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Erhöhter Verzehr von Omega-3-Fettsäuren laut Cochrane weitgehend nutzlos

Dienstag, 31. Juli 2018

/Girasole75, stockadobecom

Freiburg – Der erhöhte Verzehr von Omega-3-Fettsäuren wird weltweit befürwortet, weil man allgemein davon überzeugt ist, dass dies vor Herzkrankheiten schützt. Ein neuer Cochrane-Review stellt dies jetzt in Frage. Er ist in der Cochrane Library erschienen (2018; doi: 10.1002/14651858.CD003177.pub3).

Der Review fasst die Ergebnisse von 79 randomisierten Studien mit 112.059 Teilnehmern zusammen. Diese Studien bewerteten die Auswirkungen des Verzehrs von zusätzlichen Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zum normalen oder niedrigeren Verzehr von Omega-3-Fettsäuren auf Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs. Die Autoren haben 25 Studien als sehr vertrauenswürdig eingestuft, da sie gut konzipiert und durchgeführt worden seien.

Beide Geschlechter eingeschlossen

Die Hauptarten von Omega-3-Fettsäuren sind alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). ALA ist natürlicherweise in pflanzlicher Nahrung enthalten, zum Beispiel in Nüssen und Samen. EPA und DHA werden auch langkettige Omega-3-Fettsäuren genannt und sind in fetthaltigem Fisch wie Lachs oder Fischölen einschließlich Lebertran enthalten.

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Die Studien schlossen Männer und Frauen ein, einige gesund und andere mit bestehenden Krankheiten aus Nordamerika, Europa, Australien und Asien. Die Teilnehmer wurden zufällig entweder der Interventionsgruppe, in der Teilnehmer vermehrt Omega-3-Fettsäuren für mindestens ein Jahr aufnahmen,  oder der Kontrollgruppe, die ihre gewöhnliche Einnahme beibehielt, zugeteilt.

Die meisten Studien untersuchten die Wirkung der Verabreichung eines Nahrungsergänzugsmittels mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren in Kapselform und verglichen diese mit einem Placebo.

Die Cochrane-Autoren fanden heraus, dass die erhöhte Aufnahme der langkettigen Omega-3-Fettsäuren für die meisten betrachteten Erhebungen nur einen geringen oder gar keinen Nutzen bringt. Sie fanden sehr vertrauenswürdige Evidenz dafür, dass langkettige Omega-3-Fettsäuren wenig oder keine bedeutsame Wirkung auf das Sterberisiko jeglicher Ursache hatten: Das Sterberisiko jeglicher Ursache betrug 8,8 % bei Personen, die ihre Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren erhöht hatten, gegenüber 9 % bei Personen in den Kontrollgruppen.

Sie fanden auch, dass die erhöhte Einnahme von langkettigen Omega-3-Fettsäuren (einschließlich EPA und DHA) vor allem durch Nahrungsergänzungsmittel wahrscheinlich kaum einen oder gar keinen Unterschied im Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, koronare Herztode, koronare Herzerkrankungsereignisse, Schlaganfall oder Herzrhythmusstörungen ergibt.

Der systematische Review legt zudem nahe, dass der Verzehr von mehr ALA durch Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel wahrscheinlich wenig oder gar keine Wirkung auf herzkreislaufbedingte Todesfälle oder Todesfälle jeglicher Ursache hat. Der Verzehr von mehr ALA reduziert jedoch wahrscheinlich das Risiko von Herzrhythmusstörungenvon 3,3 % auf 2,6 %.

„Wir können den Ergebnissen dieses Reviews vertrauen, die die weitverbreitete Meinung anfechten, dass Nahrungsergänzungsmittel mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren das Herz schützen“, sagte der Hauptautor des Cochrane-Reviews, Lee Hooper von der University of East Anglia, Großbritannien. Dieser systematische Review umfasse Informationen von vielen Tausenden von Menschen über lange Zeiträume. Trotz dieser Menge an Informationen habe man keine schützenden Wirkungen entdeckt. © hil/aerzteblatt.de

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TobiO
am Montag, 6. August 2018, 11:22

Bitte differenzieren!

Die Überschrift des ÄB Artikels ist schon wieder einmal sehr polarisierend und falsch. Es wird nicht differenziert. Cochrane bezieht sich im Review nur auf Herz-Kreislauf Erkrankungen. Möglich, dass es darauf keinen Effekt gibt wobei leider viele der eingeschlossenen Studien alt und schlecht sind. In der Zwischenzeit weiß man, dass die Wirkung stark Dosis-abhängig ist. Über die gegebenen EPA und DHA Mengen habe ich leider nicht gelesen, wobei dies ein wichtiger Teil der Aussage wäre. Für andere Erkrankungen gibt es deutliche Effekte. Dies sollte ein zusammenfassender Artikel wie dieser zumindest erwähnen. In der bestehenden Art begibt man sich leider auf ein sehr niedriges Niveau.
JohnR
am Dienstag, 31. Juli 2018, 21:19

Omega-3-Öl ist in jedem Fall zu bevorzugen, denn Omega-6-Öl gibt es sonst überreichlich.

Diesen Artikel kann ich nur als sehr einseitig bezeichnen. Nur EPA und DHA haben positiven Einfluss auf die Herzgesundheit. Dafür sind 2g Fischöl/Krillöl pro Tag erforderlich. Mehr bringt nichts. Leinöl und Rapsöl haben auf die Herzgesundheit nur wenig Einfluss. ABER : Die berühmte Krebsforscherin Dr. Johanna Budwig hatte mit der Quark-Leinöl-Kost gute Erfolge. Omega 3 muss der Gegenpol zu dem meist überreichlichen Omega 6 sein. O-6 verursacht Entzündungen der Gelenke und Rheuma, O-3 heilt Entzündungen. Es ist deshalb falsch, die Wirkung von O-3 nur auf das Herz zu beschränkt zu sehen. Es geht auch nicht immer nur im Todesfälle. Allüberall sehen wir alte Leute, die nur mit Schmerzen laufen. Die meisten von ihnen haben Sonnenblumenöl (O-6) anstatt Rapsöl (O-3) in ihrer Ernährung verwendet.

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