NewsMedizinKopfbälle beim Fußball schaden Frauen mehr als Männern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Kopfbälle beim Fußball schaden Frauen mehr als Männern

Mittwoch, 1. August 2018

Blau markiert sind Bereiche, in denen mehr Kopfbälle zu einem niedrigeren FA-Level geführt haben. Gleichzeitig stimmen diese blauen Regionen mit geschädigtes Hirngewebe überein. Die roten Bereiche weisen höhere FA-Level auf, was möglicherweise eine kompensatorische Reaktion auf eine Verletzung oder einen Trainingseffekt darstellt. (links: männliches Gehirn; rechts: weibliches Gehirn) /Todd Rubin Albert Einstein College of Medicine
Blau markiert sind Bereiche, in denen Kopfbälle zu einem niedrigeren FA-Level geführt haben. Diese blauen Regionen stimmen mit geschädigtem Hirngewebe überein. Die roten Bereiche weisen höhere FA-Level auf – möglicherweise eine kompensatorische Reaktion auf eine Verletzung oder einen Trainingseffekt. (links: männliches Gehirn; rechts: weibliches Gehirn) /T. Rubin, Albert Einstein College of Medicine

New York – Frauengehirne scheinen verletzlicher zu sein als die von Männern – zumindest, wenn es um Kopfbälle beim Fußball geht. Fast 100 untersuchte Hobbyfußballspieler der Einstein Soccer Studie zeigten, dass Bereiche mit geschädigtem Hirngewebe bei Frauen umfangreicher waren als bei Männern. Geschlechtsspezifische Richtlinien wären gerechtfertigt, um fußballbedingte Kopfverletzungen zu verhindern, empfehlen die Autoren des Albert Einstein Colleges of Medicine in ihrer Publikation in Radiology (2018; doi: 10.1148/radiol.2018180217).

Laut Internationalem Dachverband der Fußballverbände (FIFA) spielen 30 Millionen Frauen und Mädchen weltweit Fußball.

Mithilfe des nichtinvasiven bild­gebenden Diffusions-Tensor-Imaging (DTI)-Verfahren untersuchten die Forscher die Dichte von Nervenfasern (fraktionel­len Anisotropie, FA) bei 49 Männern und 49 Frauen. Beide Gruppen berichteten über eine ähnliche Anzahl von Kopfbällen im vergangenen Jahr (durchschnittlich 487 versus 469). Im DTI zeigte sich, dass das Volumen der geschädigten weißen Substanz bei den Fußballspielerinnen 5-mal größer war als bei männlichen Spielern. Während bei den Frauen 8 Gehirn­regionen mit niedrigeren FA-Leveln assiziiert waren, fanden die Forscher um Lipton bei Männer nur 3 Regionen.

Offensichtliche klinischen Befunde, wie etwa eine veränderte Denkfähigkeit konnten die Forscher nicht beobachten. Die FA-Veränderungen waren subklinisch und dennoch besorgniserregend, heißt es in der Pressemitteilung des des Albert Einstein Colleges of Medicine. Bei verschiedenen Hirnverletzungen würde sich eine subklinische Pathologie entwickeln, bevor Ärzte Hirnschäden erkennen können, die die Funktion beein­trächtigen, erklärt Lipton. Als Beispiel nennt er chronische traumatische Enzephalo­pathien  – eine degenerative Gehirnerkrankung, die unter anderem bei Sportlern, Militärveteranen und anderen Menschen mit wiederholten Hirntrauma auftritt.

„Die Ergebnisse ergänzen die zunehmende Zahl von Beweisen, dass Männer und Frauen unterschiedlich auf Hirntrauma reagieren“, sagt Hauptautor Todd G. Rubin vom Translational Neuroimaging Labor des Albert Einstein Colleges of Medicine. Bisher hätten sich Ärzte geschlechtsspezifische Unterschiede bei Kopfverletzungen mit der höheren Bereitschaft von Frauen erklärt, Symptome zu melden, sagt der Radiolge und Psychiater Michael L. Lipton. „Basierend auf unserer Studie, die objektive Verän­derungen des Hirngewebes anstelle der selbst berichteten Symptome gemessen hat, scheinen Frauen aber eher als Männer Gehirntraumate durch Kopfbälle zu erleiden.“

Warum Frauen für Kopfverletzungen empfindlicher sind als Männer, ist nicht bekannt. Unterschiede in der Nackenstärke, Sexualhormone oder die Gene könnten eine Rolle spielen. © gie/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. Juni 2020
Liverpool – Nach einer Hirnoperation zum Beispiel bei einem Tumorleiden wird den betreffenden Patienten mitunter ein Antiepileptikum verordnet, obwohl diese vorher nicht an einer Epilepsie gelitten
Wie effektiv sind Antiepileptika nach Schädel-OP – und wie sicher?
10. März 2020
Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) kritisiert ein mögliches grundsätzliches Operationsverbot, das zu einer Änderung des biologischen Geschlechts an Kindern und Jugendlichen führt, wie es ein
Bundesärztekammer gegen grundsätzliches Operationsverbot an Kindern mit unklarem Geschlecht
8. Januar 2020
Köln – Kommt es im Sport beim Training oder Wettkampf zu einem Unfall, kann die Gestik der betroffenen Athleten auf eine Gehirnerschütterung hinweisen. Das berichten Wissenschaftler um Ingo Helmich
Veränderte Gestik kann auf Gehirnerschütterung beim Sport hinweisen
19. Dezember 2019
Mannheim/New Haven – Wie bedeutend oder innovativ Forschungsergebnisse erscheinen, hängt auch von der Darstellung und Formulierungen ab. Dabei sollte man vor allem bei männlichen Wissenschaftlern
Männliche Wissenschaftler präsentieren Forschungsergebnisse positiver als Frauen
18. Dezember 2019
Berlin – Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen verleiht dem Thema Gendermedizin eine noch größere Dringlichkeit. Darauf weist der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) hin. „Tatsächlich wissen wir
Ärztinnenbund warnt vor genderbedingten Verzerrungen bei der Digitalisierung in der Medizin
17. Dezember 2019
Berlin – Noch immer spielen Frauen bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens nur eine untergeordnete Rolle, die E-Health-Szene ist stark männlich dominiert. Das betrifft auch die Forschung zur
Künstliche Intelligenz: Forschungslücken in Genderfragen
20. November 2019
Pasadena – US-Hirnforscher haben untersucht, warum die Entfernung einer Großhirnhälfte, Hemisphärektomie, in der Kindheit häufig nur mit geringen neurologischen Ausfällen im Erwachsenenalter verbunden
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER