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Medizin

Titandioxid aus Sonnenschutzmittel verschmutzt Strände

Mittwoch, 22. August 2018

/Aidman, stockadobecom

Marseille – Die in vielen Sonnenschutzmitteln mit hohem Lichtschutzfaktor enthaltenen Titandioxid-Nanopartikel gelangen an Stränden offenbar in größeren Mengen ins Meereswasser. Dies zeigen die auf einer Tagung der Geochemical Society in Boston vorgestellten Ergebnisse einer Untersuchung an drei Stränden in Frankreich. 

Titandioxid (TiO2) ist ein in der Industrie häufig verwendetes Pigment. Wegen seiner ansprechenden weißen Farbe wird es zunehmend auch Lebensmitteln, Zahnpasta und Medikamenten zugesetzt. TiO2 ist als Lebensmittelzusatzstoff E 171 zugelassen, obwohl seine gesundheitliche Unbedenklichkeit fraglich ist. So verstärkte TiO2 kürzlich in einem Mäuse­modell eine akute Darmentzündung. Die Autoren der Studie riefen Patienten mit chronischen Darm­er­krank­ungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa dazu auf, Nahrungsmittel mit E 171 zu meiden.

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In vielen Sonnenschutzmitteln ist TiO2 in winzigen Nanopartikeln enthalten. Nano-TiO2 lässt sichtbares Licht passieren, weshalb es nach dem Auftragen für das menschliche Auge transparent erscheint. UV-Licht wird dagegen komplett blockiert. Mit Nano-TiO2 lassen sich sehr hohe Lichtschutzfaktoren erzielen.

Ein Team um Jérôme Labille von der Aix-Marseille Université hat die TiO2-Konzentration an 3 Stränden in der Nähe von Marseille gemessen. Die Tageskonzentrationen lagen zwischen 15 bis 45 µg/l TiO2. Wie die Forscher auf der Goldschmidt Conference, der Jahrestagung der Geochemical Society in Boston vorrechnen, gelangen damit pro Saison beträchtliche Mengen TiO2 in das Meereswasser. Bei einem Strand mit 3.000 Besuchern würden pro Tag 68 kg Sonnencreme ins Wasser gelangen oder 2,2 Tonnen pro Saison.

Wenn die Hälfte aller Sonnenschutzcremes 5 % TiO2 enthalten, wären dies 1,7 kg am Tag oder 54 kg während einer 2-monatigen Saison. Das meiste TiO2 würde wohl mit den Wellen ins Meer geschwemmt. An seichten Wasserflächen in Ufernähe könnte nach Einschätzung von Labille jedoch eine Konzentration erreicht werden, die die dort lebenden Meerestiere gefährden würde. 

Noch ausgeprägter könnte das Problem in Badeseen sein. Ein Team um Thilo Hofmann vom Institut für Umweltgeologie der Universität Wien hat in einer früheren Studie deutlich erhöhte Konzentrationen von Titan in einem Altarm der Donau in Wien gefunden. Das stehende Gewässer, das keine Verbindung zur Donau hat, ist ein beliebter Badesee der österreichischen Hauptstadt (Environmental Science and Technology 2014; 48: 5415–22). © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #735550
rp__bt
am Mittwoch, 22. August 2018, 20:15

Relevanz?

Was bewirkt denn das Titandioxid bei Leuten, die keine Mäuse mit akuter Darmentzündung sind?
LNS

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