NewsMedizinNeoadjuvante Chemotherapie ohne Vorteil bei Kopf-Hals-Tumoren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Neoadjuvante Chemotherapie ohne Vorteil bei Kopf-Hals-Tumoren

Dienstag, 28. August 2018

/Kwangmoo, stockadobecom

Vandoeuvre Lès Nancy/Lausanne – Bei fortgeschrittenen Plattenepitheltumoren konnte eine Studie keinen Zusatznutzen einer zusätzlichen Chemotherapie vor der Standard-Strahlentherapie bewirken. Das ergab eine randomisierte Phase-3-Studie (GORTEC) mit 370 Patienten, die im Journal of Clinical Oncology publiziert wurde (2018; doi: 10.1200/JCO.2017.76.2591).

Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) rät daher von dieser neoadjuvanten Behandlung ab. Die Fachgesellschaft unterstreicht dabei, dass diese vorangestellte Chemotherapie sogar das Risiko birgt, dass die Standardbehandlung nicht mehr durchgeführt werden kann.

Anzeige

In die Studie wurden zwischen 2009 und 2013 370 Patienten eingeschlossen. 184 Patienten erhielten eine Radiochemotherapie (Chemotherapie mit Carboplatin und FU). Im anderen Arm erhielten die Patienten zunächst eine vorgeschaltete (neoadjuvante) Chemotherapie (Dreierkombination aus Taxotere, Cisplatin und Fluorouracil). 161 der 184 Patienten beendeten diese vorgeschaltete Therapie und erhielten danach die Kombination aus Strahlentherapie und Antikörpertherapie mit Cetuximab.

Im Ergebnis zeigte sich, dass es zwischen beiden Studienarmen keinen Unterschied im Gesamtüberleben, progressionsfreien Überleben oder in der örtlichen Tumorkontrolle gab. Die neoadjuvante Chemotherapie verbesserte also nicht das Therapieergebnis, ging aber mit erheblichen Nebenwirkungen einher, weshalb 23 der 184 Patienten diese Therapie nicht beendeten. Da die Patienten damit nicht die Einschlusskriterien für die weiterführende Studie erfüllten, erhielten sie keine anschließende Strahlentherapie.

Der Therapiestandard bleibt die kombinierte Radiochemotherapie oder die Kombination aus Strahlen- und Antikörpertherapie. Wilfried Budach, Universitätsklinikum Düsseldorf

„Diese 17 % der Patienten, die rausfielen, haben das Therapieergebnis in diesem Arm natürlich verschlechtert. Theoretisch könnte die vorgeschaltete Chemotherapie daher zwar einen Effekt haben, aber die Toxizität der Behandlung ist so hoch, dass wir damit riskieren, dass die Patienten danach nicht mehr der Standardtherapie zugeführt werden können“, sagte DEGRO-Pressesprecherin Stephanie Combs, Direktorin der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Klinikum rechts der Isar der TU München. Man nehme den Patienten damit eine „eine Chance auf Genesung“.

„Der Therapiestandard bleibt die kombinierte Radiochemotherapie oder die Kombination aus Strahlen- und Antikörpertherapie“, ergänzte Wilfried Budach, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Präsident der DEGRO.

Zahlen und Fakten

Pro Jahr erkranken etwa 13.000 Männer und 4.500 Frauen an bösartigen Tumoren im Kopf-Hals-Bereich. Zu den Risikofaktoren für die Entstehung bösartiger Kopf-Hals-Tumoren zählen Alkohol- und Tabakkonsum, aber auch eine HPV-Infektion.

Lokal fortgeschrittene Plattenepithel­tumoren sind nicht immer heilbar. Nur etwa gut die Hälfte aller Betroffenen lebt 5 Jahre nach der Diagnose noch. Ziel ist, diese Rate zu verbessern, weshalb neue Behandlungsprotokolle untersucht und mit der Standard­therapie verglichen werden.

Die derzeitige Standardtherapie bei lokal fortgeschrittenen Plattenepithel­tumoren, bei denen sich noch keine Metastasen gebildet haben, stellt entweder die Radiochemotherapie dar, die Kombination einer Strahlen- und Chemotherapie oder in manchen Fällen die Kombination aus Strahlentherapie und Antikörpertherapie. In beiden Regimes ergänzen sich die 2 jeweiligen Therapieformen und sind zusammen wirksamer als die alleinige Verordnung einer der beiden Therapien.

Die Prognose der Patienten ist aber dennoch verbesserungsfähig, da nach 5 Jahren nur noch gut die Hälfte der Patienten (61 % der Frauen, 51 % der Männer) lebt. Um die Überlebensrate weiter zu erhöhen, werden neue Therapieoptionen getestet. Ein federführendes Konsortium in Europa ist dabei die französische GORTEC-Studiengruppe, die eng mit der DEGRO zusammenarbeitet. © gie/idw/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. März 2019
Bonn – Im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie ist eine interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Kehlkopfkrebs erschienen. Die Deutsche Gesellschaft für
Neue interdisziplinäre S3-Leitlinie zu Kehlkopfkrebs erschienen
14. März 2019
Ulm – Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Ulm hat einen neuen Linearbeschleuniger in Betrieb genommen. Er soll es ermöglichen, auch kleinste Tumore mit noch
Neuer Linearbeschleuniger am Universitätsklinikum Ulm
22. Februar 2019
Berlin – Eine sogenannte innere Strahlentherapie (Brachytherapie) kann Vorteile gegenüber einer äußeren perkutanen Bestrahlung bieten: Die Therapiedauer ist kürzer und das Verfahren ist gewebe- und
Innere Strahlentherapie Option bei Brustkrebspatientinnen mit niedrigem Risiko für einen örtlichen Rückfall
12. Februar 2019
Dresden – Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden ist jetzt Referenzzentrum für die strahlentherapeutischen Versorgung von Kindern und
Dresdener Uniklinik berät bei strahlentherapeutischer Versorgung von Kindern mit Gliom
29. Januar 2019
San Francisco – Patienten mit einer Mutation in einem bei Kopf-Hals-Tumoren häufigen Krebsgen hatten laut einer Studie im Journal of Experimental Medicine (2019; doi: 10.1084/jem.20181936) eine
Kopf-Hals-Tumore: NSAID könnten Überlebenszeiten bei jedem dritten Patienten deutlich verlängern
17. Dezember 2018
Birmingham/Alabama – Bis zu einem Viertel aller Patienten, die bis Mitte der 1980er-Jahre zur Behandlung eines Morbus Hodgkin eine Hochrisiko-Bestrahlung erhielten, ist seither an einem Zweittumor
Morbus Hodgkin: Hohes Zweitkrebsrisiko nach Behandlung von Kindern in den 1970er-/80er-Jahren
7. Dezember 2018
Lübeck – Eine stereotaktische Bestrahlung kann gezielt die Entstehungsorte von ventrikulären Arrhythmien beseitigen. Die Behandlung, die ein hochauflösendes EKG-Mapping voraussetzt, wurde jetzt
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER