NewsÄrzteschaftInteressenkonflikte: Ärger um CME-Zertifizierung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Interessenkonflikte: Ärger um CME-Zertifizierung

Mittwoch, 8. August 2018

/smolaw11, stockadobecom

Berlin – In Baden-Württemberg gibt es Ärger um die CME-Zertifizierung für eine Fortbildungsveranstaltung. Wie die Ärzteinitiative „MEZIS – Mein Essen zahl‘ ich selbst“ mitteilte, habe die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg dem, Fortbildungsanbieter Omniamed die CME-Zertifizierung für eine Veranstaltung verweigert.

Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg teilte auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes (DÄ) mit, man könne generell keine Auskunft zu laufenden Verfahren geben. Grundsätzlich würden alle eingereichten Fortbildungen darauf geprüft, ob dafür das Fortbildungszertifikat der Ländesärztekammer Baden-Württemberg vergeben werden könne. Dabei könne es durchaus vorkommen, dass eine CME-Zertifzierung nicht erlaubt werde. Dies gelte aber nicht nur für Omniamed, sondern auch für alle anderen Anbieter, sagte ein Sprecher der Lan­des­ärz­te­kam­mer.

Widerspruch eingelegt

Omniamed erklärte auf DÄ-Anfrage, die Landesärzte­kammer Baden-Württemberg habe für die Veranstaltung OmniaMed-UpdateNeo in Stuttgart aufgrund des industriellen Sponsorings Anlass zu einer Beanstandung gesehen. Man habe gegen diese Entscheidung Widerspruch eingelegt. Das Verwaltungsverfahren zur Anerkennung der Fortbildung sei „derzeit also noch nicht abgeschlossen“. „Die Entscheidung der Ärztekammer befindet sich vielmehr aktuell in der rechtlichen Überprüfung durch die Kammer selbst“, erklärte das Unternehmen.

Anzeige

Es verwies darauf, dass alle Fortbildungen eine strenge hausinterne Qualitätskontrolle durchlaufen und bei den Lan­des­ärz­te­kam­mern zur Anerkennung für das dortige Fortbildungszertifikat eingereicht werden. Dadurch würden sie „auch einer kritischen Fremdkontrolle zugeführt“. Im Übrigen verlaufe das berufsrechtlich vorgesehene Aner-kennungsverfahren vollkommen unabhängig von jedweden externen Impulsen.

„Solche Verfahren werden in Deutschland täglich hundertfach durchgeführt und gelegentlich kann es dabei auch zu Beanstandungen kommen, etwa weil die Ärztekammer der Ansicht ist, dass sich ein industrielles Engagement (Sponsoring) negativ auf die Ausgewogenheit und Neutralität der Inhalte der Veranstaltung auswirken könnte“, betonte Omniamed.

Das Unternehmen erläuterte zudem, es bestehe weitestgehend Einigkeit, dass ein wissenschaftlicher Austausch zwischen industrieller Forschung und Versorgungsrealität von essentieller Bedeutung für ein hohes Versorgungsniveau in Deutschland sei. Bei der heutigen Medizin handele es sich im Kern um High-Tech-Medizin, bei den in der Versorgung zum Einsatz kommenden Produkten (Arzneimitteln und Medizinprodukten) um erklärungsbedürftige Güter.

„Pharmazeutische und medizintechnische Unternehmen sind die Experten für die von ihnen hergestellten Produkte. Das ist in der Medizin nicht anders als in anderen Branchen. Deshalb ist es wichtig, dieses Wissen mit der Versorgungsrealität zusammen zu bringen, um das Niveau der medizinischen Versorgung so auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik zu halten“, schreibt Omniamed.

Mezis teilte unterdessen mit, man habe sich die Interessenkonflikte bei Omniamed detaillierter angesehen. Die Ergebnisse bezeichnete der Verein als „erschreckend“. Mehr als 90 Prozent der Referenten, die bei gesponserten Veranstaltungen Vorträge hielten, hatten zuvor Gelder von den sponsernden Pharmafirmen erhalten, schreibt die Initiative. Die Sponsoringsummen für eine Tagesveranstaltung seien mit bis zu 200.000 Euro exorbitant hoch. © may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

kairoprax
am Samstag, 11. August 2018, 17:52

Tatsächlich Ärger um die Zertifizierung? Oder eher Rote Karte für Interessenskonflikte?

Was haben Zertifizierungen für einen Sinn?
Sie sollen die Fortbildungsverpflichtung nach § 95d SGB V (1) gewährleisten (" Der Vertragsarzt ist verpflichtet, sich in dem Umfang fachlich fortzubilden, wie es zur Erhaltung und Fortentwicklung der zu seiner Berufsausübung in der vertragsärztlichen Versorgung erforderlichen Fachkenntnisse notwendig ist. Die Fortbildungsinhalte müssen dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Medizin, Zahnmedizin oder Psychotherapie entsprechen. Sie müssen frei von wirtschaftlichen Interessen sein.")

Sie müssen frei von wirtschaftlichen Interessen sein!

Die Ärztekammern stellen die Zertifikate aus, und die Ärztekammern kontrollieren die Einhaltung des § 95d (1). Es ist seit Beginn der zertifizierten Fortbildungen das Ziel der Landesärztekammer, nur Fortbildungen zu zertifizieren, die wissenschaftlich unantastbar sind.
Das gelingt nicht immer.
Wenn es aber gelingt, und die Landesärztekammer einer Veranstaltung die Zertifizierung nicht gewährt, geschieht das im bestverstandenen Interesse aller Ärztinnen und Ärzte UND im Einklang mit den Sozialgesetzen.

Es gibt folglich in diesem Fall keinen "Ärger um die CME-Zertifizierung", sondern vielmehr handelt es sich um einen begründeten Ärger über das Begehren einer Firma, sich nicht dieser Prüfung durch die Ärztekammer unterwerfen zu wollen. Solches ist im Blick auf die Ärztliche Fortbildung derart ärgerlich, daß man eine Firma, die das tut ganz von der Fortbildung ganz ausschließen sollte.

Rote Karte für ein grobes Foul!
Es wäre so, als würde eine Autofirma sich nicht an die Verkehrsregeln halten wollen, weil sie das Verkehrsministerium ablehnt.

Das Deutsche Ärzteblatt bitte ich darum, den Titel dieses Beitrags zu korrigieren! Vorschlag:
"MIT GEWALT DIE INTERESSENSKONFLIKTE UNTER DEN TISCH KEHREN?
Eine Landesärztekammer bewahrt ihre Aufsichtspflicht".

Nachrichten zum Thema

1. August 2018
Berlin – Wertlose Forschung und gefährliches Pseudowissen beschäftigen die medizinische Wissenschaft seit langem – dennoch breitet sich der Markt dafür weiterhin ungehindert aus, wie aus einer
„Für die Identifikation von Pseudojournalen gibt es keine hundertprozentig treffsicheren Kriterien“
23. Juli 2018
Berlin – Weltweit sollen Forscher mehr als 400.000 wissenschaftliche Studien bei Raubverlegern publiziert haben. Das ergab eine investigative Recherche des NDR, WDR, Süddeutsche Zeitung und weiteren
Immer mehr Forscher publizieren in Pseudo-Journalen
6. Juli 2018
Washington – Viele US-Mediziner, die als unabhängige Gutachter die Arzneimittelbehörde FDA vor der Zulassung von Medikamenten beraten, erhalten später finanzielle Zuwendungen von den Herstellern der
Interessenkonflikte: Externe Berater und Ex-Mitarbeiter der FDA in der Kritik
19. Juni 2018
Bethesda/Maryland – Die US-National Institutes of Health (NIH), die weltweit wichtigste Behörde für biomedizinische Forschung, hat eine ambitionierte randomisierte Studie gestoppt, die den möglichen
USA: Alkoholstudie nach Vorwürfen gestoppt
25. Mai 2018
Berlin – Die Hochschulen in Deutschland stehen „Open Science“ grundsätzlich offen gegenüber, entsprechende Konzepte sind jedoch noch nicht breit verankert. Das berichten der Stifterverband für die
„Open Science“ an deutschen Hochschulen noch nicht verankert
23. Mai 2018
Cambridge/Passau – Wer seine Studienresultate noch vor der Publikation der Öffentlichkeit präsentiert, riskiert damit, anderen konkurrierenden Forschern einen Vorteil zu verschaffen. Dennoch
Nicht alle Wissenschaftler teilen ihre Ergebnisse schon vor der Publikation
7. Mai 2018
Berlin – Fachartikel von Berliner Forschern sollen Interessierte zunehmend kostenfrei im Internet finden. Autoren fast jeder dritten Publikation wählten 2016 diesen Weg, wie die Berliner Senatskanzlei

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER