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Medizin

Hohes Einsparpotenzial durch Generika bei Kombinations­präparaten in den USA

Donnerstag, 23. August 2018

/mrmrsmarcha1, stockadobecom

Boston – Die staatliche Krankenversorgung für Senioren Medicare könnte bei 29 häufig verwendeten Kombinationspräparaten durch den Wechsel auf Generika jährlich fast eine Milliarde US-Dollar einsparen, rechnen Ökonomen im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 320: 650–656) vor.

Kombinationspräparate sind für die Hersteller von Originalmedikamenten besonders profitabel, da sie oft zu einem höheren Preis angeboten werden können als die Summe der Monopräparate. Die Originalkombinationen füllen zudem eine Nische, weil die Generikahersteller häufig die Mühe scheuen, verschiedene Wirkstoffe in einer Tablette zu kombinieren.

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Entsprechend hoch sind die Einsparpotenziale, wenn Ärzte sich für den konsequenten Einsatz von Generika entscheiden würden. Chana Sacks von Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter haben dies für 29 häufig eingesetzte Kombina­tionen durchgerechnet. Darunter waren 20 Präparate mit Wirkstoffen, die in derselben Dosierung als Generika angeboten werden. Medicare gab im Jahr 2016 insgesamt 303 Millionen US-Dollar für die 20 Originalpräparate aus. Bei der ausschließlichen Verordnung von Generika wären es nur 68 Millionen US-Dollar gewesen, ein Unterschied von 235 Millionen US-Dollar.

Ein Beispiel ist der Blutdrucksenker Exforge. Die Kombination aus Amlodipin und Valsartan kostete 2016 Medicare 8,21 US-Dollar pro Tablette im Vergleich zu 0,96 US-Dollar für die Einzelwirkstoffe als Generika. Durch den Ersatz von Exforge durch die beiden Generika hätte Medicare im Jahr 2016 insgesamt 6,8 Millionen US-Dollar einsparen können, berichtet Sacks.

Bei drei Kombinationspräparaten waren die einzelnen Wirkstoffe zwar als Generika verfügbar, jedoch nicht in der identischen Dosierung. Das war beispielsweise bei dem Schmerzmittel Duexis der Fall, das Ibuprofen (800 mg) mit Famotidin (26,6 mg) kombiniert. Famotidin ist ein H2-Blocker, der die Magenverträglichkeit verbessert. Als Generikum ist es nur in Dosierungen von 20 und 40 mg verfügbar. Beide Dosierungen wären medizinisch sicherlich vertretbar. Die Therapiekosten könnten dadurch von 20,26 Dollar pro Tablette auf 28 Cent für die beiden Wirkstoffe gesenkt werden. Bei allen drei Kombinationen ließen sich die jährlichen Ausgaben für Medicare von 232 auf 13 Millionen US-Dollar senken. Das Einsparpotenzial betrüge 219 Millionen US-Dollar.

Bei sechs Kombinationen waren nicht alle Wirkstoffe als Generikum verfügbar. Die Ärzte müssten auf einen anderen Wirkstoff der gleichen Wirkstoffklasse wechseln. Ein Beispiel ist der Blutdrucksenker Edarbycor, der den Angiotensin-Rezeptorblocker Azilsartan mit dem Diuretikum Chlorthalidon kombiniert. Azilsartan ist noch patentgeschützt, doch die Ärzte könnten auf ein Generikum mit Losartan wechseln. Dies würde die Kosten pro Dosis von 5,36 US-Dollar auf 94 Cent senken. Für alle sechs Kombinationen könnten die Ausgaben jährlich von 491 Millionen auf 20 Millionen US-Dollar gesenkt werden, ein Einsparpotenzial von 471 Millionen US-Dollar.

In der Summe ergibt dies Einsparungen von 925 Millionen US-Dollar
für alle 29 Kombinationen. Für die 10 teuersten Kombinationen hätte die chronisch unter Geldmangel leidende staatliche Gesundheitsversorgung für Senioren in den Jahren 2011 bis 2016 nach den Berechnungen von Sacks insgesamt 2,7 Milliarden US-Dollar sparen können. Der Nachteil für die Patienten, der in erster Linie in einer erhöhten Einnahme von Tabletten besteht, wäre ihrer Ansicht nach vertretbar. © rme/aerzteblatt.de

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