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Medizin

Polkörperdiagnostik vor Embryotransfer verbessert Chance auf Baby nicht

Dienstag, 7. August 2018

/Andriy Bezuglov, stock.adobe.com

Brüssel – Eine genetische Untersuchung der Polkörper auf zahlenmäßige Veränderungen der Chromosomen hat in einer randomisierten Studie in Human Reproduction (2018; doi: 10.1093/humrep/dey262) bei älteren Frauen zwar die Zahl der Fehlgeburten gesenkt. Es kam jedoch nicht zu der erhofften Steigerung der Geburtenrate, weshalb die European Society of Human Reproduction and Embryology den Nutzen der weit verbreiteten Polkörperdiagnostik infrage stellt.

Mit zunehmendem Alter der Frau steigt die Zahl von chromosomalen Fehlverteilungen in der Eizelle. Diese Aneuploidien sind eine wichtige Ursache für die Abnahme der Fruchtbarkeit. Viele Kinderwunschzentren bieten älteren Frauen deshalb eine Polkörperdiagnostik an. Diese ist in Deutschland erlaubt, weil ausschließlich Material untersucht wird, das nicht an der Bildung des Embryos beteiligt ist.

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Die European Society of Human Reproduction and Embryology hat in der pragma­tischen randomisierten Studie ESTEEM („Eshre Study Into The Evaluation of Oocyte Euploidy by Microarray Analysis“) prüfen lassen, ob die Polkörperdiagnostik in der Lage ist, die Zahl der Lebendgeburten zu erhöhen.

An der Studie nahmen in 7 Ländern 9 Zentren (darunter Bonn, Göttingen, Lübeck) teil, die 396 Frauen mit Kinderwunsch im Alter von 36 bis 40 Jahren auf 2 Gruppen randomisierten: Bei 205 Frauen wurden im Rahmen der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) der 1. und 2. Polkörper auf eine Aneuploidie hin untersucht. Dies geschah mit dem sogenannten „Array-CGH“, der die Aneuploidie anhand von Kopienzahlveränderungen der DNA nachweist. Bei den anderen 191 Frauen wurde die ICSI-Behandlung ohne Chromosomenscreening durchgeführt.

Wie das Team um Karen Sermon von der Vrije Universiteit Brussel berichtet, detektierte die „Array-CGH“ zwar bei 65 % aller untersuchten Eizellen eine Aneuploidie. Die Nichtverwendung dieser Eizellen halbierte auch die Rate der Fehlgeburten von 14 auf 7 % (relatives Risiko 0,48; 95-%-Konfidenzintervall 0,26 bis 0,90).

Doch die erhoffte Zunahme der Lebendgeburten blieb aus. Von den 205 Frauen mit Chromosomenscreening gebaren 50 (24 %) innerhalb eines Jahres ein lebendes Kind. In der Kontrollgruppe erfüllte sich der Kinderwunsch bei 45 von 191 Frauen (24 %). Die Differenz von 0,83 Prozentpunkten war irrelevant und mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 7,60 bis 9,18 Prozentpunkten auch statistisch nicht signifikant.

Ein Grund für das enttäuschende Ergebnis der Studie könnte die um 19 % geringere Zahl der transferierten Embryonen sein (relatives Risiko 0,81; 0,74 bis 0,89), zu der sich die Kliniken möglicherweise in Erwartung einer höheren Erfolgsrate entschieden haben. In beiden Gruppen war die Implantation von maximal 2 Embryonen erlaubt.

Für Sermon stellt sich die Frage, ob sich Mühen und Kosten für die Polkörperdiagnostik lohnen, wenn am Ende nicht mehr lebende Kinder geboren werden. Die Studie wurde in den Jahren 2012 bis 2016 durchgeführt, als es technisch möglich war, alle 23 Chromosomen in den Polkörperchen zu bestimmen.

Außerhalb Deutschlands wird die Präimplantationsdiagnostik bevorzugt, die in der Regel 5 Tage nach der ICSI im Stadium der späten Blastozyste durchgeführt wird. Dies hat den Vorteil, dass auch das genetische Material des Vaters untersucht wird. Ob die Präimplantationsdiagnostik allerdings die Zahl der Lebendgeburten erhöht, ist nach Einschätzung der European Society of Human Reproduction and Embryology umstritten. © rme/aerzteblatt.de

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