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Politik

Ärzte und Pfleger viel zu selten gegen Influenza geimpft

Freitag, 10. August 2018

/dpa

Berlin – Ärzte und Pflegekräfte in deutschen Krankenhäusern schützen sich vielfach nicht gegen Influenza. Einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge lassen sich lediglich 40,1 Prozent aller Mitarbeiter gegen die Grippe impfen. Die Impf­bereitschaft nach Berufsgruppen ist aber sehr unterschiedlich.

Am höchsten lag die Impfquote bei den Ärzten (61,4 Prozent). Am niedrigsten war sie mit 32,5 Prozent beim Pflegepersonal. Kaum höher fiel die Quote bei den thera­peutischen Berufen aus (34,2 Prozent). 73,3 Prozent der Ärzte sagten in der Befragung, sie seien bereits, sich in der nächsten Grippesaison impfen zu lassen. Dies erklärten lediglich 41,0 Prozent der Pflegekräfte und 43,3 Prozent der therapeutischen Berufe.

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Der häufigste genannte Grund für eine Impfung war der Selbstschutz, der Patienten­schutz war laut RKI nachgeordnet. Als Gründe dafür, sich nicht impfen zu lassen, nannten alle Berufsgruppen das schlechte Risiko-Nutzen-Verhältnis. Bei den Ärzten überwogen zudem organisatorische Gründe. Pflegepersonal und Therapeuten nannten Angst vor Nebenwirkungen und die Sorge, die Impfung könne die Grippe auslösen, als Gründe, die Impfung zu verweigern. An der Organisation in den Krankenhäusern liegt die mangelnde Umsetzung nicht. Die Umfrage zeigt, dass 89 Prozent der Kliniken eine Influenzaimpfung am Arbeitsplatz angeboten haben.

RKI mahnt zur Impfung

Das RKI mahnte angesichts der Zahlen, dass es im Interesse des Gesundheitswesens liege, die Inanspruchnahme der Impfung beim Gesundheitspersonal zu fördern. „Die jährliche Influenzaimpfung ist die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung gegen Grippe und wird Klinikpersonal empfohlen“, schreibt das RKI im aktuellen Bulletin. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfehle die Influenzaimpfung für medizinisches Personal aus zwei Gründen. Sie diene dem individuellen Schutz des Personals vor Erkrankung und sie reduziere die Weiterverbreitung des Virus im Krankenhaus und damit das Auftreten nosokomialer Infektionen.

„Durch die Influenzaimpfung können folglich potenzielle Influenzainfektionen von Krankenhauspersonal und damit krankheitsbedingte Personalengpässe in den Kliniken während der Influenzasaison vorgebeugt werden“, erklärte das RKI. Außerdem könnten nosokomiale Übertragungen auf Patientengruppen verhindert werden, die ein erhöhtes Risiko für schwere Influenzaverläufe mit Pneumonie bis hin zur Sepsis hätten.

Das RKI sieht konkreten Handlungsbedarf und gibt Empfehlungen. „Die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen zeigen, dass eine berufsgruppenspezifische Kommunikation im Krankenhaus notwendig ist“, erklären die Experten im Bulletin. Für Pflegepersonal und therapeutische Berufe wäre eine Steigerung des Vertrauens in die Sicherheit und Effektivität nötig, bei der Ärzteschaft wiederum könnten aufsuchende Impfangebote die Inanspruchnahme stärken.

An der Befragung im Herbst 2017 nahmen 5.822 Mitarbeiter aus 54 Kliniken teil. Bislang lagen noch keine bundesweiten Daten zur Impfquote bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen vor. Das RKI schließt eine Selektionsbasis bei der Befragung nicht aus, weil die Teilnahme an der Studie freiwillig war. Es sei daher nicht auszuschließen, dass die Ergebnisse die Impfquote über- oder unterschätzen könnten. Jährliche Folgeerhebungen sollen aufzeigen, inwieweit sich Impfquote und Impfmotivation über die Zeit verändern. © may/aerzteblatt.de

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Avatar #110369
jpink
am Montag, 13. August 2018, 10:54

Beeinflusser, Mythen und kein Ende

Zitat:
Man kann niemanden zu einer Impfung zwingen. Aber Krankenhäuser sind nun einmal Teil der kritischen Infrastruktur, und Dienstpläne müssen darauf Rücksicht nehmen. Was spricht also gegen folgenden Vorschlag: Angenommen, von sechs Mitarbeitern darf durchschnittlich immer nur einer gleichzeitig Urlaub haben. Während der Grippesaison (Mitte Dezember bis Mitte März) kann bei den Geimpften einer von fünf Urlaub haben und bei den Ungeimpften nur einer von zehn.

Bei uns war es dieses Jahr so, daß ich die Arbeit von "Impflingen" übernehmen durfte, weil die über Wochen von der Influenza befallen waren. Ich bin ja nicht "geimpft".

Es ist ein Mythos, daß Ärzte heilen. Die Heilung vollbringt der Organismus höchstselbst - oft trotz irr gewordenem Über-Ich, das er tragen bzw. ertragen muß. Es ist ein Mythos, daß eine Impfung einen gesunden Lebenswandel ersetzen könnte.

Apropos Lebenswandel, denn da wären wir schon wieder bei der Systemfrage, beim Personal und bei Zinssklaven. Bei vergewaltigten natürlichen Lebensgrundlagen, Überbesiedlung, Schuldkomplexen und Angstmache. Virchow schrieb es uns ins Stammbuch, Politik ist nichts anderes als Medizin im Großen.

Mensch zu sein ist eine Entscheidung, die man irgendwann fällen muß. Dafür muß man gelernt haben, sich abzugrenzen. Also, auch mal die Influenzer entweder außen vor zu lassen oder in sich in Quarantäne zu belassen.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 13. August 2018, 00:19

Impfmythen in Bezug auf Influenza

Grippe und grippaler Infekt sind zwei grundverschiedene Krankheiten. Wenn jemand behauptet, er wäre unmittelbar nach einer Impfung an „Grippe“ erkrankt, dann ist dies gleichzeitig wahr und falsch. Es ist wahr, die Impfdosis ist eine nicht unerhebliche Antigenlast, und in den Tagen nach der Impfung ist das Immunsystem für einige Tage damit beschäftigt. Andere respiratorische Erreger können die Gunst der Stunde nutzen und sich verstärkt ausbreiten. Deshalb sollte man auch nicht in ein Prodromalstadium hinein impfen. Aber es ist falsch zu behaupten, dass dies die Grippe wäre, der Impfstoff ist ein Totimpfstoff und der grippale Infekt nach der Impfung ist eine andere Krankheit.

Schlechte Schutzwirkung? Durchbruchsinfektionen? Das hängt davon ab, was man als Schutzwirkung definiert. Ein kompletter Schutz wäre natürlich schön, aber selbst ein leichterer und kürzerer Verlauf ist aus meiner Sicht ein Erfolg. Durch meinen Beruf habe ich natürlich eine besondere Negativauslese, bei mir im Labor landen gerade auch die Sektionsmaterialien derer, die an einer Influenza verstorben sind.

Soll man sich jedes Jahr gegen die Influenza impfen lassen? Wenn die STIKO eine deutlich veränderte Zusammensetzung des Impfstoffs empfiehlt, dann auf jeden Fall. Ansonsten kann man vielleicht auch ein oder zwei Jahre aussetzen, dann aber auf eigenes Risiko, es gibt keine Möglichkeit das Risiko durch Laborteste zu steuern. Das Problem dabei ist, die üblichen Antikörperteste gegen Influenza sind nicht in der Lage die Immunität gegen Influenza zu messen. Dazu müsste die typspezifische Immunantwort gemessen werden, diese Methoden sind nur in Speziallaboren vorhanden und nicht für die breite Routine geeignet: https://influenza.rki.de/CirculatingViruses.aspx

Warum soll man sich gegen Influenza impfen lassen? Erstens Selbstschutz. Zweitens Patientenschutz. Drittens (bei Mitarbeitern im Krankenhaus und in Arztpraxen) Schutz einer kritischen Infrastruktur. Die letzte Grippewelle Anfang des Jahres sollte allen noch in Erinnerung sein. Zahlreiche Krankenhäuser konnten keine Patienten aufnehmen, nicht weil die Betten nicht reichten, sondern weil zu viel Personal erkrankt war. Um derartige massive Ausfälle beim Personal zu verhindern bedarf es einer schnellen und hochwertigen Diagnostik (ich meine dabei PCR, Schnellteste sind zu oft falsch negativ), um die Compliance für Schutzmaßnahmen am Krankenbett zu verbessern. Zweitens muss die Impfrate beim Personal möglichst hoch sein. Und drittens muss überhaupt genug Personal vorhanden sein.

Der Arbeitgeber hat das Recht den Impfstatus seiner Mitarbeiter zu erfahren, §23a IfSG ermöglicht den rechtlichen Rahmen:
http://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__23a.html
Man kann niemanden zu einer Impfung zwingen. Aber Krankenhäuser sind nun einmal Teil der kritischen Infrastruktur, und Dienstpläne müssen darauf Rücksicht nehmen. Was spricht also gegen folgenden Vorschlag: Angenommen, von sechs Mitarbeitern darf durchschnittlich immer nur einer gleichzeitig Urlaub haben. Während der Grippesaison (Mitte Dezember bis Mitte März) kann bei den Geimpften einer von fünf Urlaub haben und bei den Ungeimpften nur einer von zehn. Damit wäre das Ausfallrisiko entsprechend dem Verursacherprinzip verteilt. Im Klartext, wer sich nicht impfen lässt, muss länger auf seinen nächsten Weihnachts- und Winterurlaub warten. Eigentlich sollte die Grippeimpfung für Mitarbeiter im Gesundheitswesen eine Selbstverständlichkeit sein. Der Patient soll nicht zu Schaden kommen, aber wenn ich erkranke und z.B. den Infarktpatienten mit einer Grippe infiziere oder wenn mein Arbeitsplatz wegen meiner Erkrankung leer bleibt und Patienten deshalb schlechter versorgt werden, dann passiert genau dies. Ich persönlich leite aus dem Hippokratischen Eid eine Impfpflicht für medizinisches Personal ab.
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 11. August 2018, 22:55

Fataler Automatismus

Menschen tendieren nun einmal dazu, kurzfristig aufeinanderfolgende Ereignisse kausal zu verknüpfen. So mancher Gaststättenbetreiber wurde schon Opfer dieses Phänomens... "was Schlechtes gegessen" ist so eine falschen Annahme bei viralen Infekten des Verdauungstrakts...Und wie man sieht, werden auch Ärzte selbst Opfer der falschen Kausalkette, die durch die Verwechslung einer Immunreaktion mit einem tatsächlichen Infekt entsteht
Avatar #110206
kairoprax
am Samstag, 11. August 2018, 10:41

a) auch ich war ein Opfer einer Grippeimpfung b) warum wohl sind 2/3 nicht geimpft?

Es ist ein europaweiter Trend, der dazu geht, sich nicht gegen Influenza impfen zu lassen.
Woran mag das liegen?
Menschen die, wie ich selbst, einmal im Gefolge einer Impfung Tage lang das Bett hüten mußten, aber auch Menschen, welche die Grippe-Impfung aus statistischen Erwägungen in Frage stellen (es gibt die Jahre, in denen wenig geimpft wurde und trotzdem / deswegen / unabhängig davon weniger Fälle gemeldet wurden oder die Jahre, in denen viel verimpft wurde, aber keine erkennbaren Verbesserungen auftraten) , alle die, die nicht blind den Impfdogmen eines industrielastigen Instituts folgen, sondern die STIKO-Empfehlungen (" Gab es schon einmal Komplikationen? Welchem Zweck dient die Impfung? Wie soll man sich nach der Impfung verhalten? Was mache ich bei Komplikationen? ... und insbesondere: Wer sammelt und dokumentiert tatsächlich die Komplikationen?") ernst und wörtlich nehmen.
Abstimmung mit den Füßen nennt man ein Verhalten, das aus der Überzeugung und aus der Erfahrung entspringt.
Gut, das mag an mangelnder Aufklärung liegen.
Aber warum sollten gerade Ärzte (ich bin einer) oder Krankenschwestern, Pfleger, Hebammen mangelhaft aufgeklärt sein? Ist es nicht doch eher so, daß hier aus Überzeugung auf diese Art der Impfung verzichtet wird?
Man lastet dem Imfverweigerern Uneinsichtigkeit an, oder daß sie der Homöopathie oder gar Verschwörungstheorien anhängen. Selbst wenn das im Einzelfall stimmen mag, im Gros handelt es sich um medizinisch ausgebildete Menschen.
Wissenschaft funktioniert anders.
Sie beruht auf Erfahrungen und nicht darauf, Gegner einer Theorie als unaufgeklärt, unbelehrbar oder unwissend zu bezeichnen.
Ich denke, die zwei Drittel der Impfverweigerer haben Gründe, und weil sie aus dem Medizinbereichkommen, sollte man fachliche Argumente unterstellen.
So einfach wäre das.
Avatar #683778
Freudi
am Samstag, 11. August 2018, 00:53

Mehr Information!

Ja, dieses Problem war während der letzten Grippe-Welle in den Kliniken offensichtlich!
Aber auch bei vielen ÄrztInnen hörte man häufig das Argument: "Nach einer Impfung hatte ich eine Grippe, so stark wie nie zuvor!"
Häufig hatte ich den Eindruck, dass bei vielen Kolleginnen das Zeitalter der Aufklärung noch nicht begonnen hat.
Hier muss dringend untersucht werden, wie man diese Gruppe (und das Pflegepersonal!) besser, erfolgsversprechender erreichen könnte. Mit Grausen denke ich daran, dass die unwissenschaftliche Art des o.g. Arguments auch auf anderen Gebieten besteht.....
LNS

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