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Medizin

Test unterscheidet Diabetes insipidus von harmloser Polydipsie

Freitag, 3. August 2018

/stokkete, stockadobecom

Basel – Ein neuer Bluttest, der nach einer Kochsalzinfusion den (fehlenden) Anstieg von Copeptin ermittelt, das zusammen mit dem antidiuretischen Hormon Arginin-Vasopressin von der Neurohypophyse freigesetzt wird, kann einen Diabetes insipidus zuverlässiger von einer harmlosen Polydipsie unterscheiden als der derzeit bevorzugte Durstversuch. Dies kam in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2018; 379: 428–439) heraus.

Wenn Menschen ohne erkennbaren Grund 3 oder mehr Liter Wasser am Tag trinken, liegt ein Polydipsie-Polyurie-Syndrom vor. In den meisten Fällen ist es eine reine Gewohnheit oder auch Zeichen einer psychogenen Störung. Diese Patienten mit primärer Polydipsie trinken zu viel, weil ihr Durstempfinden gestört ist.

Es kann aber auch ein Diabetes insipidus vorliegen. Dann trinken die Patienten, um einem Flüssigkeitsdefizit vorzubeugen. Dieses Flüssigkeitsdefizit ist Folge einer fehlenden Wirkung des Hormons Arginin-Vasopressin (AVP). AVP fördert die Wasserrückresorption in den Nieren. Es wird von der Neurohypophyse immer dann vermehrt ausgeschüttet, wenn die Osmolalität im Plasma, sprich die Natrium­konzentration zu hoch ist. Meist liegt ein zentraler Diabetes insipidus vor, bei dem die Neurohypophyse nicht genügend AVP produzieren kann. Beim nephrogenen Diabetes insipidus reagieren die Nieren nicht auf das antidiuretische Hormon.

Im Prinzip könnte die Diagnose eines zentralen Diabetes insipidus durch die Bestimmung von AVP im Blut erfolgen. AVP hat jedoch eine kurze Halbwertzeit, weshalb der Test zu ungenau ist. Das übliche Verfahren ist heute ein Wasserentzugstest (etwa als „indirect water-deprivation test“). Dabei wird den Patienten über 16 Stunden untersagt, Flüssigkeit zu trinken. Beim Gesunden und solchen mit primärer Polydipsie steigert der Körper die Produktion von AVP. Die Folge ist die verminderte Ausscheidung von Urin mit einer erhöhten Osmolalität.

Der Wasserentzugstest ist umständlich, da er regelmäßige Harnuntersuchungen erfordert. Für den Patienten ist er wegen des starken Durstgefühls (vor allem beim Diabetes insipidus) eine starke Belastung.

Nephrologen aus Deutschland und der Schweiz haben einen alternativen Test entwickelt, der schneller durchführbar und für den Patenten weniger belastend ist.

Bei dem Test erhalten die Probanden eine hypertone Kochsalzlösung infundiert, bis die Natriumkonzentration auf mindestens 150 mmol/l angestiegen ist. Bei gesunden Menschen (und solchen mit primärer Polydipsie) kommt es dann zu einem Anstieg von AVP und Copeptin, da der Körper versucht, die Plasmaosmolalität durch eine vermehrte Wasserrückresorption in den Nieren zu normalisieren. Bei Menschen mit zentralem Diabetes insipidus bleiben die Copeptinwerte wegen der Produktionsstörung niedrig.

Ein Team um Mirjam Christ-Crain vom Universitätsspital Basel hat den Test jetzt an 144 Patienten mit einem Polydipsie-Polyurie-Syndrom untersucht, von denen 82 eine primäre Polydipsie und 59 einen zentralen Diabetes insipidus und 3 einen nephrogenen Diabetes insipidus hatten. Die 3 Patienten mit dem nephrogenen Diabetes insipidus wurden von der Auswertung ausgeschlossen.

Der hypertone Salzlösungsinfusionstest stellte bei 136 von 141 Patienten die richtige Diagnose (diagnostische Genauigkeit 96,5 %; 95-%-Konfidenzintervall 92,1 bis 98,6 %). Er war dem indirekten Wasserentzugstest überlegen, mit dem nur bei 108 Patienten die korrekte Diagnose gestellt wurde (diagnostische Genauigkeit 76,6 %; 68,9 bis 83,2 %).

Auch bei der Unterscheidung einer primären Polydipsie von einem partiellen zentralen Diabetes insipidus war der hypertone Salzlösungsinfusionstest überlegen: Er konnte beide Entitäten bei 99 von 104 Patienten unterscheiden (95,2 %; 89,4–98,1 %). Mit dem indirekten Wasserentzugstest gelang dies bei 77 von 105 Patienten (73,3 %; 63,9–81,2 %).

Der Test verhindert laut Christ-Crain, dass bei bis zu 30 % der Patienten mit primärer Polydipsie fälschlicherweise ein Diabetes insipidus diagnostiziert und die Patienten unnötigerweise behandelt werden.

Eine einfache Version des Tests, die den Anstieg von Copeptin bei einem Durstversuch (ohne Infusion) misst, hat sich in der Studie nicht als zuverlässig erwiesen. © rme/aerzteblatt.de

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