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Medizin

Typ-1-Diabetes: Früher Erkrankungsbeginn könnte Lebenserwartung deutlich verkürzen

Montag, 13. August 2018

/dpadiabe

Göteborg – Ein früher Erkrankungsbeginn des Typ-1-Diabetes erhöhte in einer bevölkerungsweiten Kohortenstudie das Risiko von mehreren kardiovaskulären Erkrankungen, was laut der Publikation im Lancet (2018; 392: 477-86) die Lebenserwartung deutlich verkürzen könnte.

Der Typ-1-Diabetes nimmt in den reicheren Ländern aus bisher ungeklärten Gründen stetig zu. Die Kinder erkranken zudem in einem immer früheren Alter. Dies bedeutet, dass sie längere Zeit den Folgen eines gestörten Glukosestoffwechsels ausgesetzt sind, zu denen aufgrund einer Makro- und Mikroangiopathie vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören. Dies könnte sich ungünstig auf die Lebenserwartung auswirken.

Ein Team um Araz Rawshani von der Universität Göteborg hat hierzu die Daten des „Nationella Diabetesregistret" ausgewertet, das die Daten von praktisch allen Menschen sammelt, die in Schweden an einem Typ-1-Diabetes erkranken. Die Analyse umfasste Patienten, deren Diagnose in den Jahren 1998 bis 2012 gestellt wurde, also in einem Zeitraum, in dem die aktuelle intensivierte Insulintherapie eingesetzt wurde. Diese moderne Therapie hat die Komplikationsrate des Typ-1-Diabetes deutlich gesenkt. 

Rawshani kann jetzt zeigen, dass ein früher Beginn des Typ-1-Diabetes die kardio­vaskulären Risiken weiter erhöht und damit eventuell die Lebenserwartung gegenüber Patienten verkürzt, die später erkranken. So hatten Patienten, bei denen der Typ-1-Diabetes vor dem 10. Lebensjahr diagnostiziert wurde, ein 30,50-fach höheres Risiko auf eine koronare Herzkrankheit (95-Prozent-Konfidenzintervall 19,98 bis 46,57) und ein 30,95-fach erhöhtes Risiko auf einen Herzinfarkt (17,59-54,45). Bei Patienten, die erst im Alster von 26 bis 30 Jahren an einem Typ-1-Diabetes erkrankten, traten die beiden Erkrankungen nur 6,08-mal (4,71-7,84) beziehungsweise 5,77-mal (4,08-8,16) häufiger auf. Für die Herzinsuffizienz und für den Schlaganfall wurde ebenfalls ein, wenn auch weniger deutlich erhöhtes altersspezifisches Risiko gefunden.

Da die Patienten noch relativ jung sind, war die Zahl der kardiovaskulären Ereignisse gering. Dies erklärt die weiten 95-%-Konfidenzintervalle und führt zu einer gewissen Unsicherheit bei der Abschätzung der Folgen, zu denen eine Verkürzung der Lebenserwartung gehören könnte. 

Rawshani schätzt den Verlust an Lebenserwartung für Mädchen, die vor dem 10. Lebensjahr erkrankten, auf 17,7 Jahre (14,5-20,4) und für Knaben auf 14,2 Jahre (12,1-18,2). Bei Frauen, die erst im Alter von 26 bis 30 Jahren erkrankten, betrug der Verlust „nur“ 10,1 Jahre (7,7-13,0), bei Männern waren es 9,4 Lebensjahre (7,6–11,3).

Die Ergebnisse werfen nach Ansicht von Rawshani die Frage auf, ob Patienten, die sehr früh an einem Typ-1-Diabetes erkranken, nicht früher und aggressiver als bisher mit Statinen oder Blutdrucksenkern behandelt werden sollten, um kardiovaskuläre Folgekrankheiten zu vermeiden. Gegenwärtig nähmen nur etwa 10 bis 20 % der Personen mit Typ-1-Diabetes im Alter von 40 Jahren Statine ein, berichtet Rawshani. 

Auch die blutzuckersenkende Therapie sollte überdacht werden, finden die Editorialisten Marina Basina und David Maahs von der Stanford University. Zwar stehe außer Frage, dass die intensive Insulintherapie die diabetischen Komplikationen und die Sterblichkeit beim Typ-1-Diabetes senkt. Die Behandlung gehe aber auch mit einem erhöhten Risiko auf Hypoglykämien und eine Gewichtszunahme einher.

Eine begleitende Therapie mit Medikamenten wie GLP-1-Analoga, die die Restpro­duktion von Insulin stimulieren, und SGLT-2-Inhibitoren, die die Blutzucker-Ausscheidung über die Niere fördern, könnten möglicherweise das Hypoglykämie-Risiko senken beziehungsweise die Blutzuckerkontrolle verbessern. Beide Mittel wirken sich zudem günstig auf das Körpergewicht aus.

Dieser Ansatz ist jedoch nicht ohne Risiken. So wurde der Einsatz von SGLT-2-Inhibitoren bei Typ-1-Diabetikern kürzlich mit einem erhöhten Risiko auf eine Ketoazidose in Verbindung gebracht. Ob die Mittel, die zur Behandlung des Typ-2-Diabetes entwickelt wurden, bei Patienten mit Typ-1-Diabetes einen Nutzen haben, müsste zunächst in klinischen Studien untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #93958
KielerFörde
am Mittwoch, 15. August 2018, 21:54

Blutzucker richtig messen!

Es wäre wirklich schön, wenn - im Gegensatz zu anderen Medien - zumindest das Deutsche Ärzteblatt die Blutzuckermessung durch Stich in den Finger im Bild einmal korrekt darstellen würde: Es sollte SEITLICH in das Fingerendglied gestochen werden und NICHT MITTEN in die Fingerbeere (wie praktisch auf allen Fotos zu sehen), weil dort neben Temperaturrezeptoren besonders viele Tastkörperchen vorhanden sind und wiederholte Stiche in die Fingerbeere somit nicht nur unnötig schmerzhaft sind, sondern mit der Zeit auch durch stärkere Verhornung zu einer Einschränkung des Tastsinns führen.
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