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Medizin

Fußball: Einer von 266 Vereinsspielern durch plötzlichen Herztod gefährdet

Freitag, 10. August 2018

/dpa

London – Der englische Fußballverband hat in den letzten 2 Jahrzehnten mehr als 11.000 Nachwuchsspieler auf Herzerkrankungen kardiologisch untersuchen lassen. Laut einer Studie im New England Journal of Medicine (2018; 379: 524–534) wurden 42 potenziell tödliche Erkrankungen erkannt und 8 übersehen.

Die English Football Association bietet ihren jugendlichen Mitgliedern seit 1996 eine kardiologische Vorsorgeuntersuchung an. Die Ärzte suchen die Clubs mit mobilen Screeningeinheiten auf. Die Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren werden nach dem Ausfüllen eines Fragebogens zu Herzerkrankungen in der Familie körperlich untersucht. Neben einem EKG mit 12 Ableitungen wird eine Echokardiografie durchgeführt.

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Patienten mit EKG-Veränderungen wie T-Welleninversion, QRS-Verlängerung oder Wolff-Parkinson-White-Syndrom werden zu einer eingehenden kardiologischen Untersuchung einbestellt. Das Gleiche trifft auf Kicker mit Herzvergrößerung, niedriger Ejektionsfraktion oder Anzeichen einer linksventrikulären Nichtkompaktierung zu.

Wie ein Team um Sanjay Sharma von der St. George Universität berichtet, wurde bei 42 von 11.168 Nachwuchskickern (0,38 % oder einem von 266) Herzerkrankungen diagnostiziert, die zu einem plötzlichen Herztod führen können. Darunter waren 8 Patienten mit Kardiomyopathie und 3 mit „Long QT“-Syndrom, denen sofort vom weiteren Fußballspielen abgeraten wurde. Den 3 Patienten mit „Long QT“-Syndrom wurden Betablocker verordnet.

2 Patienten mit Anomalien der Koronararterien nahmen ihr Hobby nach einer Herzoperation wieder auf. Auch die Sportler mit bikuspiden Aortenklappen konnten nach einer chirurgischen Korrektur wieder am Training teilnehmen.

Von den 26 Athleten mit den Wolff-Parkinson-White-Veränderungen unterzogen sich 24 einer Ablation, bevor sie wieder zum Spielen zugelassen wurden. Die anderen erhielten wegen eines geringen Risikos ohne Behandlung eine Spielerlaubnis.

2 der 8 Patienten mit Kardiomyopathie ignorierten die Warnungen der Ärzte und erlitten später während des Sports an einem plötzlichen Herztod. Die anderen 40 Patienten sind am Leben, darunter alle Patienten, denen die Ärzte nach der Behandlung ihrer Herzkrankheiten die Wiederaufnahme des Sports erlaubt hatten.

Eine Umfrage bei den Clubs ergab aber, dass 8 Teilnehmer der Vorsorgeuntersuchung später an einem plötzlichen Herztod gestorben sind. Die erneute Analyse der Akten ergab, dass die Untersuchungsbefunde beim Screening unauffällig waren. Bei den anderen beiden Todesfällen hatten die Ärzte eine hypertrophe Kardiomyopathie übersehen. Laut Sharma hat die English Football Association bereits Konsequenzen gezogen und das Screening verbessert.

Die Untersuchung von 11.168 Nachwuchsspielern hat in den letzten 2 Jahrzehnten insgesamt 2,87 Millionen Pfund (3,82 Millionen Euro) gekostet. Hinzu kamen noch einmal 376.000 Pfund (500.000 Euro) für Nachuntersuchungen. Das ergibt 77.280 Pfund (102.782 Euro) für jede der 42 gefundenen lebensgefährlichen Erkrankungen.

Außerdem wurden bei dem Screening bei 267 Fußballern nicht lebensgefährliche, aber zumeist behandlungsbedürftige Erkrankungen gefunden. © rme/aerzteblatt.de

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