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Politik

Mehrsprachige Funkwarnung soll für Bildung der Rettungsgasse sorgen

Dienstag, 7. August 2018

/dpa

Wiesbaden – Hessen will Lkw-Fahrer für mehr Sicherheit auf den Autobahnen im Land stärker in die Pflicht nehmen. Innenminister Peter Beuth (CDU) startete heute in Zusammenarbeit mit dem Landesfeuerwehrverband ein Pilotprojekt, mit dem Lkw-Fahrer über CB-Funk angehalten werden sollen, an Unfallstellen eine Rettungsgasse zu bilden.

Da auf Hessens Autobahnen viele ausländische Lkw-Fahrer unterwegs seien, werden die Warnfunksprüche in acht verschiedenen Sprachen gesendet. In der Pilotphase werden die Feuerwehren aus Bad Hersfeld, Kirchheim, Limburg, Seligenstadt und Neu-Isenburg mit den Geräten ausgestattet, weil sie die Autobahnfeuerwehren mit den meisten Einsätzen im Land sind.

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Erschwerte Durchfahrt

In Hessen gebe es jährlich rund 140.000 Unfälle mit etwa 30.000 Verletzten, erklärte der Innenminister. Damit die Einsatzkräfte schnell zu den Unfällen kommen und Leben retten können, müsse die Rettungskette funktionieren. Es gebe aber trotz einer deutlichen Anhebung der Bußgelder immer wieder Verkehrsteilnehmer, die dann nicht an das Bilden einer Rettungsgasse denken. Dazu komme es auch zu Zwischenfällen, bei denen Autofahrer bewusst hinter den Einsatzwagen herfahren, um Zeit zu gewinnen und an der Unfallstelle vorbeizukommen.

Bei den Lastwagen komme hinzu, dass bei einer dreispurigen Autobahn bei stockendem Verkehr häufig die beiden rechten Fahrspuren mit einem Lkw belegt werden, erklärte der Innenminister die neue Kampagne. Die Bildung der notwendigen Durchfahrtsbreite in der oft lebensrettenden Rettungsgasse werde dadurch erschwert. Lkw-Fahrer würden zwar nicht mehr als Autofahrer als schwarze Schafe auffallen, sagte des Präsident des Landesfeuerwehrverbands, Ralf Ackermann. Sie ständen aber bei ihren Touren häufig unter einem hohen Zeitdruck. Das zeige sich dann auch in ihrem Verhalten auf der Strecke.

Da trotz Handy und anderer digitaler Technik noch immer zwischen 70 und 80 Prozent der Lkw-Fahrer den CB-Funk als Hauptkommunikationsmittel nutzten, um sich mit Kollegen über die Verkehrssituation auszutauschen, sei diese Technik für die Rettungsgassenkampagne gewählt worden, erklärte Brandamtsrat Thomas Kutschker die Initiative. Die Fahrer nutzten den CB-Funk üblicherweise in ihrer jeweiligen Landessprache auf einem spezifischen Funkkanal. Bestimmte Kanäle für die einzelnen Landessprachen hätten sich daher etabliert. Am häufigsten würden die tschechischen Fahrer davon Gebrauch machen.

Die CB-Funkwarngeräte sind nach Angaben des Experten in der Lage, gleichzeitig auf acht Kanälen einen eingespeicherten Funkspruch jeweils in einer separaten Landessprache zu senden. Die Reichweite betrage 600 bis 1.000 Meter und lasse den Lkw-Fahrern damit genug Zeit zur Reaktion, versicherte Kutschker. Der Funkspruch lautet: „Achtung! Es folgen Einsatzfahrzeuge, bilden Sie eine Rettungsgasse!“ An der Einsatzstelle selber kann der Funkspruch nochmals gewechselt werden in: „Achtung! Gefahrenstelle!“ Der Warnfunkspruch überdeckt auch laufende Gespräche der Lkw-Fahrer.

Testphase dauert ein Jahr

In der Pilotphase ist das Gerät in einem tragbaren Koffer verstaut, das die Feuerwehrleute mit in ihrer Einsatzfahrzeuge nehmen. Der Test soll nach Angaben von Landesfeuerwehrverbandspräsident Ackermann rund ein Jahr dauern. Rund 100 Autobahnfeuerwehren gebe es in Hessen, sagte Ackermann. Er hoffe, dass die Technik bald landesweit zum Einsatz kommt.

Der ADAC Hessen-Thüringen begrüßte den Test. Alle Dinge, die für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen, sollten ausprobiert werden, betonte ein Sprecher. Aus Sicht des ADAC könne nicht gesagt werden, ob die Pkw- oder Lkw-Fahrer für mehr Behinderungen der Einsatzkräfte bei Unfällen sorgten. „Aber wenn ein Lkw-Fahrer nicht rechtzeitig reagiert und das Fahrzeug dann quer steht, ist wegen der Größe die Fahrbahn dicht.“

Die Kosten für die fünf Geräte für den Pilotversuch beliefen sich auf 26.263 Euro inklusive Zubehör und würden vom Land übernommen, teilte der Innenminister mit. Die Rettungsgassenkampagne hat das Land im Sommer 2015 gestartet. Zusammen mit dem Sozialministerium und dem Landesfeuerwehrverband laufen bereits mehrere Initiativen. © dpa/aerzteblatt.de

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