbevölkerung fördern könnten.

In den 31 Staaten der Europäischen Union (EU) und des Europäischen Wirtschaftsraums (EEA) sind mehr als 590.000 Menschen inhaftiert. Viele leiden an übertragbaren Erkrankungen. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) und das European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) schätzen, dass zwischen 0,3 und 25,2 % der Insassen an Hepatitis B leiden. Darunter sind viele Menschen, die in den Endemieregionen außerhalb Europas geboren sind. Zwischen 4,3 und 86,3 % sind mit Hepatitis C infiziert. Darunter sind viele intravenöse Drogenkonsumenten, die wegen Beschaffungsdelikten inhaftiert sind. 

Mit HIV sind zwischen 0,2 und 15,8 % infiziert. Auch hier ist der intravenöse Drogen­konsum neben unsicheren Sexualkontakten der häufigste Übertragungsweg. Auch die Tuberkulose ist in den Gefängnissen weiter verbreitet als in der Normalbevölkerung, auch wenn die Zahl der aktiven Erkrankungen (647 im Jahr 2015 in 17 EU/EEA-Ländern) weniger ein Problem ist als etwa in Russland. Die Enge in den Gefängnissen fördert jedoch die Ausbreitung der Tuberkulose.

Die meisten Insassen werden nach Verbüßung ihrer Haft in die Gesellschaft zurück­kehren, wo sie andere Menschen anstecken könnten. Behandlung und Prävention sind deshalb über die Gefängnismauern hinweg nach Ansicht von ECDC und EMCDDA ein wichtiges Public-Health-Anliegen. Gleichzeitig bietet die Inhaftierung die Chance, Krankheiten zu behandeln und deren Ausbreitung im Gefängnis zu verhindern.

Dazu schlagen die beiden Behörden eine Reihe von Maßnahmen vor, deren Effektivität durch eine systematische Studienübersicht belegt wird.

Dazu gehört die Verteilung von Kondomen und die Förderung von Safer Sex durch eine Beratung der Insassen. Durch eine Opiatsubstitution könnte der illegale Drogenkonsum in den Gefängnissen vermindert werden. Die Bereitstellung von sauberem Injektions­besteck könnte das Risiko einer Übertragung von hämatogenen Viren senken.

Insassen mit unbekannter oder negativer Serologie sollte möglichst rasch eine Hepatitis-B-Impfung angeboten werden, bevor sie sich im Gefängnis infizieren.

Nach einem Screening auf Hepatitis C und HIV könnte infizierten Insassen eine frühzeitige Therapie angeboten werden. Die Bereitschaft für die Tests und die Behandlung sollte jedoch durch eine Aufklärung der Insassen gefördert werden, die häufig nicht wissen, dass sie infiziert sind und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen.

Nach Ansicht von ECDC und EMCDDA ist es erwiesen, dass eine Behandlung von HIV und HCV in Gefängnissen möglich ist und erfolgreich sein kann.

Die Entlassung der Patienten aus dem Gefängnis stelle häufig ein Hindernis für die Fortsetzung der Therapie dar. Die Gesundheitsdienste im Gefängnis und später in der Gemeinschaft müssten deshalb besser als bisher kooperieren, fordern die beiden EU-Behörden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #751501
HansM
am Samstag, 25. August 2018, 20:56

Sauberkeit ist wichtig

Gerade in Einrichtungen wie etwa Gefängnissen sollte auch die Sauberkeit nicht vernachlässigt werden, sonst können diese als Brutstätten für Krankheitserreger dienen. Auch die Zellen sollten sauber gehalten werden und täglich gereinigt werden. Ob die Insassen das jedoch selbst tun und einen Putzlappen verwenden oder einen Staubsauger ist fraglich. Das Teilen von Nadeln stellt hierbei wohl eher das größere Risiko zur Übertragung von Krankheiten dar.
LNS

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