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Medizin

Studie untersucht Irrtümer in der Notfallaufnahme

Dienstag, 31. Juli 2018

/dpa

Madison/Wisconsin – Ärzte in einer Notfallaufnahme müssen häufig unter Zeitdruck und auf der Grundlage von unzuverlässigen Informationen Diagnosen stellen. Fehler entstehen laut einer Studie in Diagnosis (2018; doi: 10.1515/dx-2018-0011) jedoch nicht, weil den Ärzten die Kompetenz fehlt oder weil wichtige Untersuchungen nicht durchgeführt werden, sondern weil aus vorliegenden Befunden falsche Schlüsse gezogen werden und auf eine Bestätigung verzichtet wird.

Wenn ein Patient innerhalb kurzer Zeit ein 2. Mal wegen der gleichen Beschwerden die Notfallaufnahme aufsucht, ist dies häufig ein Zeichen dafür, dass beim 1. Mal bei der Diagnose Fehler gemacht wurden. Der Notfallmediziner Benjamin Schnapp von der Universität von Wisconsin in Madison hat zusammen mit Kollegen 52 Fälle untersucht, in denen sich die Ärzte bei der 1. Diagnose geirrt hatten.

Die Fehler wurden in 4 Kategorien eingeteilt. Die 1. Kategorie beschreibt fehlende Kenntnisse der Ärzte, etwa wenn sie nicht wussten, was eine Fournier-Gangrän ist. Es handelt sich um eine lebensgefährliche Infektion in der Leistengegend, die zu spät entdeckt schnell zum Tod führt, bei rechtzeitiger Behandlung jedoch in der Regel überlebt wird. Solche Wissensfehler sind selten. In der Studie waren sie nur für 6 % der Diagnosefehler verantwortlich.

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Eine 2. Kategorie betrifft die fehlerhafte Informationssammlung, etwa wenn der Arzt bei einem Lupus erythematodes nicht nach der Einnahme der Medikamente fragt, die die Störung auslösen können. Ein anderes Beispiel ist das Vertauschen der Elektroden beim EKG. Solche Fehler waren in der Fallserie für 18 % der Fehler verantwortlich.

Häufiger lag der Fehler in der fehlenden Verifizierung eines Befundes, etwa wenn abdominale Schmerzen nach einem Verkehrsunfall vorschnell auf Prellungen zurückgeführt werden und ein Milzriss übersehen wird oder wenn eine Urosepsis nicht erkannt wird, weil keine Harnanalyse durchgeführt wurde. Solche Fehler waren in der Studie für 31 % der Fehler verantwortlich.

Am häufigsten, nämlich zu 45 %, lag der Fehler jedoch in einer falschen Informations­verarbeitung, etwa wenn Brustschmerzen auf ein Magenulkus zurückgeführt werden und auf eine Herzinfarktdiagnostik verzichtet wurde oder wenn eine Leukozytose rasch als Zeichen einer Sepsis interpretiert wird, während der Patient in Wirklichkeit an einem myelodysplastischen Syndrom litt.

Die meisten Fehler betrafen Leber und Gallengänge (etwa eine übersehene Cholezystitis) oder die Lungen (Pneumonie). Übersehen wurden zudem häufig ein Drogenmissbrauch, eine psychiatrische Erkrankung, eine chronische Herzinsuffizienz und eine HIV-Infektion.

Wie Ärzte auf der Notfallaufnahme vor kognitiven Fehlleistungen bewahrt werden könnten, ist unklar. Eine Theorie geht davon aus, dass sich Ärzte mit zunehmender Berufstätigkeit zu sehr auf ihre Intuition verlassen. Sie interpretieren bestimmte Muster von Symptomen und Befunden vorschnell in eine Richtung, übersehen dabei jedoch alternative Erklärungen, die sie bei einer tieferen Erwägung erkannt hätten.

Eine Lösung könnte laut Schnapp in Hinweisen durch die Software der elektronischen Krankenakte bestehen, die die Ärzte bei bestimmten Konstellationen an die Notwendigkeit weiterer Tests erinnern. Ob dies die Fehlerrate vermindert, ist jedoch nicht sicher. Die Dringlichkeit auf der Notfallstation kann es erforderlich machen, dass sich Ärzte im Zweifelsfall auf ihren Instinkt verlassen müssen. © rme/aerzteblatt.de

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