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Medizin

Stress verändert auch die RNA-Aktivierung

Mittwoch, 15. August 2018

/Hyungkeun, stockadobecom

München – Es ist bekannt, dass Stress epigenetische Mechanismen beeinflussen kann, also die Aktivierung und Ablesung von Genen auf Ebene der DNA. Damit die Erbinformation im Körper umgesetzt werden kann, bedarf es aber bekanntlich weiterer Schritte. Unter anderem wird die DNA in RNA abgelesen, die wiederum der Bauplan für Proteine ist.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie (MPI) konnten jetzt zeigen, dass Stress auch auf Ebene der RNA zu ähnlichen Veränderungen führen kann. Sie haben ihre Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift Neuron veröffentlicht (2018; doi: 10.1016/j.neuron.2018.07.009).

Die Forscher um Studienleiter und Institutsdirektor Alon Chen wollten die Rolle der RNA bei der Regulierung der Stressantwort und bei stressbedingten psychiatrischen Erkrankungen näher beleuchten. Dafür haben sie sich auf die Veränderungen eines Bausteins der RNA konzentriert, nämlich die Methylierung des Bausteins Adenosin. Am häufigsten betroffen ist laut den Autoren N6-Methyladenosin (m6A).

Im Mausmodell schalteten die MPI-Wissenschaftler gezielt die Enzyme aus, die an der m6A-Methylierung erwachsener Nervenzellen beteiligt sind. So konnten sie die Rolle dieser Enzyme im Gehirn untersuchen. Je nachdem, welches Enzym sie ausschalteten, reduzierte sich m6A oder stieg an. Die Forscher fanden heraus, dass die Ausschaltung der Enzyme die Art verändert, wie Mäuse mit Stress umgehen: Die Enzyme werden offenbar zur Bildung des Angstgedächtnisses benötigt und wirken bei der synaptischen Plastizität mit.

In einem weiteren Teil der Studie verglichen die Wissenschaftler Blutproben von Patienten, die an Depression litten, mit denen von gesunden Probanden. „Besonders interessant war für uns, dass die m6A-Signatur im Blut von Patienten mit Depression nach einer Aktivierung des Stresssystems eine Veränderung ihrer Dynamik zeigte“, erläuterte Institutsdirektorin Elisabeth Binder, die für diesen Teil der Studie verantwortlich zeichnete.

„Es mehren sich die Hinweise, dass die Feinabstimmung, die wir bei der mRNA-Methylierung beobachten, der Entstehung psychiatrischer Störungen zugrunde liegt. Wir nehmen an, dass die Erforschung der Rolle, die die mRNA-Methylierung bei der Regulierung der Gehirnfunktion spielt, uns dabei helfen wird, psychiatrische Störungen besser zu verstehen“, sagte Chen. © hil/aerzteblatt.de

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