NewsMedizinAutismus: Störungen im Belohnungssystem beeinträchtigen Sozialverhalten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Autismus: Störungen im Belohnungssystem beeinträchtigen Sozialverhalten

Donnerstag, 16. August 2018

Aufnahme von dopaminergen Nervenzellen, welche bei der sozialen Interaktion eine Rolle spielen. / Universität Genf
Aufnahme von dopaminergen Nervenzellen, welche bei der sozialen Interaktion eine Rolle spielen. / Universität Genf

Basel/Genf –  Ein Hauptmerkmal von Autismus-Spektrum-Störungen ist die beeinträchtigte soziale Kommunikationsfähigkeit. Diese lässt sich vermutlich auf eine Fehlfunktion der Synapsen von Nervenzellen im Belohnungssystem zurückführen, wie eine Studie mit Mäusen in Nature Communications zeigen konnte (2018; doi: 10.1038/s41467-018-05382-3).

Das Belohnungssystem verstärkt im Gehirn aller Säugetiere bestimmte Verhaltens­weisen, indem es für die notwendige Motivation sorgt. Nahrungssuche, Lernen oder Emotionen beispielsweise sind eng damit verbunden. Mehrere Studien konnte bereits zeigen, dass defekte Neuronen des Systems für die bei Autismus typischen Verän­derungen im Sozialverhalten verantwortlich sein könnte. Die Betroffenen verlieren dadurch die Motivation mit anderen zu interagieren. Den zugrunde liegenden neurobiologischen Mechanismus haben jetzt Schweizer Forscher untersucht.

Anzeige

Ungenügende Reifung von Synapsen verhindert soziale Entwicklung

Als Modell nutzten sie dazu eine Maus mit einem Gendefekt, der auch bei Menschen mit Autismus vorkommt: Das Gen Neuroligin 3 war entweder ausgeschaltet oder die Genaktivität in den dopaminergen Neuronen stark reduziert. Diese Mäuse zeigten im Gegensatz zu ihren gesunden Artgenossen ein mangelndes Interesse an Neuem und waren weniger motiviert, sozial zu interagieren − beides Verhaltensweisen, die auch bei Autismus häufig auftreten.

Bei diesen Mäusen untersuchten die Forscher die synaptische Plastizität, also die Fähigkeit der Synapsen, sich zu verändern und anzupassen. Normalerweise führen Änderungen im sozialen Kontext auch zu Veränderungen an den Synapsen, wodurch das Interesse und der soziale Kontakt aufrechterhalten wird. Bei Mäusen mit Neuroligin-3-Mangel war diese Anpassungsfähigkeit jedoch beeinträchtigt. Die „sozialen“ Synapsen wurden nicht verstärkt, und infolgedessen war auch die Reaktion auf einen neuen Reiz schlechter.

„Das gleiche Defizit konnten wir bei Tieren mit einer Mutation im Shank-3-Gen, welche ebenfalls bei Autismus verbreitet ist, beobachten. Letztlich behindert also eine ungenügende Reifung der Synapsen eine gute soziale Entwicklung“, erklärt Camilla Bellone. Man kennt mittlerweile mehr als 100 Gene, die mit autistischen Symptomen in Zusammenhang stehen. Viele von ihnen spielen für die Funktion der Synapsen eine Rolle. Dies erklärt, warum soziale Störungen bei autistischen Menschen so häufig sind.

Passende Therapie abhängig von der genetischen Ursache

Da es bei Autismus ein breites Spektrum an Symptomen gibt, kann man nicht alle Patienten gleich behandeln. „Für die Entwicklung von gezielten und spezifischen Therapien, ist es daher unumgänglich, Verhaltensauffälligkeiten anhand von Funktionsstörungen neuronaler Schaltkreise zu klassifizieren und ihren genetischen Hintergrund zu verstehen“, betont Peter Scheiffele, Professor am Biozentrum der Universität Basel, und Co-Autor der Studie. Patienten mit synaptischen Veränderungen in dopaminergen Neuronen sollten daher positiv auf Therapien reagieren, die die Aktivität dieser Zellen erhöhen. Dieselben Therapien würden jedoch bei Patienten, deren beeinträchtige Sozialkompetenz auf eine andere Störung zurückzuführen ist, wirkungslos bleiben.

Da die synaptische Reifung im frühen Lebensalter stattfindet, ist für eine wirksame Therapie entscheidend, dass die genauen Ursachen der Störung frühzeitig erkannt werden. Das Ziel der Wissenschaftler in Basel und Genf ist es daher, die grundlegenden Mechanismen zu identifizieren, um vielversprechende therapeutischen Ansätze aufzuzeigen. © gie/idw/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #751566
Chironex
am Donnerstag, 23. August 2018, 23:01

e.ne

Sehr geehrter Herr e.ne,
man versteht weder was Sie genau wollen, noch auf welche Thematik Sie hier mit ihrem Beitrag eingehen. Als Autist finde ich einiges was in ihrem Text steht ziemlich herabwürdigend und sehr verwirrend. Bitte passen Sie ihren Sachverhalt so an, dass es für den Leser nachvollziehbar ist und nicht so abgehackt und durcheinander rüber kommt. Vielen Dank
Avatar #720508
e.ne
am Freitag, 17. August 2018, 20:52

"Lernbehindert" uva

Lernbehinderte können durchaus lernen - wenn man ihnen genau sagt was und wie.
d.h. aber nicht, dass sie Menschen sehen, hören und verstehen können.
Als frühkindlich Geschädigte, juvenile Schizophrene, in dem Alter Alkohol trinkend, was beibehalten wird, den Charakter zusätzlich verändert, die sprachliche Kommunikation einschränkt ... fällt zwar immer auf, dass was etwas nicht stimmt, es fehlt viel, das fällt auf, auf Zurück geblieben sein, kommt man erst (zu) spät. Man sieht im Bett liegende an einer Schnapsflasche nuckelnde Babies,
PC-Kartenspieler, wie Kinder, hohle, leere Irre Herum Brüllende Verrückte, die schreien ohne ein Wort zu sagen - sich zwar "schlau" etwas zurecht legen können, oft genug fallen Amt/Behörden darauf rein,
mangels eigener fachlicher Kompetenz/Arbeitswillen, es hat nur alles keinen Sinn. - Sie schaffen es
ihr ganzes Leben sein zu wollen wie Andere - und sind doch nicht fähig Andere anzusprechen oder
sich helfen zu lassen. Unterschiede zu erkennen. Sie wollen alles alleine sein, schreien Andere wenn sie
die Gelegenheit erhalten nieder, grenzen sie aus, sind vorsätzliche Lügner, Betrüger, Diebe, ohne Schuldbewusstsein "sehr frech"! Erfinden jede Menge Gründe für ihre Verhalten, warum Andere nichts sind. Sie waren es nie. Mit solchen Leuten, die in Bethel ein ruhiges Leben hätten führen können,
darf man auf gar keinen Fall alleine sein. Ohne andere Bezugspersonen geht es nicht. Wenig im Kopf,
kein Gefühl, verbogene Charaktere viel nie durchdachten Unsinn redend, entwickeln sie kein Gedächtnis. Sie werden nur immer schlimmer. Halten einen für Alle. Da kommt in Jahrzehnten kein Wort, Verhalten. Da sie sich zunehmend in Wahnwelten versteifen, wird es immer schwieriger sie überhaupt noch zufriedenstellend anzusprechen. Sie sind viel zu weit entfernt von allen Realitäten.
Lassen sie sich bis 30 noch helfen, hört es danach schnell auf, schon deshalb weil sie zunehmend
auch ganz Unbekannten, Fremden, Vermieterin etc auffallen. Sie beharren auf ihre Rechte, kennen
aber die Rechte Anderer nicht. Es ist ein Ausfall Leben. Heirat Scheidung ist bekannt. Ehe nicht.
Feiertage aller Art entfallen - Geschenke werden zwar angenommen, aber schnell entwertet.
Eine ständige Muttersuche - je mehr Mütter desto besser - die sich alles gefallen lassen sollen.
Manchmal fragt man sich, welches dt. Wort sie überhaupt kennen können.
Es muss einen Zusammenhang geben, mit einem schwarzen Loch in der Magengegend/Gefühl und
unterbrochenen Synapsen. Egal was man oben reinsteckt - es kommt immer nur unten raus als Sand,
oder "Sch...." Sysiphus - arbeit.
LNS

Nachrichten zum Thema

12. Dezember 2018
Sacramento – Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) treten familiär gehäuft auf. Eine Studie in JAMA Pediatrics (2018; doi:
Jüngere Geschwister erkranken häufiger an ADHS oder Autismus
6. November 2018
Heidelberg – Autismus tritt 4-mal häufiger bei Jungen als bei Mädchen auf. Wissenschaftler der Abteilung Molekulare Humangenetik des Universitätsklinikums Heidelberg haben dafür nun erstmals eine
Testosteron aktiviert Risikogene für Autismus
10. September 2018
Sacramento/Kalifornien – Sind autistische Störungen zumindest teilweise eine Stoffwechselstörung des Gehirns? US-Forscher beschreiben in Biological Psychiatry (2018; doi:
Metabolom-Studie findet Bluttest für autistische Störungen
17. August 2018
New York – Obwohl der Einsatz von Dichlordiphenyltrichlorethan, bekannter als DDT, in den 1970er-Jahren stark eingeschränkt und später ganz verboten wurde, sind Schwangere auch heute noch mit
Autismus: Studie sieht Verbindung mit verbotenem Insektizid DDT
26. Juni 2018
Pasadena/Oslo – Zwei aktuelle Studien führen den Beginn von Autismus und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auf Komplikationen in der Schwangerschaft zurück. Laut einer
Schwangerschaft beeinflusst Autismus und ADHS
4. Juni 2018
Paris – Die französische Regierung will die Versorgung von Menschen mit Autismus verbessern und stellt für die Umsetzung der neuen Autismusstrategie in den nächsten fünf Jahren 344 Millionen Euro
Autismus: Frankreich gibt Millionen für Versorgung aus
10. Mai 2018
Boston – In der Zeitschrift Scientific Reports berichten Wissenschaftler jetzt, dass Elektroenzephalogramme (EEGs), die die elektrische Aktivität des Gehirns messen, eine Autismus-Spektrumstörung
LNS
NEWSLETTER