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Medizin

Cannabis: THC noch nach sechs Tagen in der Brustmilch nachweisbar

Mittwoch, 29. August 2018

/cicisbeo, stock.adobe.com

San Diego – Die psychoaktive Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) war in einer Studie in Pediatrics (2018; doi: 10.1542/peds.2018-1076) bei stillenden Frauen, die Cannabis konsumiert hatten,  noch bis zu 6 Tage in der Muttermilch nachweisbar.

Marihuana und andere Cannabisdrogen, die derzeit in den USA in 8 Bundesstaaten und der Hauptstadt Washington legal erhältlich sind, werden zunehmend auch von schwangeren und stillenden Frauen konsumiert. Allein bei den schwangeren Frauen ist es nach Recherchen der American Academy of Pediatrics (AAP) zwischen 2002 und 2014 zu einer Zunahme um 62 % des Konsums gekommen. In den sozialen Netzwerken wird die Droge zunehmend als probates Mittel zur Behandlung der Emesis gravidarum propagiert. Dass der Wirkstoff nicht auf den Körper der Mutter beschränkt bleibt, sondern zu einem Drittel durch die Plazentaschranke in den Kreislauf des Kindes gelangt, dürfte vielen Schwangeren dabei nicht bewusst sein.

Die Folgen für die kindliche Entwicklung sind nicht bekannt. Die Rezeptoren für die endogenen Cannabinoide werden jedoch in der Fetalzeit im Gehirn des Kindes gebildet, was eine Schädigung durch den Cannabiskonsum der Mutter plausibel erklären würde. Cannabis ist zudem lipophil, es könnte deshalb über längere Zeit im Gehirn angereichert werden, zu dessen Bausteinen in der Fetal- und der frühen Postnatalphase vor allem Fettsäuren gehören.

Die Lipophilie erklärt auch, warum THC nach dem Konsum längere Zeit in der Muttermilch enthalten ist. Ein Team um Christina Chambers von der Universität von Kalifornien in San Diego konnte THC bei 34 von 54 Frauen bis zu 6 Tage nach dem letzten berichteten Drogenkonsum nachweisen.

Die THC-Konzentrationen schwankten sehr stark von 1,01 bis 323,00 (9,47 ng/ml), was am unterschiedlichen Konsum aber auch am unterschiedlichen THC-Gehalt gelegen habe. Die THC-Konzentration in Marihuana ist heute mehr als 4-mal so hoch wie in den 1980er-Jahren, schreibt die AAP.

Ab welcher Menge THC in der Muttermilch bedenklich ist, ist nicht bekannt. Die AAP rät jedoch allen Schwangeren und stillenden Frauen dringend von einem Konsum ab. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 11. September 2018, 22:20

Längst untersucht

Da jamaikanische Frauen seit Jahrzehnten Cannabis gegen viele Schwangerschaftsmalesten einnehmen (meist orale Zubereitungen), sind dort zahlreiche Untersuchungen größeren Maßstabs durchgeführt worden, die keine Probleme hinsichtlich Schwangerschaftsverlauf, Geburtsverlauf und Entwicklug der Kinder bis ins Schulalter ergaben - ganz im Gegensatz zu Tabak, Alkohol und zahlreiche Medikamente. Eine Studie fand sogar Hinweise für verbessertes Sozalverhalten bei den Säuglingen.
Natürlich sollte man niemand zu Drogenkonsum in der Schwangerschaft raten - aber Cannabis scheint hier deutlich weniger Schadwirkungen als die meisten anderen Drogen zu haben
Avatar #752335
413c32jz8p6r
am Dienstag, 11. September 2018, 17:02

THC in Muttermilch

Die alten Völker überall auf der Welt, haben Cannabis eingesetzt. Ich glaube nicht dass es schädlich ist!!! Es ist einzig und allein schädlich für die Wirtschaft und Pharmaindustrie,die natürlich darauf bedacht sind , dass Cannabis nicht legal wird, da man aus Cannabis alles herstellen kann, und es ein sehr gutes Heilmittel in fast allen Krankheitsgebieten ist.
Avatar #751864
hns
am Freitag, 31. August 2018, 13:11

Derartig undifferenzierte...

Berichterstattung hat leider immer den Beigeschmack von Propaganda. Das ist besonders unschön wenn es von Mediziner-Seite kommt und nicht gerade vertrauensförderlich. Cannabis wurde in Indien über Jahrhunderte zb. gegen Schwangerschaftsübelkeit eingesetzt, was keine Empehlung für dessen Konsum sein soll...aber wenn dort schwere Mißbildungen beobachtet worden wären, hätte es wohl kaum "volksmedizinischen" Status erreicht...Erfahrungswissen usw.
Zum gestiegenen Wirkstoffgehalt:
Es gibt seit Jahrtausenden wenn nicht länger hochpotenten indischen Hanf in der Himalaya-Region (der THc-Gehalt steigt mit der Höhenlage, da die Pflanze bei mehr UV-Strahlung mehr Thc produziert), die so manchen Kripobeamten mit den Ohren schlackern lassen würde. Die aktuellen Sorten sind meist Hybridzüchtungen, die es eigtl. schon seit den 70zigern gibt. Der Trend geht übrigens ganz klar zu weniger THC bzw. einem ausgewogenem THC/CBD Verhältnis...zumindest im Breeder-Bereich und bei den Cannabis-Connaisseuren...nur noch die Kids und Sauftouristen rauchen gestrecktes Skunk von der Mafia, was aber eher einen Zustand von (vorübergehender) Demenz auslöst und unnütz, bisweilen anstrengend erscheint ;-)
Avatar #751864
hns
am Freitag, 31. August 2018, 12:19

Es ist...

wohl kaum anzunehmen, dass sich nach 6 Tagen noch aktives THC im Stoffwechsel findet. Die Halbwertszeit aktiven THCs und von aktiven Metaboliten dürfte je nach Dosierung zwischen 2-8 Stunden liegen. THC-COOH (so kommt das in der Pflanze vor) wird durch Decarboxylierung dh. Erhitzung zu einer psychoaktiven Substanz, der Körper metabolisiert das dann wieder zu nicht aktivem THC-COOH, welches zum 90% wieder ausgeschieden wird, ein kleiner Teil des THC-COOHs kumuliert etwas im Fettgewebe, wo es wieder langsam abgegeben wird...meint die Studie nicht eher nicht-psychoaktive THC-Carbonsäure?
Das Kind im Mutterleib ist natürlich dann auch im akuten bekifften Zustand der Mutter aktiven Cannabinoiden ausgesetzt, was wahrscheinlich nicht zu empfehlen ist, ergo kein Cannabis für Schwangere. In der Muttermilch aber dürfte sich nur THC-Cooh finden, welches aber keine zentrale Wirksamkeit besitzt und für das Nervensystem des trinkenden Kindes nach heutigem Kenntnisstand ziemlich egal sein dürfte.
Avatar #735550
rp__bt
am Mittwoch, 29. August 2018, 18:31

Natürlich...

...genau so wie Schwangere natürlich nicht rauchen (Tabak) und Alkohol trinken sollten!
LNS

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