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Medizin

Spendernieren von Hepati­tis-C-Patienten erfolgreich transplantiert

Dienstag, 7. August 2018

/luuuusa, adobe.stock.com

Philadelphia – Spendernieren von Patienten mit Hepatitis C funktionieren genauso gut wie Transplantate von gesunden Spendern. Das belegt eine Studie in Annals of Internal Medicine, in der 20 nichterkrankte Empfänger Nieren von Hepatitis-C-infizierten Menschen erhalten hatten (2018; doi: 10.7326/M18-0749). Aufgrund des Organmangels wird diese Option für Deutschland auch in der Deutschen Transplantationsgesellschaft diskutiert.

Laut den Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer gelten Organe von Spendern mit Infektionskrankheiten wie Hepatitis C als eingeschränkt vermittlungsfähig. In letzter Zeit mehren sich in der Wissenschaft jedoch Hinweise, dass auch Hepatitis-C-Patienten geeignete Organspender sein können, wenn die Empfänger entsprechende Medikamente erhalten.

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Bei allen Empfängern der erkrankten Spender ließ sich das Virus nach der Transplan­tation im Blut nachweisen. Eine antivirale Therapie ab Tag 3 nach der Transplantation konnte die Neuinfizierten aber wieder heilen. Nach einem Jahr Beobachtung stellten die Wissenschaftler fest, dass keiner der untersuchten Organempfänger an Hepatitis C erkrankt war und die Spenderorgane in einem sehr guten Zustand und funktionstüchtig waren. Ähnlich positive Daten von 10 Transplantatempfängern wurden bereits 2017 im New England Journal of Medicine publiziert.

Reinhart Zachoval, Leiter der hepatologischen Nachsorge am Transplantationszentrum München am Klinikum der Universität München überzeugen die Daten. Die Studie zeige eindeutig die Sicherheit, die Wirksamkeit und den Nutzen. In kleineren Fallserien konnten die Ergebnisse der vorliegenden Studie zudem auf andere Organe – wie Leber, Herz und Lunge – übertragen werden, berichtet er.
 

Eingeschränkt überzeugt äußert sich auch Ulrich Kunzendorf: „Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die betrachtete Transplantation sicher ist“, bestätigt der Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Uniklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Offen lässt die kleine Studie aber, ob das Virus auch bei einer größeren Patientenzahl immer eliminiert werden kann. Unter der laufenden Immunsuppression könnten zudem in wenigen Fällen Resistenzen gegen die Hepatitis-C-Medikamente auftreten, erläutert Kunzendorf.

Wie auch von der US-amerikanischen Transplantationsgesellschaft vorgeschlagen, sollten Patienten, die ein Hepatitis-C-positives Organ erhalten, in einem Register nachverfolgt werden, schlägt der Experte aus Kiel vor. „Diese Patienten müssen besonders aufge­klärt und gegebenenfalls besonders versichert werden.“

Revision der Leitlinien notwendig

Die Leitlinien der amerikanischen und europäischen Lebergesellschaften aus den Jahren 2014 und 2015 befürworten derzeit ausschließlich die Übertragung HCV-positiver Organe auf HCV-positive Empfänger im Einzelfall, nicht aber die Trans­plantation HCV-positiver Organe auf HCV-negative Empfänger. „Eine Revision aufgrund der dramatischen Verbesserung der Therapiemöglichkeiten ist zu erwarten“, sagt Zachoval vom Klinikum der Universität München und verweist auf Ausheilungsraten von über 95 % bei kurzer Behandlungsdauer von meist 12 Wochen. Darauf würden auch die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hinweisen. © gie/aerzteblatt.de

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