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Medizin

Medikamentenbe­schichtete Stents nicht besser als unbeschichtete Stents

Freitag, 24. August 2018

Blut fließt durch ein Gefäß, dass mit einem Stent versehen ist. /freshidea stock.adobe.com
Wenn sich ein Bypass verschließt, wird aufgrund des OP-Risikos meistens kein weiterer Bypass gelegt, sondern das Gefäß mit einem Katheter wiedereröffnet und mit einem Stent versehen. /freshidea, stock.adobe.com

München – Bei der Wiedereröffnung eines Venenbypasses schneiden medikamenten­beschichtete Stents langfristig nicht besser ab als unbeschichtete Metallstents. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und der Technischen Universität München (TUM) in einer Studie im Journal of the American College of Cardiology (2018; doi: 10.1016/j.jacc.2018.03.456).

In der Studie wurden 610 Patienten über 5 Jahre beobachtet, von denen 307 einen Bypass mit einem unbeschichteten Stent und 303 einen Venenbypass mit einem medikamentenfreisetzenden Stent hatten. Im ersten Jahr nach der Wiedereröffnung sind die medikamentenbeschichteten Stents (drug eluting stents, DES) den unbeschichteten Metallstents (bare metal stents, BMS) deutlich überlegen: In den Venenbypässen treten wesentlich weniger erneute Gefäßverschlüsse auf. Doch dieser Vorteil geht in den folgenden Jahren verloren.

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„Die Ergebnisse der Studie haben uns sehr überrascht“, sagt Robert Byrne, stell­vertretender Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München, Klinik an der TUM. Die Ergebnisse der Studie unterscheiden sich deutlich von Daten, die aus langfristigen Beobachtungen von Stents in natürlichen Herzkranzgefäßen vorliegen.

Dort treten mit den medikamenten­beschichteten Stents auch in den 5 Jahren nach der Wiedereröffnung weniger Gefäßverschlüsse auf. Die Aussagekraft bisheriger Studien zur Frage welche Stent-Art langfristig in Venenbypässen besser funktioniert, ist jedoch begrenzt, da sie nur relativ kleine Patientengruppen untersuchten und auch die Dauer der Studien zu kurz war.

Ein Grund für die abweichenden Ergebnisse in Bypässen und natürlichen Blutgefäßen könnte die unterschiedliche Wandstruktur in Venen und Arterien sein. Für Bypässe wird meistens ein Stück aus der Beinvene verwendet. Bei den verengten Herzkranzgefäßen handelt es sich um Arterien. Dadurch reagieren Bypässe und natürliche Gefäße anders auf einen Stent. Ebenso ist der Durchmesser der Arterien üblicherweise kleiner als der eines Venenbypasses, und medikamentenbeschichtete Stents haben vor allem in Gefäßen mit einem geringen Durchmesser klare Vorteile gezeigt. „Es hätte deshalb auch sein können, dass wir in Venenbypässen gar keinen Vorteil der beschichteten Stents sehen“, so Byrne.

Wir empfehlen den Patienten mit einem verschlossenem Venenbypass auch weiterhin medikamentenbeschichtete Stents. Robert Byrne, Deutsches Herzzentrum München

Empfehlung ändert sich nicht

Bezüglich der Patientensicherheit – gemessen anhand der Rate der Todesfälle oder Herzinfarkte – konnten die Wissenschaftler keine Unterschiede zwischen den beiden Stenttypen beobachten. „Wir empfehlen den Patienten mit einem verschlossenem Venenbypass auch weiterhin einen DES. Denn der Vorteil im ersten Jahr ist deutlich und überwiegt die vergleichsweise geringfügigen Nachteile in den Folgejahren“, sagt Byrne. Dennoch müssten Patienten über die langfristigen Ergebnisse informiert sein.

Mittlerweile gibt es eine neue Generation von medikamentenbeschichteten Stents. Aufgrund der Erfahrungen mit den Vorläufermodellen ist bei ihnen die Medikamenten­dosis angepasst. Außerdem sind ihre Streben dünner, sodass es zu weniger Gefäß­verletzungen kommt, und ihre Polymerbeschichtungen sind besser verträglich. Deshalb planen Byrne und seine Kollegen eine neue Studie, in der sie die langfristige Wirkung dieser neuen DES mit denen der unbeschichteten Stents in Venenbypässen vergleichen. © gie/EB/aerzteblatt.de

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