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Ärzteschaft

Der persönliche Arztkontakt wird geschätzt

Dienstag, 28. August 2018

/asawinklabma, stockadobecom

Berlin – Hohes Vertrauen und Zufriedenheit über die Arbeit von Vertragsärztinnen und -ärzten, aber Skepsis bei der Digitalisierung der Medizin: Die diesjährige Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigt sehr unterschiedliche Meinungen und Einstellungen zur Versorgungssituation in Deutschland.

Bei der 10. Befragung dieser Art konnte erstmals ein Rückgang von Patienten gemessen werden, die angeben, bei einem Notfall in der Nacht oder am Wochenende ein Krankenhaus aufzusuchen. Während in den vergangenen Jahren mehr als 40 Prozent der Befragten sich in dem Fall stationär behandeln ließen, waren dies 2018 nur noch 33 Prozent. 26 Prozent der Befragten geben an, den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu konsultieren, das ist im Vergleich zu den Vorjahren ein Höchstwert.

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„Das ist eine Trendwende und wir sehen langsam die Früchte unserer Bemühungen: Das Wissen um den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die bundesweite Rufnummer 116 177 nehmen zu“, erklärte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, bei der Vorstellung der Befragung Ende August in Berlin. Dafür hat das Umfrageinstitut Forschungsgruppe Wahlen zwischen April und Juni 6.043 Versicherte ab 18 Jahren zu ihrem Verhalten im Versorgungssystem telefonisch befragt.

Vor allem jüngere Menschen gehen demnach bei Notfällen ins Krankenhaus: In den Altersgruppen 18 bis 39 Jahren geben mehr als 40 Prozent der Befragten an, dort Hilfe zu suchen. Allerdings sind es auch die 18- bis 49-Jährigen, bei denen das Wissen über den ärztlichen Bereitschaftsdienst deutlich steigt, da in dieser Altersgruppe immer mehr (plus 12 Prozentpunkte) den ärztlichen Bereitschaftsdienst aufsuchen. Die KBV will im kommenden Jahr eine Informationskampagne zur Rufnummer 116117 starten, um das Angebot bekannter zu machen.

Ein Problem, das Patienten in der Versorgung immer wieder erleben und auch Gesundheitspolitiker seit Jahren beklagen, sind die Wartezeiten auf einen Termin. Die Patienten gaben an, dass sie in der Mehrheit bei Hausärzten keine längeren Wartezeiten hatten. 45 Prozent erklärten, den letzten Arztbesuch ohne Termin oder Wartezeit bekommen zu haben. Auch die Unterschiede zwischen gesetzlich und privat Krankenversicherten ist laut Umfrage offenbar nur gering und bei Wartezeiten von einer bis drei Wochen messbar.

Unterschiede bei Wartezeiten

Deutliche Unterschiede gibt es aber beim Vergleich von Wartezeiten zwischen Haus- und Fachärzten: Während 19 Prozent der Befragten keine Wartezeit für einen Facharzttermin hatten, warteten 13 Prozent bis zu einer Woche, 18 Prozent bis zu drei Wochen und 32 Prozent über drei Wochen auf einen Termin. „Es ist seit Jahren eine Konstante, dass etwa ein Fünftel der Befragten angeben, dass sie lange Zeit auf einen Facharzttermin warten müssen“, erklärte Matthias Jung, Vorstand von Forschungsgruppe Wahlen aus Mannheim.

Der Unterschied zwischen gesetzlich und privat Krankenversicherten bei der Wartezeit auf einen Termin ist offenbar gering. So gaben die Befragten beider Versicherungssysteme an, zum größtenteils keine Wartezeit zu haben. So warteten 16 Prozent der Privatversicherten bis zu einer Woche auf einen Termin, zwölf Prozent der gesetzlich Versicherten warteten ebenso eine Woche. Mehr als drei Wochen Wartezeit hatten 16 Prozent der gesetzlich Versicherten, und zehn Prozent der privat Versicherten. Eine Aufschlüsselung nach Haus- und Facharztterminen gibt es dabei nicht.

Ein Schwerpunkt der KBV-Versichertenbefragung 2018 ist die Digitalisierung des Arzt-Patienten-Kontaktes. Bei der Telefonbefragung gaben 16 Prozent an, dass sie das Internet nicht nutzen. Bei den 60- bis 69-Jährigen sagen 25 Prozent, sie nutzen das Netz nicht, bei den über 70-Jährigen sind es gar 50 Prozent. „Man muss diese Realität bei den Bürgern betrachten, dass gerade die Älteren das Internet nicht so nutzen wie jüngere Generationen“, sagte Meinungsforscher Jung.

Vor einem Arztbesuch informiert sich etwa ein Fünftel der Befragten Internetnutzer im Netz. Allerdings teilen sie die Ergebnisse der Recherchen ihren Ärzten nicht mit. Gründe dafür konnte die telefonische Befragung nicht liefern. „Wir vermuten hier eine Kommunikationsbarriere“, so Jung. Gleichzeitig zeigt die Telefonbefragung, dass die Patienten auch in diesem Jahr ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihren Ärzten haben. Hier gibt es in diesem Jahr 91 Prozent der Befragten, die ein gutes oder sehr gutes Vertrauensverhältnis angeben.

Bei der Suche nach Gründen für das Schweigen über die eigene Internetrecherche ist die diesjährige qualitative Patientenbefragung, die auch dieses Jahr ein Teil der KBV-Versichertenbefragung war, aufschlussreicher. Dafür stellten Forscher der Patientenprojekte GmbH mehrere Fokusgruppen mit Versicherten in vier Städten – Hamburg, Münster, Leipzig und Stuttgart – für Gesprächsrunden zusammen. Alle Teilnehmer nutzen das Internet regelmäßig.

Gut gerüstet für den Arztbesuch

In den Gesprächen kristallisierte sich nach Angaben von Forschungsleiter Sebastian Schmidt-Kaehler heraus, dass viele Patienten sich mit Informationen aus dem Internet für den Besuch in einer Praxis „rüsten“, aber auch die vorgeschlagene Therapie des Arztes überprüfen und abbrechen, wenn sie später andere Informationen finden. Diese „Art von digitaler Zweitmeinung“, sei weit verbreitet. „Vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern glaubten, dass es den behandelten Ärzten nicht recht ist, wenn sie sich im Netz informieren oder Gesundheits-Apps nutzen“, heißt es im Forschungsbericht.

In den Gruppeninterviews stellte sich auch heraus, dass viele Patienten den Wunsch haben, dass digitale Informationen, aber auch Anwendungen wie Apps stärker in den Arzt-Patienten-Kontakt eingebunden werden. Empfehlungen für gute Online-Informationen sowie Gesundheitsapps wünschen sich viele Patienten von ihren Ärzten.

Trotz der Begeisterung und der Offenheit beim Thema Digitalisierung seien die Gesprächsrunden auch von „Ängsten und den Befürchtungen geprägt, digitale Technologien könnten den Zugang zu menschlicher Zuwendung erschweren und den Menschen langfristig verdrängen“, heißt es im Bericht.

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Automatisierte ärztliche Tätigkeiten oder ausschließlich digitale Diagnosen mit Apps lehnten die Studienteilnehmer ab. Ein Beispiel: Den Fokusgruppen wurden nach Darstellung von Schmidt-Kaehler Diagnostik-Apps für Hautkrebs vorgelegt. Die Teilnehmer hatten dabei die Sorge, bei positiven Ergebnissen allein gelassen zu werden und möchten diese Diagnose direkt von einem Arzt bekommen.

Aufgeschlossen zeigten sie sich bei der elektronischen Patientenakte sowie bei der Videosprechstunde: Besonders chronisch kranke Menschen versprechen sich von einer Aktenlösung eine bessere Behandlungsqualität. „Sie haben die Hoffnung, dass sie ihre Krankheitsgeschichte nicht bei jedem Arztbesuch neu erzählen müssen“, so Schmidt-Kaehler. Bei Videosprechstunden wurde kritisch geäußert, dass die Qualität der Kommunikation sich deutlich verändert, wenn nicht gar verschlechtert. Ebenso sagten viele Versicherte, dass sie eine Sprechstunde per Video deutlich öfter wahrnehmen würden, als einen „analogen“ Praxistermin.

Die skeptische Einstellung vieler Deutscher bei der Digitalisierung und dem Schutz eigener Daten wurde auch 2018 bei der KBV-Versichertenbefragung deutlich: Telefonisch wie bei den Einzelbefragungen bewerten zwar über 60 Prozent die geplante elektronische Patientenakte als positiv – ein Drittel der Befragten finden die Anwendung aus Datenschutzgründen nicht gut. Es gebe den großen Wunsch nach Zugriff auf die eigenen Daten aber auch die Kontrolle, wohin diese künftig fließen werden. © bee/aerzteblatt.de

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Avatar #683778
Freudi
am Mittwoch, 29. August 2018, 00:06

Der "persönliche"(!!) Arztkontakt

Leider, leider scheint es immer mehr am "persönlichen" Arztkontakt zu fehlen: Wie oft hört man Klagen (und sieht sogar auch vielfach entsprechende Fotos): Der Arzt schaut sehr viel mehr und länger auf den Bildschirm als in die Augen des Patienten! Eine zwangsläufige Entwicklung?!
LNS

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