NewsMedizinAppendizitis: Allergische Kinder erleiden seltener Komplikationen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Appendizitis: Allergische Kinder erleiden seltener Komplikationen

Donnerstag, 9. August 2018

/freshidea, stockadobecomCvD

Lund – Kinder mit Allergien erleiden bei einer akuten Appendizitis dreimal seltener Komplikationen als andere Kinder. Dies kam in einer Studie in JAMA Pediatrics (2018; doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.1634) heraus. Sie bestätigt die Hypothese, dass Komplikationen bei der akuten Appendizitis Folge einer veränderten Immunreaktion sind.

Die frühere Sicht, nach der eine akute Appendizitis ohne eine Operation immer in einer Perforation endet, wird seit einiger Zeit infrage gestellt. Einige Patienten erholen sich spontan, bei anderen kann die Infektion durch Antibiotika kuriert werden. Bei einer dritten Gruppe kommt es jedoch zwangsläufig zu einer Gangrän oder einer Phlegmone der Appendix, die ohne eine Operation tödlich enden würde.

Anzeige

Auf der Suche nach den Gründen für die Unterschiede ist die Forschung jüngst auf unterschiedliche Immunreaktionen gestoßen. Bei der komplizierten Appendizitis wurden überwiegend TH1- und TH17-Zellen in der Appendix nachgewiesen, bei der unkomplizierten Appendizitis liegt dagegen eine Th2-Reaktion vor, die auch ein Zeichen für IgE-vermittelte allergische Reaktionen ist.

Dies führte zu der Hypothese, dass eine Allergie Kinder im Fall einer Appendizitis möglicherweise vor Komplikationen schützt. Ein Team um Lars Hagander von der Universität Lund ist der Frage durch die Analyse der Krankenakten von 605 Kindern nachgegangen, die in den letzten 10 Jahren an der Skåne Universitätsklinik in Lund behandelt wurden.

Von den 102 Kindern, bei denen die Forscher eine IgE-vermittelte Allergie recherchierten, erlitten 20 (19,6 %) nach der Appendektomie eine Komplikation. Von den Kindern ohne Allergien waren 236 von 503 (46,9 %) betroffen. Nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren ermittelt Hagander eine adjustierte Odds Ratio von 0,33, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,18 bis 0,59 hoch signifikant war. Sie bedeutet, dass Kinder mit einer IgE-vermittelten Allergie 3-mal seltener Komplikationen erlitten.

Der Einfluss des Immunsystems war damit ebenso groß wie der eines Kotsteins (Appendikolith), für den Hagander eine Odds Ratio von 3,09 ermittelte. Die retrospektive Studie ist allerdings nicht beweisend, sodass derzeit nicht dazu geraten werden kann, Allergien bei der Indikationsstellung zur Operation zu berücksichtigen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. Dezember 2018
Genf – Der Tod von 1,7 Millionen Neugeborenen könnte nach einer UN-Studie jedes Jahr mit richtiger medizinischer Versorgung verhindert werden. Zusätzlich könnten bei Hunderttausenden Babys lebenslange
1,7 Millionen Neugeborene könnten gerettet werden
12. Dezember 2018
Berlin – Kinder aus Haushalten mit niedrigem sozioökonomischen Status (SES) nehmen tendenziell andere Ärzte in Anspruch als Kinder aus wohlhabenden Familien. Auch bei der Zahnpflege und bei den
Arme Kinder werden häufiger stationär versorgt
12. Dezember 2018
Frankfurt am Main – Nach einem erfolgreichen Einsatz von Krankenschwestern an zehn Schulen in Frankfurt und im Raum Offenbach erwägt das Land Hessen eine Ausweitung des Projekts. Der Modellversuch mit
Modellversuch mit Schulgesundheitsfachkräften soll verlängert werden
12. Dezember 2018
Sacramento – Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) treten familiär gehäuft auf. Eine Studie in JAMA Pediatrics (2018; doi:
Jüngere Geschwister erkranken häufiger an ADHS oder Autismus
12. Dezember 2018
Brüssel – Das Europäische Parlament will die Krebsforschung bei Kindern deutlich ausbauen. Ein entsprechender Beschluss wurde heute im Rahmen der Abstimmung über das neue Forschungsprogramm „Horizont
Krebsforschung bei Kindern: EU-Parlament verabschiedet Grundstein für Milliardenförderung
10. Dezember 2018
Portland/Oregon – Eine Behandlung mit Vitamin C kann die Lungenschäden von Säuglingen, zu denen es durch das Tabakrauchen ihrer Mütter während der Schwangerschaft kommt, abschwächen. Dies ergab eine
Passivrauchen: Vitamin C in der Schwangerschaft verbessert Lungenfunktion von Säuglingen
7. Dezember 2018
Berlin – Von Buntstiften über Spielschleim bis zu Laufrädern: Produkte für Kinder sind aus Sicht der Stiftung Warentest besonders häufig mangelhaft. Von 278 Produkten stellten die Prüfer bei 79
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER