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Medizin

L-Acetyl-Car­nitin-Mangel im Blut zeigt Depressionen an

Donnerstag, 2. August 2018

/cassis, stockadobecom

New York City – Einige Patienten mit Major-Depression haben einen Mangel an L-Acetyl-Carnitin, einem Molekül mit vielfältigen Wirkungen im Gehirn. Die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2018; doi: 10.1073/pnas.1801609115) vorgestellten Ergebnisse deuten auf ein therapeutisches Potenzial der einfachen Substanz hin, die in früheren Studien Depressionen bei Ratten innerhalb kurzer Zeit gelindert hat.

L-Acetyl-Carnitin (LAC) ist ein Donor von Acetylgruppen, der ursprünglich nur mit dem Energiestoffwechsel in Verbindung gebracht wurde. LAC erleichtert den Transfer von Fettsäuren aus dem Zytosol in die Mitochondrien. Die Fettsäuren werden dort als Rohstoff für die Beta-Oxidation verwendet.

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In einer früheren Studie konnte Carla Nasca von der Rockefeller Universität in New York zeigen, dass LAC eine wichtige Funktion im Gehirn hat. Im Hippocampus und im frontalen Cortex hemmte LAC die Aktivität von exzitatorischen glutaminergen Neuronen. Dies hatte bei den Versuchstieren eine rasche Linderung von depressiven Symptomen zur Folge (PNAS 2013; 110: 4804–4809).

In der aktuellen Studie haben die Forscher die Rolle von LAC bei klinischen Depressionen untersucht. Sie bestimmten die Serumkonzentration von LAC bei 71 Patienten im Alter von 20 bis 70 Jahren, bei denen eine Depression diagnostiziert worden war: 28 Patienten hatten zum Zeitpunkt der Studie eine moderate Depression, die anderen 43 Patienten litten an einer schweren Depression.

Die Laboruntersuchungen ergaben, dass die Patienten niedrigere LAC-Konzentrationen im Serum hatten als 45 gesunde Kontrollen ohne Gemütsstörungen. Die niedrigsten LAC-Werte wurden bei den Patienten mit den schwersten Depressionen gefunden. Dazu gehörten Patienten, deren Depression nicht auf die Behandlung mit Antidepressiva angesprochen hatten sowie Patienten mit einem frühen Beginn der Depression, insbesondere solchen, die Missbrauch, Vernachlässigung, Armut oder Gewalt in der Kindheit erlebt hatten.

Die Ergebnisse legen nahe, dass zumindest bei einigen Patienten mit Major-Depression eine Behandlung mit LAC wirksam sein könnte. Derzeit wird dies nicht empfohlen. Die Studienlage ist dürftig. Eine Übersicht konnte lediglich 4 ältere Studien ermitteln, in denen LAC sich als ebenso effektiv erwiesen hatte wie Fluoxetin oder das Antipsychotikum Amisulprid (J Psychiatr Res. 2014; 53: 30–7). Auch die Frage, ob LAC die Wirkung von konventionellen Antidepressiva verstärken kann, ist nicht ausreichend untersucht (Psychosom Med 2018; 80: 154–159). Nasca hofft, dass ihre Ergebnisse weitere klinische Studien mit einer größeren Teilnehmerzahl veranlassen wird. © rme/aerzteblatt.de

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