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Medizin

Frauen überleben Herzinfarkt häufiger, wenn sie von einer Ärztin behandelt werden

Dienstag, 7. August 2018

/New Africa, stockadobecom

Boston – Sind Frauen die besseren Kardiologen? Die Auswertung von Behandlungs­ergebnissen aus US-Notfallambulanzen in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2018; doi: 10.1073/pnas.1800097115) ergab, dass die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt niedriger ist, wenn die Patienten von einer Kardiologin behandelt wurden. Die schlechtesten Ergebnisse wurden erzielt, wenn ein männlicher Arzt eine weibliche Patientin behandelte.

Ein Team um Laura Huang von der Harvard Business School hat die Daten von 581.797 Patienten ausgewertet, bei denen zwischen 1991 und 2010 in Notfallambulanzen in Florida ein akuter Myokardinfarkt diagnostiziert wurde. Die Daten der „Florida’s Agency for Healthcare Administration“ enthalten die Namen der behandelnden Ärzte und der Patienten (aus deren Vornamen auf das Geschlecht geschlossen werden kann). Registriert wurde auch, ob die Patienten die Klinik lebend verließen. 

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Ergebnis: Wenn Patienten von männlichen Ärzten behandelt wurden, starben 12,6 % der Männer im Vergleich zu 13,3 % der Frauen. Wenn die Patienten von Ärztinnen behandelt wurden, starben 11,8 % der Männer verglichen mit 12 % der Frauen.

Weibliche Ärzte erzielten demnach bessere Ergebnisse. Der ungünstigste Fall war, dass eine weibliche Patientin von einem männlichen Arzt behandelt wurde. Die Differenz der Sterberate betrug immerhin 1,3 %. Sie war geringer, wenn männliche Kardiologen häufiger weibliche Patienten behandelten und wenn mehr Frauen mit in ihrem Team waren.

Huang rät den Patientinnen in der Pressemitteilung, sich möglichst nicht von einem männlichen Arzt behandeln zu lassen. Abgesehen davon, dass die Patienten bei einem akuten Herzinfarkt eher andere Sorgen haben dürften als die richtige Wahl des Arztes und jede zeitliche Verzögerung das Behandlungsergebnis verschlechtert, kann die Studie nicht beweisen, dass tatsächlich das Geschlecht des Arztes die Behandlungs­ergebnisse beeinflusst. 

Es ist beispielsweise denkbar, dass männliche Kollegen, die nach wie vor häufiger leitende Positionen in der Notfallaufnahme haben, sich bevorzugt um die schwierigen Patienten kümmern, bei denen die Überlebenschancen geringer sind. Wenn mehr Frauen im Team sind, könnte diese Selektion geringer sein. Allgemein akzeptiert wird, dass bei Frauen, die bei einem Herzinfarkt häufiger atypische Beschwerden haben, die Diagnose später gestellt wird als bei Männern.

Die Forscher haben keinen Versuch gemacht, etwa durch Analyse weiterer Patienten­eigenschaften, dem Schweregrad des Infarktes oder der Behandlung, andere Erklärungen auszuschließen. 

Endgültig klären ließe sich die Frage geschlechtsspezifischer Unterschiede nur durch eine randomisierte Studie, bei der Patienten bei der Aufnahme nach dem Los einem männlichen oder weiblichen Kardiologen zugewiesen werden. © rme/aerzteblatt.de

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