NewsÄrzteschaftWie Transfusions­mediziner Menschen mit seltenen Blutgruppen helfen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Wie Transfusions­mediziner Menschen mit seltenen Blutgruppen helfen

Donnerstag, 9. August 2018

/dpa

Ulm – Auf das Problem, Blutkonserven für Patienten mit einer seltenen Blutgruppe bereitzustellen, hat die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) aufmerksam gemacht. Eine seltene Blutgruppe bedeute laut Fachgesellschaft auch seltene Spender.

„Es gibt bestimmte Blutgruppen-Konstellationen, die in der Bevölkerung mit einer Häufigkeit von unter 1:1.000 auftreten. Manche Blutgruppeneigenschaften, zum Beispiel die Blutgruppe Bombay (0h), kommen so selten vor, dass überhaupt nur wenige Blutspender bekannt sind“, erklärte Harald Klüter, erster Vorsitzender der DGTI und Transfusionsmediziner an der Universitätsmedizin Mannheim.

Anzeige

Nadel im Heuhaufen

Blutspendeeinrichtungen benötigten deshalb eine große Zahl an typisierten Blut­spendern, die im Bedarfsfall auch schnell verfügbar seien. „Unter Umständen gleicht die Suche nach dem passenden Spender der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen, vor allem dann, wenn die Chance für einen passenden Spender unter 1:10.000 liegt“, so der Klüter, der auch Leiter des Instituts für Transfusions­medizin und Immunologie des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg – Hessen ist.

Wissenschaftler der Sektion „Seltene Blutgruppen-Immunhämatologie“ der DGTI haben daher in den vergangenen Jahren neue molekularbiologische Methoden entwickelt, um betroffene Patienten besser zu versorgen. Sie basieren unter anderem auf der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder der direkten Sequenzierung des genetischen Codes der Spender. „Letztlich erlauben diese molekularen Methoden auch die sogenannte Hoch-Durchsatz-Typisierung einer größeren Zahl an Blutspendern“, hieß es aus der Fachgesellschaft.

Unter der Koordination der DGTI sind in verschiedenen Blutspendeeinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zudem Register entstanden, die eine schnelle Suche nach einem passenden Blutspender erlaubten. „An diese Zentren können sich die klinischen Einrichtungen und die transfusionsmedizinischen Labore jederzeit wenden. Schnell wird dann die Verfügbarkeit von passenden Blutspenden geprüft. Sollten gerade keine frisch gespendeten Blutpräparate vorhanden sein, können innerhalb von wenigen Tagen die registrierten Spender zur Abgabe einer Blutspende aufgefordert werden“, erläuterte Klüter.

Außerdem stünden in spezialisierten Zentren tiefgefrorene Erythrozytenkonzentrate mit ausgewählten Blutgruppen zur Verfügung. Diese werden mit einem aufwendigen Verfahren eingefroren und bei Temperaturen unter minus 80 Grad gelagert. „Im Bedarfsfall können klinische Einrichtungen auf dieses Netzwerk zurückgreifen und so die Versorgung ihrer Patienten sicherstellen“, resümiert Klüter. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. September 2018
Hamburg/Berlin – Angesichts der Ausbreitung des West-Nil-Virus und verwandter Erreger in Deutschland spricht sich ein Tropenmediziner für eine neue Diskussion zur Sicherheit von Blutkonserven aus.
Tropenmediziner: Sicherheit von Blutspenden neu diskutieren
23. August 2018
Vancouver – Kanadische Chemiker haben in Darmbakterien ein Enzym entdeckt, dass die Blutgruppen-Antigene von den Erythrozyten entfernt und auf diese Weise die „universelle“ Blutgruppe 0 herstellt. Das
Enzym aus Darmbakterien kann Blutgruppe 0 erzeugen
6. August 2018
Leipzig – Vor einem Engpass bei den Blutspenden warnt die Blutbank des Universitätsklinikums Leipzig (UKL). „Nicht nur die Ferienzeit sorgt derzeit für weniger Blutspender. Auch die anhaltend heißen
Universitätsklinik Leipzig ruft zur Blutspende auf
27. Juli 2018
Pittsburgh – Menschen, die bei schweren Verkehrsunfällen oder anderen Traumata starke Blutungen erlitten hatten, überlebten in einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine
Plasmagabe im Rettungshubschrauber senkt Sterblichkeit bei schweren Blutungen
18. Juli 2018
Berlin – Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat eine digitale Plattform für Blutspender vorgestellt. Auf der DRK-Internetseite und in einer Smartphone-App sehen Blutspender Orte zur Spende oder können sich
Deutsches Rotes Kreuz stellt Plattform für Blutspender vor
18. Juni 2018
Bochum – Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat angeordnet, dass alle therapeutischen Blutprodukte mit einem Genomnachweis von Hepatitis-E-Viren (HEV) negativ getestet sein müssen. Die neue Regel tritt
Paul-Ehrlich-Institut ordnet Hepatitis-E-Virus-Testung von Blutspenden an
13. Juni 2018
Berlin – In Deutschland werden täglich etwa 14.000 Blutspenden benötigt. Doch nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung spenden regelmäßig Blut. „Insbesondere in den Sommer- und Ferienmonaten kommt es
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER