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Medizin

Morbus Alzheimer: Studie untersucht Screening beim Augenarzt

Montag, 27. August 2018

/dpa

St. Louis/Missouri – Die Untersuchung der Retina mit der optischen Kohärenztomografie könnte ein einfaches und nichtinvasives Screening auf den Morbus Alzheimer ermöglichen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Pilotstudie in JAMA Ophthalmology (2018; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2018.3556) hin.

Der Morbus Alzheimer, der lange Zeit erst nach dem Tod sicher diagnostiziert werden konnte, kann heute mittels Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder durch eine Liquoruntersuchung bereits im präklinischen Stadium erkannt werden. Die PET-Untersuchung, die Amyloide mit Tracern (Pittsburgh Compound B oder Florbetapir) markiert, ist jedoch für ein Screening zu aufwendig und zu teuer. Die Liquoruntersuchung, die Amyloid-Spaltprodukte nachweist, ist invasiv und häufig schmerzhaft und deshalb ebenfalls kein geeignetes Instrument für eine Früherkennung.

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Seit Längerem ist bekannt, dass der Morbus Alzheimer auch zu Veränderungen in der Retina führt, einem „Außenposten“ des Gehirns. Die Retina kann heute mit der optischen Kohärenztomografie (OCT) genau untersucht werden. Die OCT liefert Schichtaufnahmen der Netzhaut. Neuere Geräte stellen in der OCT-Angiografie auch die Blutgefäße dar. Die Untersuchung ist schnell, kostengünstig und nichtinvasiv. Sie würde sich deshalb für eine Reihenuntersuchung eignen, die im Prinzip beim Augenarzt durchgeführt werden könnte.

Die Augenärzte müssten dabei die Ausdehnung der fovealen avaskulären Zone (FAZ) messen, einen Bereich im Zentrum des Gelben Flecks (Macula lutea), der frei von Blutgefäßen ist. Die FAZ war in einer kleinen Fall-Kontroll-Studie, die ein Team um Rajendra Apte von der Washington University School of Medicine in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri jetzt vorstellt, bei Patienten im asymptomatischen Frühstadium des Morbus Alzheimer vergrößert. Der zweite Parameter, der die Patienten von den Kontrollen unterschied, war eine verminderte Dicke der Fovea.

Beides könnte Ausdruck einer Degeneration der Retina sein, die bereits vor 30 Jahren postmortal bei Patienten mit symptomatischem Morbus Alzheimer entdeckt wurde, für die es aber bisher keine geeignete Untersuchung bei lebenden Patienten gab. Die OCT könnte diese Lücke schließen.

Die US-Ophthalmologen haben die Untersuchung an 39 Teilnehmern eines Memory and Aging Project der Washington University School of Medicine durchgeführt, die seit Jahren regelmäßig untersucht werden. Alle Teilnehmer hatten normale kognitive Testergebnisse, doch bei 17 waren in der PET und/oder bei einer Liquoruntersuchung Amyloide nachgewiesen worden, die einen beginnenden Morbus Alzheimer anzeigen.

Bei diesen Patienten war die FAZ deutlich größer als bei den Patienten ohne Befunde in PET und/oder Liquor (Mittelwert 0,364 versus 0,275 mm2). Die innere Foveadicke war bei den Patienten mit vermutetem Präalzheimer verkleinert (Mittelwert 66,0 versus 75,4 µm).

Die Ergebnisse lagen in den beiden Gruppen so weit auseinander, dass eine klare Unterscheidung zwischen den gesunden Senioren und solchen mit beginnendem Morbus Alzheimer möglich war. Der AUC-Wert der ROC-Kurve betrug 0,80. Ein Wert von 1 wäre eine sichere Diagnose, ein Wert von 0,5 ein reiner Zufall. Ein Wert von 0,80 ist relativ gut. Das weite 95-%-Konfidenzintervall von 0,66 bis 0,94 zeigt jedoch, dass die Ergebnisse noch auf einer unsicheren Basis stehen.

Es bleibt deshalb abzuwarten, ob sich die Befunde in größeren Studien bestätigen lassen. Ein Schwachpunkt der Studie ist, dass die Forscher nicht wissen, ob die Patienten mit positivem PET- oder Liquorbefund später tatsächlich an einem Morbus Alzheimer erkranken werden. Von der Einführung in den klinischen Alltag ist die Früherkennung des Morbus Alzheimer beim Augenarzt deshalb noch weit entfernt. © rme/aerzteblatt.de

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