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Medizin

Autismus: Studie sieht Verbindung mit verbotenem Insektizid DDT

Freitag, 17. August 2018

/dpa

New York – Obwohl der Einsatz von Dichlordiphenyltrichlorethan, bekannter als DDT, in den 1970er-Jahren stark eingeschränkt und später ganz verboten wurde, sind Schwangere auch heute noch mit dem vormals weltweit meistverwendeten Insektizid exponiert. Eine Fall-Kontroll-Studie im American Journal of Psychiatry (2018; doi: 10.1176/appi.ajp.2018.17101129) bringt dies jetzt mit späteren Autismuserkrankungen bei den Kindern in Verbindung.

Aufgrund seiner chemischen Stabilität bleibt DDT über Jahrzehnte nach der letzten Anwendung im Erdreich nachweisbar. Über die Nahrungskette erreicht es auch den Menschen, wo es sich im Fettgewebe anreichert. Alan Brown von der Mailman School of Public Health in New York und Mitarbeiter konnten DDT in Blutproben nachweisen, die im Zeitraum von 1987 bis 2005 im Rahmen der Finnish Prenatal Studies (FIPS) Schwangeren entnommen worden waren. Ein Abgleich mit anderen Registern ergab, dass bei 778 Kindern später ein Autismus diagnostiziert wurde.

Brown verglich die Blutproben der Schwangeren mit einer gleichen Anzahl von Schwangeren, deren Kinder nicht an Autismus erkrankten. Ergebnis: Die Mütter der Autismuspatienten hatten während der Schwangerschaft deutlich höhere Konzentrationen von DDT und dessen wichtigsten Metaboliten Dichlorodiphenyl­trichloroethan p,p′-Dichlorodiphenyl-Ddichloroethylene (p,p′-DDE) im Blut.

Für die Kinder von Müttern, deren p,p′-DDE-Konzentration oberhalb der 75. Perzentile gelegen hatte, ermittelt Brown eine Odds Ratio von 1,32 (95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 1,71), wobei der Einfluss des mütterlichen Alters, die Zahl der Kinder und psychiatrische Erkrankungen bei der Mutter als Einflussgrößen bereits ausgeschlossen wurden.

Für schwere Autismuserkrankungen, die mit einer intellektuellen Behinderung einhergehen, betrug die Odds Ratio sogar 2,21 (1,32–3,69). Das Risiko war damit mehr als 2-fach erhöht. Für polychlorierte Biphenyle (PCB), die wegen ihrer gesundheitlichen Risiken, darunter auch eine mögliche Schädigung von ungeborenen Kindern, inzwischen ebenfalls verboten sind, konnte Brown dagegen keine Assoziation nachweisen.

Eine Fall-Kontroll-Studie kann nicht beweisen, dass DDT-Rückstände in der Umwelt tatsächlich in der Lage sind, einen Autismus auszulösen. Experten halten dies jedoch nicht für ausgeschlossen, zumal eine frühere Untersuchung die pränatale Exposition mit DDT (aber auch mit PCBs) mit einem verminderten IQ im Grundschulalter in Verbindung gebracht hat (Environment International 2015; 85: 206–212). Die Studie war im Salinas-Tal durchgeführt worden, einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Region in Kalifornien, wo Schwangere und Feten deutlich höheren Konzentrationen ausgesetzt sind.

DDT ist übrigens keineswegs weltweit verboten. In Afrika ist es weiterhin ein häufig eingesetztes Insektizid. Forscher der McGill Universität in Montreal untersuchen nach Recherchen von Nature derzeit in Südafrika, welche Auswirkung dies auf die Schulleistungen von 700 Kindern hat. Ergebnisse liegen noch nicht vor. © rme/aerzteblatt.de

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