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Medizin

Unterwäsche entscheidet über die Qualität des Spermas

Donnerstag, 9. August 2018

Männer, die häufig Boxershorts tragen, haben mehr Spermien als solche mit enger sitzenden Unterhosen. /Production Perig und Cliparea.com, stock.adobe.com

Boston – Boxershorts könnten für Spermien von Vorteil sein. Männer, die normaler­weise Boxershorts tragen, hatten im Vergleich zu Slipträgern eine 25 % höhere Spermienkonzentrationen und 17 % mehr Spermien insgesamt. Höher war auch der Anteil der Spermien, die sich durch das weibliche Fortpflanzungssystem bewegten, um eine Eizelle zu befruchten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Samenproben von mehr als 600 Männern in Human Reproduction (2018; doi: 10.1093/humrep/dey259).

Die Forscher befragten die Männer, welche Art Unterhose sie für gewöhnlich tragen. Diese Information verglichen sie anschließend mit typischen Parametern männlicher Fruchtbarkeit, wie Hormonen, Ejakulatbefunden und Integrität der Erbsubstanz der Spermien. Mögliche Einflussfaktoren, wie der Body-Mass-Index, Alter, Benutzung von heißen Bädern oder Krampfadern des Samenstranges wurden zuvor statistisch bereinigt.

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Männer, die weitere Unterhosen trugen, zeigten nicht nur signifikant höhere Spermien­zahlen im Ejakulat. Bei ihnen konnten die Forscher um Lidia Mínguez-Alarcón und Jorge E. Chavarro auch niedrigere Werte von Hormonen nachweisen, die die Spermienproduktion anregen. Die Träger enger Unterwäsche zeigten in ihrem Blut eine um 14 % höhere Konzentration des follikelstimulierenden Hormons (FSH). Auf diese Weise könnte der Körper auf die verringerte Spermienproduktion reagieren, vermuten die Studienautoren. Sie schlussfolgern, dass weitere Unterhosen für die Fruchtbarkeit förderlich sein könnten.

Dabei ist zu beachten, dass in der Kohortenstudien ohne Fallkontrollen ausschließlich Studienteilnehmer untersucht wurden, die aufgrund ungewollter Kinderlosigkeit eine Spezialklinik in den USA, das Massachusetts General Hospital, aufgesucht hatten. Ihre Spermienkonzentration befand sich aber dennoch im Normalbereich.

Man darf ganz sicher nicht den Umkehrschluss machen, dass das Tragen von Nicht-Boxershorts zur Unfruchtbarkeit führt. Sabine Kliesch, Universitätsklinikum Münster

„In der Beratung dieser Männer könnte es sinnvoll sein, auf die Möglichkeit einer negativen Beeinflussung der Fruchtbarkeit durch zu enge Unterhosen hinzuweisen und gegebenenfalls weite Unterhosen zu empfehlen“, erklärt Florian Wagenlehner, Direktor der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. „Man darf ganz sicher nicht den Umkehrschluss machen, dass das Tragen von Nicht-Boxershorts zur Unfruchtbarkeit führt“, warnt Sabine Kliesch, Chefärztin der Abteilung für Klinische und Operative Andrologie am Universitätsklinikum Münster.

Vielseitige Ursachen für eine schlechte Spermienqualität

Studien zeigen schon länger eine Abnahme der Spermienqualität bei Männern in der westlichen Welt über die letzten Jahrzehnte. „Es gibt verschiedene Erklärungs­möglichkeiten, die zum Einen Ernährung, erhöhter Body-Mass-Index, aber auch eine erhöhte Skrotaltemperatur ursächlich vermuten“, sagt Wagenlehner, Experte der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU).

Eine erhöhte Skrotaltemperatur könne zum Beispiel auch durch Krampfadern des Samenstranges entstehen, erklärt er weiter. Diese sind in der Regel einseitig ausgeprägt und schädigen im betroffenen Hoden den Spermienzyklus. Hierbei konnte in einigen Studien gezeigt werden, dass bei Patienten mit eingeschränkter Ejakulatqualität und klinischer Varikozele eine operative Varikozelenkorrektur die Ejakulatqualität verbessert. „Oder aber eine enge Unterhose führt zu einer kontinuierlichen Überhitzung beider Hoden. Die optimale Betriebstemperatur des Hodens liegt nämlich unter der Körperkerntemperatur“, weiß Wagenlehner. © gie/dpa/aerzteblatt.de

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