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Vegetarisch und vegan: Worauf Eltern (und Ärzte) achten müssen

Dienstag, 7. August 2018

/J.Mühlbauer exclus,stockadobecom

Berlin – Kinder und Jugendärzte betreuen zunehmend Familien, die sich und ihre Kinder vegetarisch oder vegan ernähren. Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat daher jetzt eine Stellungnahme zur Nährstoffversorgung des Kindes bei veganer oder vegetarischer Ernährung veröffentlicht.

Die Autoren weisen zunächst auf die methodischen Probleme einer evidenzbasierten Einschätzung der verschiedenen Ernährungsformen im Kindes- und Jugendalter hin: Es existierten nur wenige Studien zur Charakterisierung alternativer Ernährungsformen und deren gesundheitlichen Auswirkungen bei Kindern, die häufig nur kleine Kollektive umfassten. Viele Studien wurden laut den Autoren nicht in Deutschland durchgeführt und stammten aus den 1980er-/1990er-Jahren. Sie entsprächen also nicht mehr heutigen Ernährungsangeboten und -gewohnheiten.

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Fleischlose Kost mit Milch und Eiern

Alternative Ernährungsformen seien außerdem oft mit weiteren Besonderheiten des Lebensstils außerhalb der Ernährungsweise verbunden, die in Beobachtungsstudien eine Bewertung der gesundheitlichen Auswirkungen der Ernährung erschwerten.

Gleichwohl kommen die DGKJ-Ernährungsexperten zu konkreten Aussagen. Zunächst sei eine ausgewogene lakto-ovo-vegetarische Kost – also eine fleischlose Kost, die aber Milchprodukte und Eier umfasst – „durchaus eine Alternative“ zur üblichen fleischhaltigen Mischkost, da sie bei guter Auswahl auch im Kindes- und Jugendalter den Nährstoffbedarf decke sowie ein normales Wachstum und eine altersent­sprechende Entwicklung ermögliche. „Allerdings muss auf eine höhere Eisenzufuhr Wert gelegt werden, um die bei dieser Kostform niedrigere Bioverfügbarkeit zu kompensieren“, schreiben die Autoren.

B12-Mangel zwangsläufig

Wer sich für eine rein vegane Ernährung ohne jegliche tierische Lebensmittel ent­scheide, sollte sich sehr intensiv mit dem Nährstoffhaushalt befassen, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden, heißt es. „Ohne konsequente Supplementierung führt vegane Ernährung über einen längeren Zeitraum regelmäßig zu einem Mangel an Vitamin B12“, so die Ernährungskommission. Besondere Beachtung sollten Veganer zudem der Zufuhr an Eisen, Zink, Jod, DHA, Calcium, Protein und grundsätzlich ihrer Kalorienzufuhr schenken, um kein Risiko für ernste klinische Folgen wie Gedeihstörung oder Anämien einzugehen.

„Das Risiko eines Nährstoffmangels ist umso größer, je restriktiver die Ernährung ist und je mehr Lebensmittelgruppen aus der Ernährung ausgeschlossen werden“, fasste der Vorsitzende der DGKJ-Ernährungskommission, Berthold Koletzko, die Auswertung der DGKJ-Experten zusammen. Zu beachten sei auch eine mögliche Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis: So könnten etwa Hülsenfrüchte bestimmte Nährstoffe liefern, was aber nichts nütze, wenn die Kinder Hülsenfrüchte ablehnten.

Die Fachgesellschaft sieht die kritische Sicht vieler Jugendlicher auf die Ernährungs­gewohnheiten der Gesellschaft aber durchaus als Chance. „Der skeptische Umgang mit dem riesigen Angebot an Lebensmitteln kann sehr sinnvoll sein, wenn sich Jugendliche zum Beispiel mit der Herkunft und den Produktionsbedingungen unserer Nahrung befassen“, sagte die Präsidentin der Fachgesellschaft, Ingeborg Krägeloh-Mann. Der kritische Blick sollte aber auch den neuen Fertigprodukten gelten, die Fleisch und Milch ersetzen sollen. Sie enthielten häufig enorm viel Zusatzstoffe, Fette, Zucker – und seien nicht immer gesund. © hil/aerzteblatt.de

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