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Ausland

Hilfe für Rohingya in Bangladesch erfolgreich, aber es fehlt Perspektive

Freitag, 24. August 2018

/dpa

Cox's Bazar, Bangladesch – Konzertierte Anstrengungen der Regierung, der Welt­gesundheitsorganisation (WHO) und von Hilfsorganisationen haben in Bangladesch dazu beigetragen, Tausende von Menschenleben zu retten und tödliche Krankheits­ausbrüche unter den fast einer Million Rohingya-Flüchtlingen zu verhindern oder rasch einzudämmen. Darauf hat die WHO hingewiesen.

„Es ist bemerkenswert, dass die Sterblichkeitsrate unter den Rohingyas nicht nur niedriger geblieben ist als erwartet, sondern auch in den letzten sechs Monaten deutlich gesunken ist", sagte Poonam Khetrapal Singh, Regionaldirektor der WHO Südostasien.

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Laut WHO haben die Helfer im vergangenen Jahr 155 Gesundheitsposten geschaffen, die jeweils rund 7.700 Menschen versorgen. Darüber hinaus wurden unter anderem 60 Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung für jeweils 20.000 Personen eingerichtet. Vier Millionen Dosen Impfstoffe gegen Cholera, Polio, Masern, Röteln, Diphtherie und Tetanus wurden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch mehrfache Massenimpfungen verabreicht, um schwere Krankheitsausbrüche zu verhindern.

„Wir haben Dinge getan, auf die wir gemeinsam stolz sein können. Wir müssen jedoch weiterhin die gesundheitlichen Bedürfnisse dieser gefährdeten Bevölkerung unterstützen und die Ausbreitung von Krankheiten überwachen. Dies ist immer noch eine sehr fragile Situation“, sagte Peter Salama, stellvertretender Generaldirektor der WHO für Notfallvorsorge und Reaktion, der kürzlich die Rohingya-Lager in Cox's Bazar besuchte.

Hilfsorganisationen haben ein Jahr nach Beginn der massenhaften Vertreibung von Rohingya aus Myanmar aber die Perspektivlosigkeit der muslimischen Minderheit beklagt. In den Flüchtlingslagern im Nachbarland Bangladesch herrsche mittlerweile „nur noch Hoffnungslosigkeit“, erklärte der Geschäftsführer des Bündnisses Entwicklung Hilft, Peter Mucke, in Berlin. Die Rohingya seien „zwar mit dem Nötigsten versorgt, aber es fehlt eine Perspektive“. Um dies zu ändern, müssten „auf internationaler Ebene dringend politische Lösungen gefunden werden“, forderte das Bündnis aus mehreren Hilfsorganisationen.

Das Deutsche Rote Kreuz warnte vor einer dauerhaften Flüchtlingskrise. „Seit dem Ausbruch der Gewalt am 25. August 2017 sind 706.000 Menschen aus Myanmar ins benachbarte Bangladesch geflüchtet“, erklärte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt. Dort lebten die Menschen auf engstem Raum in notdürftigen Hütten aus Bambus und Planen und seien abhängig von humanitärer Hilfe. Da sie in Myanmar nicht in Sicherheit lebten, sich aber auch in Bangladesch kein neues Leben aufbauen dürften, drohe „eine humanitäre Katastrophe ohne Aussicht auf Besserung“.

Durch die Massenflucht der Rohingya entstand in der bangladeschischen Stadt Cox's Bazar den Angaben zufolge das größte Flüchtlingslager weltweit mit knapp einer Million Menschen. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnte, die Zukunft von mehr als einer halben Million geflüchteten Rohingya-Kinder stehe auf dem Spiel. „Wenn wir nicht jetzt in die Bildung investieren, stehen wir vor der sehr realen Gefahr, dass eine ,verlorene Generation' von Rohingya-Kindern heranwächst“, warnte der Leiter von Unicef Bangladesch, Edouard Beigbeder.

Sorgen bereitet den internationalen Hilfsorganisationen auch die aktuelle Monsunzeit. Der massenhafte Regen verunreinige das Trinkwasser und könne zur Ausbreitung von Krankheiten beitragen, warnte das Bündnis Entwicklung Hilft.

Im mehrheitlich buddhistischen Myanmar wird die Minderheit der Rohingya seit Jahrzehnten unterdrückt. Die Lage war vergangenes Jahr eskaliert, als Rohingya-Rebellen bei Angriffen rund ein Dutzend Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit umfassender Gegengewalt und zerstörte zahlreiche Rohingya-Dörfer und trieb Hunderttausende Menschen in die Flucht. Die UNO stufte das Vorgehen gegen die Rohingya als „ethnische Säuberung“ ein. Im März sprach die UN-Sonderbericht­erstatterin für Myanmar, Yanghee Lee, von einem „Völkermord“. © afp/hil/may/aerzteblatt.de

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