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Medizin

Warum Kohl vor Darmkrebs schützen könnte

Mittwoch, 15. August 2018

/M.studio, stockadobecom

London – Die Substanz Indol-3-Carbinol (I3C), die beim Verzehr von Grünkohl, Kohl und Brokkoli im Magen entsteht, könnte den Darm vor Entzündungen und Krebs­erkrankungen schützen. Dies lassen Experimente an Mäusen vermuten, die jetzt in Immunity (2018; doi: 10.1016/j.immuni.2018.07.010) publiziert wurden. Die Forscher führen die protektive Wirkung auf die Aktivierung eines Proteins zurück, das als Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor (AhR) bezeichnet wird.

Die Funktion von AhR, der in den Epithelien von Haut, Lunge und Darm gebildet wird, ist seit langem Gegenstand der Forschung. Der AhR, der früher Dioxinrezeptor genannt wurde, bindet Fremdkörper, zu denen nicht nur Gifte, sondern auch Bestandteile der Nahrung gehören. Amina Metidji vom Francis Crick Institute in London betrachtet AhR als einen Umweltsensor, der in der Darmschleimhaut Signale zwischen den Immun­zellen und den Epithelzellen weiterleitet. Seine Aufgabe könnte darin bestehen, den Darm vor dem Angriff der Darmbakterien zu schützen.

Die Grundlagenforscher experimentierten mit Mäusen, die kein AhR bilden. Die Tiere entwickelten Darmentzündungen, die rasch zum Darmkrebs fortschritten (so wie Menschen mit Colitis ulcerosa ein erhöhtes Darmkrebsrisiko haben). Kurioserweise konnte die Entwicklung von Entzündungen und Krebs verhindert werden, wenn die Forscher den Tieren I3C ins Futter mischten. Tiere, die bereits an Darmkrebsvorstufen erkrankt waren, entwickelten nach der Fütterung mit I3C signifikant weniger Tumore, die zudem gutartiger waren.

Die Forscher konnten einige Mäuse durch Fütterung mit I3C sogar vor chemisch induzierten Krebserkrankungen schützen.

Weitere Experimente an Mäusen und Organoiden - im Labor aus Stammzellen gezüchteten „Mini“-Därmen – zeigten, dass AhR für die Reparatur beschädigter Epithelzellen von großer Bedeutung ist. Ohne AhR können intestinale Stammzellen nicht zu spezialisierten Epithelzellen differenzieren, die Nährstoffe aufnehmen oder schützenden Schleim produzieren. Stattdessen teilen sie sich unkontrolliert, was letztendlich zu Darmkrebs führen kann.

I3C entsteht im Magen unter der Einwirkung von Säure aus Glucobrassicin. Es handelt sich um ein Glykosid, das in verschiedenen Kohlarten enthalten ist und dort eine Insekten abwehrende Wirkung haben soll. Ob I3C auch Menschen vor Darmkrebs schützen könnte, ist nicht bekannt.

Die britischen Forscher wollen ihre Experimente jetzt an menschlichen Zellen wiederholen. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, könnten klinische Studien folgen. Die Ergebnisse dürfen auch das Interesse der Epidemiologen wecken. Der Verzehr von Kohl war bisher nicht eindeutig mit einem verminderten Darmkrebsrisiko assoziiert. Dies könnte daran liegen, dass die Studien die präventive Wirkung auf den Fasergehalt zurückgeführt haben. Ein Focus auf den I3C-Gehalt könnte möglicherweise zu eindeutigeren Assoziationen führen. © rme/aerzteblatt.de

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