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Kann eine Mittelmeerdiät vor Psoriasis schützen?

Freitag, 27. Juli 2018

/PhotoSG, stock.adobe.com

Paris – Franzosen, die sich nach den Prinzipien der Mittelmeerküche ernähren, gaben in einer internetbasierten Kohortenstudie in JAMA Dermatology (2018; doi: 10.1001/jamadermatol.2018.2127) seltener an, an einer Psoriasis zu leiden.

Die traditionelle Mittelmeerküche legt den Schwerpunkt auf Gemüse, Salat, Obst und Nüsse. Als Fett wird vor allem Olivenöl verwendet. Fisch und Meeresfrüchte ersetzen rotes Fleisch. Die Mittelmeerküche schränkt damit die Zufuhr von gesättigten Fettsäuren, Häme und Eisen ein, denen Ernährungswissenschaftler proinflamma­torische Eigenschaften zuschreiben, während Pflanzenfette und die im Rotwein enthaltenen Polyphenole Entzündungsreaktionen dämpfen sollen.

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Die Mittelmeerküche könnte deshalb günstige Auswirkungen auf entzündliche Erkrankungen haben, zu denen neben der rheumatoiden Arthritis und Morbus Crohn/Colitis ulcerosa auch die Psoriasis gehört. Nachdem frühere Untersuchungen bereits auf günstige Auswirkungen der Mittelmeerkost auf Rheuma (Joint Bone Spine 2017; 84: 547–552) und entzündliche Darm­er­krank­ungen (Nutr J. 2014; 13:5) hingewiesen hatten, hat Céline Phan vom Hôpital Mondor in Paris-Créteil jetzt die Auswirkungen der Mittelmeerkost auf die häufige Dermatose untersucht.

Sie analysierte hierfür die Angaben, die Franzosen im NutriNet-Santé-Projekt gemacht haben. Es handelt sich um eine Webseite, auf der französisch-sprechende Menschen regelmäßig Angaben zu ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten machen können. Ein Fragebogen befasst sich mit der Psoriasis. Er wurde von 35.735 Teilnehmern ausgefüllt, von denen 3.557 angaben, an der Dermatose zu leiden. Darunter waren 878 Patienten mit einer schweren Psoriasis.

Diese Personen ernährten sich seltener als andere Teilnehmer der Umfrage nach den Kriterien der Mittelmeerkost, die Phan nach einem MEDI-LITE-Score bewertete.

Für Menschen mit einem hohen MEDI-LITE-Score (10 bis 18 Punkte) ermittelt Phan ein um 22 % vermindertes Risiko, an einer schweren Psoriasis zu leiden (Odds Ratio 0,78; 95-%-Konfidenzintervall 0,59–1,101). Bei einem mittleren MEDI-LITE-Score (8 oder 9 Punkte) war das Risiko um 29 % gesenkt (Odds Ratio 0,71; 0,55–0,92).

Die Assoziation war damit nur für den mittleren MEDI-LITE-Score signifikant. Es fehlt zudem eine Dosis-Wirkungs-Beziehung, nach der mit steigenden MEDI-LITE-Score das Risiko weiter sinken müsste. Da eine Dosis-Wirkungs-Beziehung in epidemiologischen Studien ein wichtiges Indiz für eine Kausalität ist, bleiben die Ergebnisse der Studie vage.

Es bleibt deshalb offen, ob Patienten mit einer schweren Psoriasis zu einer Änderung der Diät geraten werden soll. Änderungen der Ernährung sind bei Psoriasispatienten derzeit sehr populär. In einer US-Umfrage gaben jüngst 82 % der Patienten an, dass sie ihre Ernährung geändert hätten, um ihre Erkrankung günstig zu beeinflussen. Am beliebtesten sind derzeit Einschränkungen beim Alkohol und bei Kohlenhydraten, die mit einer gesteigerten Zufuhr von Obst und Gemüse und der Einnahme von Vitamin D kombiniert werden (Dermatology and Therapy 2017; 7: 227–242). © rme/aerzteblatt.de

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