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Politik

Flüchtlingsräte kritisieren Abschiebungen Schwerkranker nach Afghanistan

Mittwoch, 15. August 2018

/dpa

München – Nach der jüngsten Sammelabschiebung nach Afghanistan haben die Flüchtlingsräte von Brandenburg und Bayern kritisiert, dass auch mehrere Schwerkranke zurückgeschickt wurden. Ein junger Mann leide unter psychischen Erkrankungen, zudem habe er sich am vergangenen Samstag einer Bauchoperation unterziehen müssen, die eine Nachbehandlung erfordere, erklärte der Bayerische Flüchtlingsrat heute in München.

Der Brandenburgische Flüchtlingsrat wies in Potsdam darauf hin, dass einer der aus dem Land abgeschobenen drei Afghanen als psychisch extrem labil eingestuft werde und bereits einen Suizidversuch hinter sich habe. Er gelte auch weiterhin als suizidgefährdet, ebenso wie ein weiterer der Abgeschobenen.

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Vorwürfe an Innenminister

Der Flüchtlingsrat Bayern warf Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in diesem Zusammenhang Heuchelei vor. Dieser hatte erklärt, dass es nach rechtskräftiger Ablehnung der Asylgesuche keine individuellen Gründe gegeben habe, die einer Abschiebung entgegengestanden hätten.

Zweifel äußerte der Brandenburger Flüchtlingsrat an der Darstellung des brandenburgischen Innenministeriums, Karl-Heinz Schröter (SPD), bei den aus dem Land abgeschobenen drei Afghanen handele es sich um zwei verurteilte Straftäter und einen Flüchtling mit mangelnder Integrationsbereitschaft. Tatsächlich gehe es um „überwiegend Kranke und Schutzbedürftige“, hieß es.

Die Anwältin Myrsini Laaser wies in einer Erklärung darauf hin, dass das Asylverfahren ihres Mandanten in Brandenburg noch nicht abgeschlossen sei, da eine endgültige gerichtliche Entscheidung noch nicht vorliege. Die Anwältin sprach von „eklatanten Fehlern“ der Behörden.

Gestern Nacht waren 46 Männer von München aus nach Afghanistan abgeschoben worden. Nach einem früheren Abschiebeflug im Juli hatte sich einer der Betroffenen kurz darauf in Kabul das Leben genommen. © afp/kna/aerzteblatt.de

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