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Politik

Deutsche Pflegeschule in Vietnam könnte Pflegemangel beheben

Dienstag, 14. August 2018

/dpa

Jena – Klaus Watzka aus dem Fachbereich Betriebswirtschaft der Ernst-Abbe-Hochschule Jena glaubt nicht daran, dass die aktuellen Gesetzesinitiativen der Großen Koalition den Personalmangel in der Pflege auflösen können. Der Experte für Personalwirtschaft skizziert einen alternativen Lösungsweg: Selbst ausbilden und zwar im Ausland.

Das Bundeskabinett hat am 1. August das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz beschlossen. Unter anderem ist darin die Einstellung von 13.000 zusätzlichen Pflegefachkräften vorgesehen. „Angesichts der derzeitigen Mangelsituation in diesem Berufsfeld bestehen starke Zweifel, ob diese Stellen adäquat besetzt werden können“, so Watzka.

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Er macht deutlich, dass Pflegeberufe sowohl in der Gesundheits- und Kranken­pflege als auch in der Altenpflege nach der neuesten Fachkräfteengpass­analyse der Bundes­agentur für Arbeit aus dem Juni 2018 zu den absoluten Mangelberufen zählen. Es sei „extrem unwahrscheinlich, dass die personellen Kapazitätsaufstockungsziele des Gesetzes in absehbarer Zeit umsetzbar sind“, schreibt Watzka.

Pflegeschule in Vietnam

Zukunftsprojektionen für das Jahr 2030 zeigten zudem, dass sich die Pflegekraftlücke in Zukunft sogar noch deutlich vergrößern werde. „Auch der Zugriff auf bislang unerschlossene Arbeitskräftepotenziale wird zur Schließung nicht ausreichend sein“, so der Personalexperte. Die soziale Dramatik dieses Problems sei gewaltig und verbiete eine abwartende Haltung. Watzka schlägt daher vor, eine große Pflegefachschule mit rund 10.000 Plätzen in einem Drittland aufzubauen.

„Wenn zu wenige Pflegekräfte vorhanden sind, dann muss man sie selbst ausbilden. Und wenn der deutsche Arbeitsmarkt das Potenzial für die erforderliche Personenzahl nicht hergibt, dann muss man die Ausbildung eben im Ausland vornehmen“, bringt der Personalexperte sein Konzept auf den Punkt. Als möglichen Ort nennt er Vietnam.

Wichtig sei, dass es der Übersichtlichkeit halber eine Pflegefachschule in einem Drittstaat sei. Das Prozedere sollte ein bilateraler Vertrag auf Regierungsebene regeln. „Dieser sichert ab, dass die Bundesrepublik Deutschland Lehr- und Prüfungs­bedin­gungen vollständig autonom bestimmen kann und auch auf dem Arbeitsmarkt anwerbend umfassend aktiv werden kann“, so Watzka.

Vor Ort würden die Pflegeschüler angeworben, nach deutschen Standards ausgebildet und geprüft. Die Absolventen stünden damit dem deutschen Arbeitsmarkt sofort zur Verfügung. Intensive Sprachtrainings sollten vorgeschaltet werden und zusätzlich parallel zum fachlichen Curriculum stattfinden.

Wichtig sei, mit dem Drittland ein Abkommen auf Augenhöhe zu schließen, der dem Partnerland nicht nur finanzielle Vorteile bringe, sondern bei dem es auch selbst nachhaltig von einem Know-how-Zufluss oder einer Verbesserung der Infrastruktur profitiere. Keinesfalls dürften dem Partnerland in zu großem Ausmaß qualifizierte Menschen entzogen werden, die es zur weiteren Entwicklung selbst benötige, so Watzka. © hil/aerzteblatt.de

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