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Medizin

Klimawandel: „Fleckfieber“-Zecken in Deutschland entdeckt

Dienstag, 14. August 2018

Hyalomma marginatum /Adam Cuerden, Wikimedia

München – Lange heiße Sommer begünstigen die Einschleppung von subtropischen Zeckenarten. Im Raum Hannover, in Osnabrück und im hessischen Wetteraukreis wurden kürzlich 7 Exemplare der Gattung Hyalomma gesichtet. Eine war mit Rickettsia aeschlimannii infiziert, einem möglichen Erreger des Fleckfiebers.

Die Zecken, die größer sind als der einheimische Gemeine Holzbock, sind leicht an den gestreiften Beinen zu erkennen. Sie sind deshalb den Besitzern mehrerer Pferde und eines Schafes aufgefallen, die die Behörden alarmierten. 5 der 7 Zecken gelangten schließlich zum Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, wo Lidia Chitimia-Dobler sie als Hyalomma marginatum beziehungsweise Hyalomma rufipes identifizierte. Die Expertin hatte bereist 2015 und 2017 2 Hyalomma-Zecken in Deutschland identifizieren können und darüber in Ticks and Tick-borne Diseases (2016; 7: 1135-1138) berichtet.

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Die Zecken, die in Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Europas beheimatet sind, erreichen vermutlich mit den Zugvögeln Deutschland. Da sie zum Überleben hohe Temperaturen und eine geringe Luftfeuchtigkeit benötigen, sterben sie normalerweise, bevor sie entdeckt werden. In diesem Sommer könnten sie überlebt haben, weil es gerade in Norddeutschland eine längere Phase mit hohen Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit gab.

Mit den Zecken können auch exotische Erreger nach Deutschland gelangen. Bei einer Zecke konnten die Forscher Rickettsia aeschlimannii nachweisen. Das Bakterium wurde erstmals 1997 in Marokko entdeckt. Es kann wie andere Rickettsien ein Fleckfieber auslösen. Die Erkrankung tritt in Deutschland alle paar Jahre in Einzelfällen auf, allerdings bisher ausschließlich bei Menschen, die vorher die Endemieländer besucht hatten.

Die Parasitologin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim bei Stuttgart hält es jedoch nicht für ausgeschlossen, dass die subtropischen Zecken bei weiteren trockenen und heißen Sommern in Deutschland heimisch werden könnten. Dies sei möglicher­weise bereits der braunen Hundezecke, Rhipicephalus sanguineus, gelungen. Diese ursprünglich aus Afrika stammende Zecke hat sich mittlerweile in ganz Südeuropa ausbreitet. Kürzlich sind laut Mackenstedt auch in Deutschland Exemplare an Hunden gefunden worden, die ihren Hof nie verlassen hatten, was für eine autochthone Verbreitung spricht.

Die beiden jetzt in Deutschland gefundenen Zecken können im Prinzip noch weitere Erkrankungen übertragen. Dazu gehört das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber, das durch das gleichnamige Virus hervorgerufen wird. Die Erkrankung ist in Afrika und im Nahen Osten verbreitet, aber auch in Südosteuropa endemisch. In Deutschland kommt es wie beim Fleckfieber nur zu sporadischen Fällen, die bisher immer auf Infektionen im Ausland zurückgeführt werden konnten. © rme/aerzteblatt.de

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