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Risiko Herzinfarkt: Viele Hobbytaucher leben ungesund

Montag, 30. Juli 2018

/Maybaum

Perth – Die Zahl der tödlichen Unfälle von Hobbytauchern hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Eine Studie im European Journal of Preventive Cardiology (2018; doi: 10.1177/2047487318790290) führt dies auf kardiale Risikofaktoren wie Hypertonie, Adipositas und Rauchen zurück, die bei Tauchern häufiger sind als bei anderen Menschen.

Tauchen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Hobby entwickelt. In vielen Urlaubsorten in der Karibik, im Mittelmeer, im Roten Meer und anderen Urlaubszielen bieten Tauchschulen ihre Dienste an. Es wird geschätzt, dass in diesem Jahr rund 2,8 Millionen Europäer und 3,3 Millionen Amerikaner tauchen werden.

Tödliche Tauchunfälle sind relativ selten. Im Jahr 2015 sollen weltweit nur 181 Hobbytaucher gestorben sein, davon 35 in Europa. Doch während die modernen Tauchgeräte ein Ertrinken verhindern, steigt der Anteil der Taucher, die unter Wasser sterben, weil ihr Kreislauf kollabiert.

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Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Der Anteil der 50- bis 59-Jährigen unter den tödlichen Tauchunfällen ist seit 1989 von 15 auf 35 % gestiegen, bei den über 60-Jährigen kam es sogar zu einer Zunahme von 5 auf 20 %, berichtet Peter Buzzacott vom Divers Alert Network in Crawley, Australien, der weltweit größten Vereinigung von Tauchern.

Die Ursache für die tödlichen Unfälle ist laut Buzzacott jedoch weniger im Alter der Hobbytaucher als in ihrer ungesunden Lebensweise zu suchen. Der Sportmediziner hat hierzu die Ergebnisse des „Behavioral Risk Factor Surveillance System“ (BRFSS) ausgewertet. Es handelt sich um eine repräsentative Telefonumfrage der US-Centers for Disease Control and Prevention bei jährlich mehr als 400.000 US-Amerikanern.

In den Jahren 2011, 2013 und 2015 wurden die Teilnehmer auch danach gefragt, ob sie in ihrer Freizeit tauchen. Insgesamt 113.892 Erwachsene bejahten dies. Buzzacott verglich den Gesundheitszustand dieser Hobbytaucher mit einer Gruppe von 338.933 sportlich aktiven Menschen gleichen Alters, Geschlecht und gleichem Wohnort, zu deren Hobbys das Tauchen nicht gehörte.

Ergebnis: Die Hobbytaucher wiesen mehr kardiologische Risikofaktoren auf, zu denen auch das Rauchen gehört. Für viele war das Tauchen zwar der Anlass, mit dem Rauchen aufzuhören (40 versus 26 % in der Kontrollgruppe waren Exraucher). Doch die Zahl der Taucher, die niemals in ihrem Leben geraucht haben, war mit 46 % geringer als in der Vergleichsgruppe (54 %). Da Rauchen Herz und Blutgefäße auf Dauer schädigt, kann dies die körperliche Fitness beeinträchtigen. Das Tauchrisiko ist dann auch noch nach dem Rauchstopp erhöht.

Die Taucher waren zudem häufiger (48 versus 42 %) übergewichtig und bei jedem dritten (33 %) war schon einmal eine Hypertonie diagnostiziert worden. Trotzdem fühlen sich Taucher häufiger gesund, denn der Anteil, der im letzten Jahr ihren Gesundheitszustand beim Arzt hat checken lassen, war mit 55 versus 63 % geringer als bei den Nichttauchern. 

Diese Kombination aus unerkannten Risiken und fehlendem Bewusstsein für die Gefahren des Rauchens könnte ein Grund für die steigende Zahl von tödlichen oder nahezu tödlichen kardialen Unfällen sein. Tauchen ist laut Buzzacott im Prinzip auch im hohen Alter möglich. Er erinnert an den Pionier des Gerätetauchens Jacques Cousteau, der noch mit 90 Jahren unter Wasser war. Der derzeit älteste Taucher sei 94 Jahre alt. Voraussetzung sei jedoch, dass man schlank bleibe und kardiologische Risikofaktoren meide, so Buzzacott. © rme/aerzteblatt.de

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