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Politik

Ärzte verordnen jungen Frauen mehr risikoarme Verhütungspillen

Dienstag, 14. August 2018

/Sven Bhren, stock.adobe.com

Berlin – Die Verordnung von risikoreicheren Verhütungspillen für Mädchen und junge Frauen, die höchstens 20 Jahre alt sind, ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich zurückgegangen. Das ist ein Ergebnis einer Analyse von Verordnungsdaten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV), die der AOK Bundesverband in Berlin vorstellte.

Während der Verordnungsanteil der kombinierten oralen Kontrazeptiva mit einem höheren Risiko für Thrombosen und Embolien für diese Zielgruppe 2015 danach noch bei 66 Prozent lag, seien es im vergangenen Jahr 55 Prozent gewesen. Seit dem Jahr 2014 gibt es die Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), dass Ärzte insbesondere jungen Frauen, die das erste Mal die Pille einnehmen, Präparate mit einem geringeren Risiko für die Bildung von Thrombosen und Embolien verschreiben sollen.

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Regionale Unterschiede

Die Detailanalyse zeige, dass der Verordnungsanteil der risikoärmeren Pillen mit den Gestagenen Levonorgestrel, Norethisteron und Norgestimat von 31 Prozent im Jahr 2007 auf 45 Prozent im Jahr 2017 gestiegen sei. Die Anteile der Pillen mit den risikoreicheren Gestagenen Drospirenon, Desogestrel und Gestoden für die bis zu 20-Jährigen seien dagegen stark zurückgegangen – von 33 Prozent im Jahr 2007 auf 7 Prozent im vergangenen Jahr.

Die Auswertung dieser Daten zeigt auch regionale Unterschiede bei der Verordnung der risikoreicheren Präparate. Bremen steht mit einem Verordnungsanteil von 49 Prozent im Jahr 2017 am besten da. Schlusslichter in dieser Auswertung sind Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und das Saarland. Dort lag der Anteil der risikoreicheren Pillen im vergangenen Jahr jeweils bei etwa 59 Prozent. Den größten Rückgang bei der Verordnung dieser Präparate gab es in den vergangenen fünf Jahren in Bayern – von knapp 70 Prozent im Jahr 2012 auf 55 Prozent im Jahr 2017.

Der AOK Bundesverband betonte, in den Praxen komme die Erkenntnis an, dass gerade bei jungen Erstanwenderinnen Arzneimittel verordnet werden sollten, zu deren Sicherheit Langzeitstudien vorhanden seien. Zugleich seien im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte aller Pillenverordnungen für junge Frauen auf Präparate mit einem erhöhten oder unklaren Risiko für die Bildung von venösen Thromboembolien entfallen.

So sei der Verordnungsanteil von Pillen mit dem Gestagen Dienogest von 19 Prozent im Jahr 2007 auf 35 Prozent im Jahr 2017 gestiegen – und das, obwohl das Risiko für das Auftreten venöser Thomboembolien noch nicht abschließend beurteilt werden könne, so der AOK Bundesverband. „Um die Mädchen und jungen Frauen keinen unnötigen Risiken auszusetzen, sollten die verordnenden Ärzte Nutzen und Risiko abwägen und je nach Gesundheitszustand der Patientin einen Wechsel auf die erprobten Präpararate in Betracht ziehen“, erklärte Eike Eymers, Ärztin im Stab Medizin des AOK-Bundesverbandes.

Empfängnisverhütende Medikamente werden in der Regel nur bis zum vollendeten 20. Lebensjahr von den Krankenkassen erstattet. Daher liegen auch nur für diese Altersgruppe Verordnungsdaten vor. © kna/may/aerzteblatt.de

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