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Medizin

Nicht nur Kälte, auch Essen aktiviert braunes Fett

Donnerstag, 30. August 2018

Mahlzeit mit Messer und Gabel essen /Alexander Lupin, stock.adobe.com
In standardisierten Mahlzeitexperimenten nahmen die Probanden eine Mahlzeit von etwa 542 kcal auf (58 % Kohlenhydrate, 25 % Fette, 17 % Proteine). /Alexander Lupin, stock.adobe.com

München/Turku – Nicht nur durch Kälte nimmt die Thermogenese in braunem Fett zu. Die Wärmeproduktion durch die Oxidation von Fettsäuren zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur steigt auch beim Essen. Das konnten Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und der finnischen University of Turku in einer Studie mit 25 Personen nachweisen, die in Cell Metabolism erschienen ist (2018; doi: 10.1016/j.cmet.2018.05.020). Die Erkenntnisse könnten wichtig für die Prävention von Übergewicht und Diabetes sein.

Im Gegensatz zum weißen Fettgewebe speichert braunes Fettgewebe Energie nicht in Form von Triacylglyceriden. Braunes Fett verbrennt die Energie der Triacylglyceride, wobei Wärme entsteht (Thermogenese).

Allerdings ändert sich die Aktivität dieses physiologisch besonders günstigen Fettgewebes: Sie nimmt mit dem Alter ab, genauso wie bei Adipösen und Diabetikern. Es wird deshalb nach Möglichkeiten gesucht, die Thermogenese durch braunes Fett anzufeuern und zur Prävention von Adipositas und Diabetes zu nutzen. Schon frühere Studien der TU München haben sich mit dem therapeutischen Potenzial der braunen Fettdepots beschäftigt.

Mehr braunes Fett könnte Adipositas- und Diabetes-Therapie begünstigen

Zunehmende Aktivität des braunen Fettgewebes in vier Patienten (v.l.n.r). Die oberen Panels zeigen axiale Schnitte von FDG-PET/CT-Aufnahmen, die unteren zeigen koronare Schnitte des FDG-PET-Signals. / Journal Nuclear Medicine 2017 München – Die Masse braunen Fetts im Menschen ist mindestens dreimal größer, als bisher bekannt war. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Technischen Universität (...)

Kohlenhydratreiche Mahlzeit so wirksam wie Kältereiz

Bekannt war in diesem Zusammenhang bisher nur eine Option: Kälteinduzierte Thermogenese. „In Studien zeigte sich, dass bei den Probanden, die täglich Stunden in der Kältekammer verbrachten, im Laufe der Kälteanpassung nicht nur die Heizleistung des braunen Fetts in Kälte gesteigert wurde, sondern sich auch die Kontrolle des Blutzuckers durch Insulin verbesserte“, berichtet Martin Klingenspor, Leiter des Lehrstuhls für Molekulare Ernährungsmedizin des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums an der TU München.

Dabei konnte zum ersten Mal gezeigt werden, dass die Wärmebildung im braunen Fettgewebe durch eine Testmahlzeit genauso aktiviert wird wie durch die Kälteexposition. Martin Klingenspor, Else-Kröner-Fresenius-Zentrum, TU München.

Für die aktuelle Studie wurde untersucht, wie sich eine kohlenhydratreiche Mahlzeit auf die Aktivität des braunen Fettgewebes auswirkt. „Dabei konnte zum ersten Mal gezeigt werden, dass die Wärmebildung im braunen Fettgewebe durch eine Testmahlzeit genauso aktiviert wird wie durch die Kälteexposition“, fasst Klingenspor das Ergebnis zusammen.

Für die Studie wurden 16 gesunde, teils übergewichtige Probanden zweimal untersucht: Einmal nach einer Kälteexposition, und ein zweites Mal nach dem Verzehr einer kohlenhydratreichen Mahlzeit. Zusätzlich gab es eine Kontrollgruppe mit 9 gesunden Teilnehmern. Vorher und danach wurden wichtige Marker für die Thermogenese gemessen, darunter nicht nur Glucose- und Fettsäureaufnahme, sondern auch der Sauerstoffverbrauch im braunen Fett. Dabei kam die indirekte Kalorimetrie in Kombination mit der Positronen-Emissions-Tomografie und Computertomografie (PET/CT) zum Einsatz.

„10 Prozent der pro Tag aufgenommenen Energie verpuffen durch die thermogene Wirkung der Nahrung“, sagt Klingenspor. Diese postprandiale Thermogenese nach dem Essen beruht nicht nur auf obligater Wärmebildung durch im Darm einsetzende Muskeltätigkeit, Sekretion und Verdauungsprozesse. Es gibt offenbar auch einen fakultativen Anteil, zu dem das braune Fett einen Beitrag leistet.

Weiterer Gegenstand der Untersuchungen wird nun sein, herauszufinden, ob es sich dabei einfach um Energie handelt, die „verpufft“, oder ob dieses Phänomen eine andere Funktion hat. „Wir wissen mittlerweile, dass die Aktivierung des braunen Fettgewebes mit einem Sättigungsgefühl verbunden sein könnte“, berichtet Klingenspor. Das werden nun weitere Studien zeigen. © gie/idw/aerzteblatt.de

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