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Medizin

Contergan: Ursache für Fehlbildungen gefunden

Freitag, 3. August 2018

/dpa

Boston – Mehr als 6 Jahrzehnte, nachdem die Einnahme von Contergan als Mittel gegen die morgendliche Schwangerschaftsübelkeit zu schweren Fehlbildungen bei den Kindern geführt hat, berichten Forscher in eLife (2018; 7: e38430), worauf die Teratogenität des Wirkstoffs Thalidomid beruht.

In den Jahren 1958 bis 1962 wurden weltweit zwischen 5.000 bis 10.000 Kinder mit Fehlbildungen der Arme und Beine geboren, die noch heute mit dem größtem Arzneimittelskandal der Nachkriegszeit verbunden werden. Der Wirkstoff Thalidomid war in den vorklinischen Studien als besonders sicher eingestuft worden, sodass Contergan zeitweise sogar rezeptfrei in Apotheken erhältlich war.

Heute werden Thalidomid und strukturell verwandte Substanzen in der Krebstherapie unter größten Vorsichtsmaßnahmen eingesetzt, um eine versehentliche Einahme in der Schwangerschaft zu verhindern. Ein Team um Eric Fischer vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston hat jetzt in Laborexperimenten herausgefunden, dass Thalidomid in den Zellen auf breiter Ebene den Abbau von Transkriptionsfaktoren fördert. Transkrip­tionsfaktoren sind Steuergene, die in den Zellen die Aktivität mehrerer anderer Gene beeinflussen, was tiefgreifende Auswirkungen auf den Zellstoffwechsel hat.

Zu den durch Thalidomid zerstörten Transkriptionsfaktoren gehört SALL4 (für „Sal-like protein 4). Mutationen im SALL4-Gen sind die Ursache des Okihiro-Syndroms. Im englischsprachigen Raum wird es auch als „Duane-Radial Ray Syndrom“ bezeichnet. Die autosomal-dominante Störung geht mit weiteren Fehlbildungen vor allem der oberen Gliedmaßen einher.

Während des Conterganskandals kam es deshalb zu Verwechslungen. Dies hatte zur Folge, dass Thalidomid zeitweise als erbgutschädigend eingestuft wurde. Menschen mit Okihirosyndrom können wie Menschen mit Contergansyndrom Kinder bekommen. Beim Okihirosyndrom kommen die Kinder zu 50 % ebenfalls mit Fehlbildungen zur Welt. Bei den Kindern von Contergangeschädigten ist das Risiko nicht erhöht.

Nach der Geburt ist die Aktivität von SALL4 in den meisten Zellen gering. Bei einigen Krebserkrankungen kommt es zu einer gesteigerten Aktivierung, was mit erklären mag, warum Thalidomid bei verschiedenen Krebserkrankungen eine gute Wirkung erzielt. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #96371
grbwf
am Freitag, 3. August 2018, 19:57

Contergan war als Schlafmittel beliebt

Contergan war seinerzeit als Schlafmittel weit verbreitet, nicht als Antiemeticum und auch nicht als Tagesberuhigungsmittel. Weil es die bei anderen Hypnotica häufig auftretenen Nebenwirkungen nicht verursachte, galt es als besonders gut bekömmlich. So kam es, dass auch Schwangere dieses zunächst frei verkäufliche Medikament zu sich nahmen. Tragisch!
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