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Politik

Rheinland-Pfalz will auf Landarztquote setzen

Dienstag, 14. August 2018

/dpa

Mainz – Die rheinland-pfälzische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Sabine Bätzing-Lichtenthäler will dem drohenden Ärztemangel auf dem Land mit einer Landarztquote für Studierende begegnen. „Wir arbeiten an einem Konzept für Rheinland-Pfalz“, sagte die SPD-Politikerin in Mainz. Eine Landarztquote sei „kein Allheilmittel“, aber eine Möglichkeit mehr.

Nach Ansicht der Ge­sund­heits­mi­nis­terin gibt es noch genug Ärzte in Rheinland-Pfalz, sie warnt aber vor drohenden Lücken. „Wir sind schon noch gut mit Ärzten auf dem Land versorgt“, sagte Bätzing-Lichtenthäler. „Was mir aber Sorgen macht, ist der Altersdurchschnitt und die geringe Zahl derer, die sich für eine Praxis auf dem Land entscheiden.“

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Medianalter gestiegen

Das Medianalter – die Hälfte ist älter, die Hälfte jünger – der Hausärzte lag 2015 in Rheinland-Pfalz nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz bei 56 Jahren, zehn Jahre zuvor noch bei 51. Nach Angaben der KV Rheinland-Pfalz fehlen zwischen Eifel und Pfalz bis zum Jahr 2022 rund 1.600 Hausärzte. 2015 gab es rund 2.700 Hausärzte im Land.

„Das Hauptproblem ist, die Ärzte aufs Land zu bekommen“, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Die SPD-Politikerin kann sich vorstellen, die ausgewählten Landärzte dort einzusetzen, wo es besonders notwendig ist. „Vielleicht kann man das an den Versorgungsgrad in den Regionen binden“, sagte sie. Wenn jemand das Studium früher abbricht, solle es Sanktionen in Form von Rückzahlungen geben.

Die Bundesregierung räumt den Bundesländern ein, bis zu zehn Prozent der Medizin­studienplätze vorab für Studierende zu reservieren, die sich für zehn Jahre als Hausarzt auf dem Land verpflichten. Nordrhein-Westfalen (NRW) will zum Beispiel für das Medizinstudium eine Landarztquote einführen, mit der der hohe Numerus Clausus (NC) umgangen werden kann. 7,6 Prozent der Studienplätze sollen für die reserviert werden, die sich vertraglich verpflichten, zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten. In Niedersachsen gibt es hingegen Streit um eine Landarztquote.

Die KV Rheinland-Pfalz betrachtete eine Quote skeptisch. „Wir befürchten bei Landarztquoten erhebliche Mitnahmeeffekte“, erklärte KV-Sprecher Rainer Saurwein. Es wäre fatal, wenn die Studenten Fachgebiete einschlagen und sich dann später in höheren Semestern herausstellen würde, dass ihnen diese Fachrichtungen gar nicht liegen.

Dringend aktuelle Lösungen finden

Kein junger Mensch werde zudem auf eine Partnerschaft in einer Stadt verzichten, nur weil er sich elf Jahre vorher – so lange dauern etwa Studium und Weiterbildung zum Facharzt – als Landarzt verpflichtet habe. Förderungen würden dann lieber zurückgezahlt. Die Effekte sind laut KV zudem erst elf Jahre später zu spüren. „Wir brauchen aber dringend auch Lösungen für die Bewältigung des Ärztemangels der nächsten zehn Jahre.“

Die Barmer hält eine Landarztquote hingegen für den richtigen Schritt – das reicht aber aus ihrer Sicht nicht. „Ärzte sollten in strukturschwachen Regionen die Möglichkeit erhalten, ihre Praxiszulassung in ein Angestelltenverhältnis nicht nur in einem medizinischen Versorgungszentrum, sondern auch in einer Eigeneinrichtung der Kassenärztlichen Vereinigung oder in einem regionalen Versorgungsverbund umzuwandeln“, sagte Landesgeschäftsführerin Dunja Kleis. Das gebe es bereits in Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

TK schlägt Vergütungszuschläge vor

Die Techniker Krankenkasse (TK) fordert attraktivere Rahmenbedingungen auf dem Land und bringt regionale Zuschläge für Gebiete mit Ärztemangel ins Spiel. „Um Planungssicherheit für die betreffenden Arztgruppen zu schaffen, wäre es sinnvoll, diese Vergütungszuschläge über einen zugesicherten Zeitraum – die TK schlägt hier zehn Jahre vor – zu gewähren“, sagte der Leiter der TK-Landesvertretung, Jörn Simon. Ein aktueller Gesetzentwurf auf Bundesebene sehe vor, Ärzte in unterversorgten Gebieten über solche regionale Zuschläge zu unterstützen. © dpa/aerzteblatt.de

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