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Medizin

Plasmagabe im Rettungshubschrauber senkt Sterblichkeit bei schweren Blutungen

Freitag, 27. Juli 2018

/dpa

Pittsburgh – Menschen, die bei schweren Verkehrsunfällen oder anderen Traumata starke Blutungen erlitten hatten, überlebten in einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2018; 379: 315–26) häufiger, wenn ihnen bereits während des Lufttransports Blutplasma infundiert wurde.

Blutverluste werden bei Polytrauma-Patienten heute durch die Gabe von Blutplasma, Thrombozyten und Erythrozyten ausgeglichen. Dies kann eine Koagulopathie vermeiden, die nach Gabe einem reinen Volumenersatz durch Plasmaexpander die Blutungen verstärken kann. Die Therapie wird in zivilen Behandlungszentren erst nach Eintreffen des Patienten in der Klinik begonnen. In der Militärmedizin hat sich dagegen eine präklinische Plasmagabe etabliert, die bereits während des Lufttransports begonnen wird. In Afghanistan konnte die Sterberate von Kriegsverletzten zuletzt deutlich gesenkt werden (JAMA 2017; 318: 1581–1591).

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US-Mediziner haben jetzt in einer randomisierten Studie untersucht, ob das Konzept auf das zivile Rettungswesen übertragen werden kann. 27 Rettungsstationen wurden mit frischen Plasmakonserven versorgt, die sie zeitweise bei Patienten im hämorrhagischen Schock einsetzen sollten, die auf einen initialen Volumenersatz nicht angesprochen hatten. Die Behandlung sollte noch während des Lufttransports in die Klinik erfolgen.

An der Studie nahmen 501 Patienten teil, die meisten von ihnen Opfer von Verkehrsunfällen: 230 Patienten erhielten Plasma, bei den anderen 271 begnügten sich die Luftretter mit einer Standard-Reanimation. Endpunkt der PAMPer-Studie („PreHospital Air Medical Plasma Trial“) war die Sterblichkeit in den ersten 30 Tagen.

Wie Jason Sperry von der Universität Pittsburgh und Mitarbeiter berichten, senkte die Plasmagabe die Mortalität der Patienten von 33,0 auf 23,2 %. Der Unterschied von 9,8 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,0 bis 18,6 Prozent­punkten signifikant. Er bedeutet, dass von zehn Patienten, die während des Luft­transports Plasmaprodukte erhielten, einem zusätzlich das Leben gerettet wurde.

Diese günstige Number Needed to Treat von zehn lässt keinen Zweifel an der klinischen Relevanz der Studienergebnisse zu, zumal sich die Plasmagabe als sicher erwies. Laut Sperry ist es in keinem Fall zu einer Lungenschädigung durch die Plasma-Produkte gekommen. Bei 5 Patienten (2,2 %) kam es zu transfusionsbedingten oder allergischen Reaktionen, die jedoch alle noch während des Transports in die Klinik beherrscht werden konnten. © rme/aerzteblatt.de

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FCLUFT
am Sonntag, 29. Juli 2018, 13:41

Plasmagabe im Rettungshubschrauber senkt Sterblichkeit bei schweren Blutungen

Was in Pittsburgh läuft scheint in Denver nicht zu funktionieren (siehe Lancet gleiche Woche)
Plasma-first resuscitation to treat haemorrhagic shock during emergency ground transportation in an urban area: a randomised trial
LNS

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