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Medizin

Suizidrisiko nach Schädel-Hirn-Trauma erhöht

Mittwoch, 15. August 2018

/stockdevil, stock.adobe.com

Kopenhagen – Dänen, die wegen eines Schädel-Hirn-Traumas im Krankenhaus behan­delt wurden, begingen im späteren Leben doppelt so häufig Suizid wie Dänen ohne Hirnverletzungen. Dies kam in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 320: 580–588) heraus.

Eine Gehirnerschütterung oder ein schwereres Schädel-Hirn-Trauma kann zu körperlichen, kognitiven und emotionalen Symptomen führen, die langfristig das Suizidrisiko erhöhen könnten. In der Vergangenheit sind zu dieser Frage bereits eine Reihe von Kohortenstudien durchgeführt worden.

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Eine systematische Übersicht zu 16 Untersuchungen fand gewisse Hinweise über eine vermehrte Gefährdung (Brain Impairment 2013; 14: 92–112). In einer kleinen randomisierten Studie wurde zudem versucht, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit bei Patienten nach Schädel-Hirn-Trauma zu mildern und damit einem Suizid vorzubeugen (Journal of Head Trauma Rehabilitation 2011; 26: 290–300). Zuletzt war eine bevölkerungsbasierte Studie aus Schweden zu dem Ergebnis gekommen, dass Patienten nach einem Schädel-Hirn-Trauma ein 3-fach erhöhtes Suizidrisiko haben (JAMA Psychiatry 2014; 71: 326–333).

Ein Team um Trine Madsen vom Dänischen Forschungsinstitut für Suizidprävention in Kopenhagen hat den Zusammenhang jetzt erneut in einer epidemiologischen Studie untersucht. Ihre Kohorte umfasst 7,4 Millionen Personen im Alter von 10 Jahren und älter, die zwischen 1980 und 2014 in Dänemark als Einwohner registriert waren. Ein Abgleich mit dem Sterberegister ergab, dass von 34.529 Dänen, die sich das Leben nahmen 3.536 (10,2 %) zuvor wegen eines Schädel-Hirn-Traumas im Krankenhaus behandelt worden waren. Madsen ermittelt eine absolute Inzidenz von 41 Suiziden auf 100.000 Personenjahre, während sie bei Dänen, die nicht wegen eines Schädel-Hirn-Traumas behandelt wurden, nur 20 pro 100.000 Personenjahre betrug.

Madsen ermittelte eine bereinigte relative Inzidenzrate (IRR) von 1,90, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,83 bis 1,97 signifikant war. Für einen kausalen Zusammenhang spricht, dass das Risiko mit der Zahl der Behandlungen wegen eines Schädel-Hirn-Traumas zunahm. Bei einer einzigen Klinikbehandlung betrug die IRR 1,75 (1,68–1,83), bei 2 Klinikbehandlungen 2,31 (2,13–2,51) und bei 3 oder mehr Klinikbehandlungen 2,59 (2,35–2,85).

Wie immer in Studien dieser Art lässt sich die Vermutung letztlich nicht beweisen. Es gibt viele andere Faktoren, die das Suizidrisiko beeinflussen. Dazu gehören Herkunfts­land, Kultur, sozioökonomischer Status, Obdachlosigkeit oder fehlende Ernährungs­sicherheit. Die fehlende Stabilität durch Familie oder Betreuer spielen ebenso eine Rolle wie medizinische und psychiatrische Komorbiditäten, die in dieser Studie nicht berücksichtigt werden konnten. © rme/aerzteblatt.de

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