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Politik

Spahn nimmt bei Pflegepersonal­untergrenzen Schließung von Krankenhaus­abteilungen in Kauf

Freitag, 24. August 2018

/dpa

Hamburg – Die geplanten Pflegepersonaluntergrenzen sollen ab 2020 für alle Abteilungen in Kliniken gelten, auch wenn deswegen Stationen geschlossen werden müssen. Das kündigte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) heute am Rande eines Termins in Hamburg an.

„Die Zahl der Pflegekräfte wird ins Verhältnis gesetzt zu der Zahl der behandelten Patienten pro Jahr“, sagte der Minister. Eine Klinik, die dauerhaft und strukturell zu wenig Pflegekräfte habe, müsse entweder mehr Pflegekräfte einstellen oder aber weniger Patienten behandeln. „Alles andere würde Patienten gefährden“, sagte er.

Ministerium legt Details zu Pflegepersonal­untergrenzen fest

Berlin – Ab dem 1. Januar 2019 wird es Pflegepersonaluntergrenzen – zunächst für vier pflegeintensive Krankenhausbereiche – geben. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat heute eine entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht, mit der es die Pflegepersonaluntergrenzen (PPUG) selbst festgelegt. Die Verordnung liegt dem Deutschen Ärzteblatt vor [...]

Der Minister erklärte, er hoffe, dass sich unterbesetzte Krankenhäuser dadurch bemühten, mehr Pflegekräfte zu werben und auszubilden. Sicherheit und Qualität müssten in den Kliniken Vorrang haben. „Wenn das bedeutet, dass manche Krankenhausabteilungen schließen müssen, dann ist das so“, erklärte er. Das sei im Interesse der Patienten und der Pflegekräfte.

Zunächst soll ab 2019 die Personaluntergrenze für pflegeintensive Stationen eingeführt werden. Betroffen wären dann Intensivstationen sowie Abteilungen für Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Samstag, 25. August 2018, 17:29

Im Interesse der Patienten? Wohl nur ein vorgeschobenes Argument.

Im Interesse der Patienten? Sicher?????
Selbstverständlich ist es zu begrüßen, dass es „genügend“ Pflegekräfte in Krankenhäusern gibt.
Aber wie soll der Druck auf die Krankenhäuser helfen, wenn diese nicht in der Lage sind, bei den derzeitigen Rahmenbedingungen (Gehalt, Arbeitsbelastung, Schichtdienste, ….) genügend Pflegekräfte zu bekommen, weil es die auf dem Markt nicht gibt? Helfen würde nur, den Pflegekräften mehr zu bezahlen – dann gäbe es auch mehr Pflegekräfte. Aber bei den geltenden wirtschaftlichen Nebenbedingungen?

Was wird ein Verantwortlicher in einem Krankenhaus der Regelversorgung unternehmen? Das Haus arbeitet defizitär, der Kreis als Träger muss Jahr für Jahr 5 Mio zuschießen. Was wird der Träger sagen, wenn der Verwaltungsdirektor noch mehr Schulden machen will, um zusätzliche Pflegekräfte einzustellen? Vermutlich wird er es ablehnen. Demzufolge wird dieses Haus Abteilungen schließen müssen, vor allem in Urlaubszeiten. Aus temporären Schließungen werden dauerhafte Schließungen – der allmähliche Abstieg dieses Hauses bis zur Schließung wird die Folge sein. Alle Krankenhäuser mit roten Zahlen werden um ihre Existenz kämpfen.

Wer wird nicht ums nackte Überleben kämpfen? Viele Krankenhäuser in privater Trägerschaft (Fresenius, Sana, ….), die machen heute noch Profit. Die werden genügend Geld in die Hand nehmen können, um die Schließung von Abteilungen (letzten Endes ganzer Krankenhäuser) zu verhindern. Am Ende werden die Häuser in privater Trägerschaft sicher überleben und es werden viele der defizitär wirtschaftenden Häuser geschlossen haben.

Seit Jahren wird immer von „zu vielen Krankenhäusern“ gesprochen. Die Vorgabe einer Mindestquote wird genau zu dem führen, was die Kassen wollen und Lokalpolitiker verhindern wollen: Schließung von Krankenhäusern.

Die Nebeneffekte:
Sowohl pflegerisches als auch ärztliches Personal werden auf „andere“ Krankenhäuser umverteilt. Die Krankenhauslandschaft wird wie gewünscht ausgedünnt werden. Krankenhäuser werden größer werden.
Gleichzeitig wird man an jedes am Ende noch verbliebene Krankenhaus eine Portalpraxis andocken können, weil „der Markt“ zuvor um die Krankenhäuser bereinigt hat, die keine Existenzberechtigung haben. Die Entscheidung, welche Krankenhäuser überleben sollen, wird dem Markt überlassen.
LNS

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