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Medizin

Migräne-App der TK könnte Kopfschmerztage um 25 Prozent reduzieren

Dienstag, 21. August 2018

70 Prozent der befragten Migräne-App-Nutzer bewerteten die progressive Muskelentspannung positiv. /fizkes stock.adobe.com

Berlin – Mithilfe einer App konnten Patienten mit Migräne oder chronischen Kopfschmerzen ihre Schmerztage deutlich reduzieren. Gleichzeitig nahmen sie auch weniger Medikamente ein. Das zeigt eine Onlinebefragung der Schmerzklinik Kiel und der Techniker Krankenkasse (TK) von fast 1.500 Menschen, die die App rund 13 Monate benutzt hatten. Die noch nicht publizierten Ergebnisse wurden heute in Berlin vorgestellt.

Die Nutzer der kostenlosen App berichteten im Schnitt über rund 3 Tage pro Monat weniger Kopfschmerzen als ohne Nutzung der App – durchschnittlich 10 statt 13,3 Kopfschmerztage pro Monat (p < 0,0001). „Die meisten verfügbaren Medikamente reduzieren Kopfschmerztage um 1 bis 2 Tage monatlich, maximal aber um 3 Tage“, erklärt Hartmut Göbel, Ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel. Auch der neue CGRP-Antikörper, der in Kürze zugelassen werden soll, könne die Kopfschmerzen nur um 1 bis 3 Tage reduzieren im Vergleich zu Placebo.

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Akutmedikation sinkt mithilfe der App

Mit der App erreichten die Studienteilnehmer das Ziel aber nicht, indem sie mehr Schmerzmedikamente zu sich nahmen. Im Gegenteil: Die Anzahl der Tage mit Akutmedikation sank von durchschnittlich 7,6 auf 6,8 Tage im Monat mit der App (p < 0,0001). Die Kopfschmerzen waren laut Angaben der Patienten zudem weniger intensiv (-3,44 Score-Einheiten).

50 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Kopfschmerzen, vier Millionen sogar täglich.

Den Effekt der App erklärt sich Göbel mit den verschiedenen Faktoren der Selbstmanagement-App. Die Migräne-App der TK unterstützt Patienten mit chronischen Kopfschmerzen dabei, ihren Krankheitsverlauf digital genau zu dokumentieren, mit wenigen Klicks zu analysieren und zu kontrollieren. Außerdem informiert sie die Nutzer und schlägt auf der Grundlage der eingegebenen individuellen Daten Verhaltensmaßnahmen vor. Überschreitet der Nutzer beispielsweise die maximal erlaubte Akutmedikation von höchstens 9 Tagen im Monat, erhält er einen Warnhinweis.

Rund 70 % der befragten Nutzer brachten die Migräne-App mit ihren Analysen mit in die Kopfschmerzsprechstunde, um diese gemeinsam zu besprechen. Aus Sicherheitsgründen speichert die App die Daten nur lokal auf dem Mobiltelefon des Nutzers, sie können aber exportiert werden. Basierend darauf können dann die Medikamente oder das Verhalten des Patienten angepasst werden.

Besonders hilfreich bewertet Sarah Liebig, eine Nutzerin der TK-Migräne-App, die progressive Muskelentspannung. „Die App erinnert mich daran, Entspannungsübungen unter Anleitung in Kurz- oder Langform regelmäßig durchzuführen“, sagt Liebig. Die Migräne-App sensibilisiert die Nutzer auch für andere Chronifizierungsrisiken, beispielsweise jeden Morgen zu frühstücken oder eine Mittagspause zu machen. „Gewisse Regelmäßigkeiten im Alltag einzuhalten, habe ich erst durch die App gelernt“, sagt Liebig.

Aura-Simulation: Migräne oder Schlaganfall?

Neben Informationen zum Kopfschmerzwissen vermittelt die App ein besseres Verständnis der Aura anhand einer Simulation. Gut jeder zweite Befragte sagt, dass er zum ersten Mal eine Aura-Simulation gesehen hat und nun erst wisse, wie diese aussieht und wie sich das Sichtfeld dadurch einschränkt.

 /youtube, Schmerzklinik Kiel

Seit dem Frühjahr enthält die Migräne-App diese Simulation einer Migräne-Aura. Das sei wichtig, da die Symptome häufig mit denen eines Schlaganfalls verwechselt würden, erläutert der Neurologe Göbel. Er empfiehlt, die Simulation daher auch in Schlaganfallstationen einzusetzten. Denn bei 20 % der eingelieferten Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall handle es sich um falsch-positive Befunde aufgrund einer falsch eingeordneten Aura. © gie/aerzteblatt.de

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