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Politik

Neues Konzept für die Qualitätsbeurteilung von Pflegeheimen

Donnerstag, 9. August 2018

/dpa

Bielefeld – Die Suche nach einem guten Pflegeheim soll künftig deutschlandweit einfacher werden. Bielefelder Pflegewissenschaftler haben dazu jetzt ein neues Konzept zur Bewertung der Qualität der rund 13.600 Einrichtungen fertiggestellt und dem Qualitätsausschuss Pflege übergeben, wie die Universität Bielefeld heute mitteilte. Es soll die seit 2009 erhobenen Pflegenoten ersetzen, die auf massive Kritik gestoßen waren.

Das unter Federführung des Instituts für Pflegewissenschaft an der Uni Bielefeld entwickelte Konzept sieht eine grundlegende Neuausrichtung der Qualitätsprüfungen und der öffentlichen Qualitätsberichte vor. Dazu haben Wissenschaftler, Vertreter von Pflegeheimen, Krankenkassen und Angehörigen zusammengearbeitet.

Das neue Prüfsystem soll sich am tatsächlichen Gesundheitszustand und der Zufriedenheit der Heimbewohner orientieren. Bislang haben die Prüfer schwerpunktmäßig lediglich die Dokumentation der Heime überprüft, also sich auf bürokratische Abläufe konzentriert.

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„Es geht künftig etwa darum, wie gut es gelingt, Mobilitätsverlust, Sturzverletzungen, die Entstehung von Druckgeschwüren oder den Einsatz freiheitseinschränkender Maßnahmen zu vermeiden“, erklärte Projektleiter Klaus Wingenfeld. Die Daten werden von den Einrichtungen erhoben und in Stichproben von externen Prüfern kontrolliert.

Wingenfeld betonte, dass die zusätzlichen externen Qualitätsprüfungen weiterhin ein wichtiges Standbein der Qualitätsbewertung blieben. Sie werden durch die Medizinischen Dienste der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) oder den Prüfdienst der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung durchgeführt.

Die Pflegenoten stehen seit Jahren in der Kritik, weil 77 – zum großen Teil wenig aussagekräftige – Komponenten zu einer Gesamtnote zusammengefügt werden. Das führt dazu, dass der bundesweite Durchschnitt trotz teils gravierender Pflegemängel bei einer unrealistischen Note von 1,2 liegt. Dadurch wurden nach Ansicht der Kritiker zahlreiche Missstände verschleiert.

Wird der Vorschlag der Wissenschaftler umgesetzt, werden die auch im Internet veröffentlichten „Qualitätsdarstellungen“ mehr Informationen über ein Pflegeheim enthalten als heutige Berichte. Dazu zählen auch Informationen über die Ausstattung und Angebote eines Pflegeheims.

Der Qualitätsausschuss Pflege hat angekündigt, dass der neue „Pflege-TÜV“ im Laufe des Jahres 2019 umgesetzt werden soll. Dann wird eine ähnliche Neuerung für die ambulante Pflege folgen. © kna/aerzteblatt.de

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