NewsAuslandFresenius Kabi will Hinrichtung in den USA gerichtlich stoppen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Fresenius Kabi will Hinrichtung in den USA gerichtlich stoppen

Donnerstag, 9. August 2018

/dpa

Chicago – Der deutsche Pharmakonzern Fresenius Kabi will eine im US-Bundesstaat Nebraska geplante Hinrichtung gerichtlich stoppen lassen. Das Unternehmen reichte vorgestern eine Zivilklage ein. Nach seinen Angaben ist Nebraska auf illegale Weise an zwei von dem Konzern hergestellte Substanzen gelangt, die am kommenden Dienstag bei einer Hinrichtung per Giftspritze verwendet werden sollen.

Exekutiert werden soll der 1974 wegen Mordes an zwei Taxifahrern verurteilte Carey Dean Moore. Er geht nicht gegen seine Hinrichtung vor, aber die Fresenius-Klage könnte den Termin hinauszögern. Findet die Hinrichtung wie geplant statt, wäre es die erste Vollstreckung einer Todesstrafe in Nebraska seit 21 Jahren – und die erste dortige Hinrichtung per Giftspritze.

Illegale Beschaffung vermutet

Der Bundesstaat plant die Verwendung von vier Substanzen: Es handelt sich um das Beruhigungsmittel Diazepam, das Betäubungsmittel Fentanylcitrat, das Mittel Cisatracurium zur Muskelentspannung sowie Kaliumchlorid, das den Herzschlag beendet. Fresenius Kabi geht davon aus, dass letztere zwei Substanzen aus seiner Herstellung stammen. Das Unternehmen hat bei einem Bundesrichter beantragt, die Nutzung der Mittel vorübergehend oder endgültig zu unterlassen.

Anzeige

Das Unternehmen betonte gestern in einer Mitteilung, keine Position zum Thema Todesstrafe einzunehmen. Es lehne aber die Nutzung seiner Produkte zu diesem Zweck ab. Deshalb verkaufe der Konzern „bestimmte Medikamente auch nicht an Vollzugsanstalten“. Laut Fresenius Kabi seien die Substanzen „weder direkt, noch durch einen unserer autorisierten Händler“ an die Strafvollzugsbehörden verkauft worden. Folglich könnten die Substanzen nur unter Verstoß geltender Vertriebsverträge an die Vollzugsbehörde gelangt sein.

Vor Einreichung der Klage hatte sich Fresenius Kabi laut Mitteilung an Nebraskas republikanischen Gouverneur Pete Ricketts gewandt, um eine Verwendung von Produkten des Konzerns bei Hinrichtungen auszuschließen. Das Unternehmen habe die gewünschten Zusicherungen jedoch nicht erhalten. Der Konzern fürchtet bei der Verwendung seiner Substanzen für eine Hinrichtung auch eine „erhebliche Rufschädigung“ und begründet dies mit der in Europa vorherrschenden ablehnenden Haltung zur Todesstrafe.

Fresenius Kabi wolle „grundsätzlich nicht“, dass seine Arzneimittel „außerhalb ihrer Bestimmung verwendet werden“, sagte ein deutscher Konzernsprecher heute. Um das zu gewährleisten, gebe es im Unternehmen und für die Vertriebshändler entsprechende Restriktionen. Der Bundesstaat Nebraska hat nicht mitgeteilt, wie er an die Substanzen gekommen ist.

US-Bundesstaaten, die die Todesstrafe vollstrecken, haben es zunehmend schwer, an die Mittel für ihre Giftspritzen zu kommen. Immer mehr Pharmakonzerne lehnen einen Verkauf ihrer Substanzen für diesen Zweck ab. Im Bundesstaat Nevada hatte der Hersteller Alvogen im Juli den vorübergehenden Stopp einer Hinrichtung erwirkt. © afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17. August 2018
Washington – In den USA ist die Zahl der Drogentoten durch Überdosis im vergangenen Jahr um beinahe sieben Prozent gestiegen. Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC mitteilte, starben 2017 71.568 Menschen
Zahl der Drogentoten in den USA gestiegen
13. August 2018
Chicago – Fresenius Kabi ist vor einem US-Gericht mit dem Versuch gescheitert, die geplante Hinrichtung eines Straftäters stoppen zu lassen. Der Konzern hatte vor dem Gericht im Bundesstaat Nebraska
Fresenius Kabi scheitert mit Klage gegen Hinrichtung in USA
2. August 2018
Washington – Die Regierung von US-Präsident Donald Trump macht bei der Aufweichung der Sprit- und Abgasvorschriften für Autos ernst. Das Umweltamt EPA und das Verkehrsministerium stellten heute einen
Trump-Regierung will Umweltregeln für Autos entschärfen
31. Juli 2018
Bad Homburg – Fresenius hat trotz gesunkener Umsätze mehr Gewinn erwirtschaftet. Im zweiten Quartal belastete der starke Euro erneut die Geschäfte des Dax-Unternehmens. Die Erlöse gingen um zwei
Fresenius kann Gewinn trotz Umsatzeinbruchs steigern
26. Juli 2018
Miami – In den USA können offenbar Hunderte von den Behörden getrennte Einwandererfamilien nicht fristgerecht wieder vereint werden. Heute läuft eine Frist zur Zusammenführung von Kindern über fünf
Hunderte Einwandererfamilien in USA trotz Ablauf von Frist nicht vereint
20. Juli 2018
New York – Die harsche Kritik von US-Präsident Donald Trump an der Preispolitik von Pharmakonzernen zeigt in der Branche immer mehr Wirkung. Nach der Zusage des US-Unternehmens Pfizer und des
Preissenkung: Merck & Co. knickt vor Trump ein
19. Juli 2018
Zürich – Nach der Ankündigung des Novartis-Chefs Vas Narasimhan, in diesem Jahr die Preise für Medikamente in den USA nicht zu erhöhen, hat sich US-Präsident Donald Trump über den

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER