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Medizin

Weltweit jährlich 2,8 Millionen Todesfälle durch Alkoholkonsum

Freitag, 24. August 2018

/Syda Productions, stock.adobe.com

Seattle – Der Alkoholkonsum ist weltweit für 2,2 % aller Todesfälle bei Frauen und 6,8 % bei Männern verantwortlich. In der Altersgruppe der 15 bis 49-jährigen ist laut einer systematischen Analyse im Lancet (2018: doi: 10.1016/S0140-6736(18)31310-2) sogar jeder zehnte vorzeitige Todesfall auf den Alkoholkonsum zurückzuführen. Auch ein geringer Alkoholkonsum schadet nach Einschätzung der Autoren, da die günstigen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und die Vermeidung eines Typ 2-Diabetes durch ein erhöhtes Risiko auf Krebserkrankungen mehr als aufgehoben werden. 

Die Analyse, die 694 Datenquellen zum Alkoholkonsum in 195 Ländern mit den Ergebnissen aus 592 prospektiven und retrospektiven Studien zu den Risiken des Alkoholkonsums in Beziehung setzt, wurde vom Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle durchgeführt, das von der Bill & Melinda Gates Foundation gesponsert wird. Mehr als 500 Forscher aus über 40 Nationen waren an der Studie beiteiligt, die damit das mit Abstand größte epidemiologische Forschungsprojekt zum Einfluss des Alkoholkonsums auf die Gesundheit der Weltbevölkerung ist. 

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Das Team um Emmanuela Gakidou von der Universität des Staates Washington in Seattle hat recherchiert, dass 2,4 Milliarden (erwachsene) Menschen, das ist ein Drittel der Weltbevölkerung, Alkohol konsumiert. Darunter sind 1,5 Milliarden Männer und 900 Millionen Frauen. 

Am höchsten ist die durchschnittliche Prävalenz mit 72 Prozent in hochentwickelten Ländern, die sich eher in den polnäheren kälteren Regionen befinden. Deutschland liegt mit einer Prävalenz von 94,3 Prozent bei den Männern nach Dänemark, Norwegen und Argentinien an der vierten Stelle. Bei den Frauen beträgt die Prävalenz 90,0 Prozent. Das ist Position drei nach Dänemark und Norwegen.

Der tägliche Konsum ist bei den Männern in Rumänien mit 8,2 Drinks pro Tag am höchsten (Deutschland ist hier nicht unter den ersten zehn Ländern vertreten). Frauen trinken in der Ukraine mit 4,2 Drinks pro Tag am meisten (Deutschland mit 2,9 Drinks pro Tag an Position 9).

In ärmeren, zumeist wärmeren Ländern trinken dagegen nur 8,9 Prozent der Bevöl­kerung Alkohol und wenn, dann meist in geringen Mengen. In diesen Regionen sind Religionen wie der Islam oder der Hinduismus, die Alkohol strikt ablehnen, stärker verbreitet. 

Teilweise gibt es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern wie in Nepal, wo 21 Prozent der Männer, aber nur 1,5 Prozent der Frauen Alkohol trinken, während der Anteil in Schweden mit 87 Prozent bei Männern und 86 Prozent bei Frauen praktisch identisch ist.

Nach den Berechnungen von Gakidou verursachte der Alkoholkonsum im Jahr 2016 weltweit 2,8 Millionen Todesfälle. Das entspricht den genannten 2,2 Prozent der Todesfälle bei Frauen und 6,8 Prozent bei Männern. Der Alkoholkonsum war weltweit für 1,6 Prozent aller durch Krankheit oder Behinderung verlorenen Lebensjahre (DALY) verantwortlich. Bei Frauen waren es 6,0 Prozent. 

Bei jungen Erwachsenen (15 bis 49 Jahre) war der Alkoholkonsum der weltweit führende Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod mit 8,9 Prozent aller DALYs bei Männern und 2,3 Prozent bei Frauen. Bei Frauen waren in dieser Altersgruppe 3,8 Prozent und bei Männern 12,2 Prozent aller Todesfälle auf Alkohol zurückzuführen. 

Alkohol erhöht das Risiko einer Reihe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu gehören Vorhofflimmern und -flattern, Schlaganfall, hypertensive Herzkrankheit, ischämische Herzkrankheit und die alkoholische Kardiomyopathie.

Alkohol ist auch mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden. Dazu gehören Karzinome in Brustdrüse, Dick- und Enddarm, Leber, Speiseröhre, Kehlkopf, Lippen, Mundhöhle und Nase.

Alkohol ist eine wichtige Ursache für die Leberzirrhose, es hat jedoch einen einen Anteil an Typ 2-Diabetes, Epilepsie und Pankreatitis. Alkohol kann außerdem zur Sucht führen.

Alkohol begünstigt laut Gakidou Infektionen der unteren Atemwege und eine Tuber­kulose. In ärmeren Ländern sterben alkohol-bedingt sogar mehr Menschen an einer Tuberkulose als in Verkehrsunfällen.

Alkohol ist häufig die Ursache zwischenmenschlicher Gewalt und von Selbstverletzungen. Schließlich erhöht Alkohol aufgrund der Trunkenheit das Risiko von Unfällen im Straßenverkehr sowie von Verletzungen aller Arten.

Alkohol kann in Maßen konsumiert jedoch auch vor Krankheiten schützen, zu denen ischämische Herzerkrankungen und mit Einschränkungen auch der Typ 2-Diabetes zählt. Gakidou fand für beide Erkrankungen eine J-förmige Dosis-Wirkungskurve, die für eine protektive Wirkung eines mäßigen Alkoholkonsums spricht. Diese Schutzwirkung wird jedoch durch ein erhöhtes Risiko vor allem von Krebserkrankungen überlagert, so dass Gakidou abschließend zu dem Ergebnis kommt, dass die Grenze für eine schädliche Wirkung von Alkohol bei Null Drinks pro Tag liegt. © rme/aerzteblatt.de

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